Theater erzählt Geschichte der ausgewiesenen Salzburger Protestanten

SchauspielerInnen, SängerInnen und Publikum bewegen sich in „Protestanten!“ auf rund zwei Kilometern durch Leogang

Leogang (epd Ö) – Mit der Ausweisung der SalzburgerInnen, die im 18. Jahrhundert auf Grund ihres evangelischen Glaubens das Land verlassen mussten, beschäftigt sich das Theaterstück „Protestanten!“ in Leogang im Pinzgau. Premiere ist am Donnerstag, 10. Juli.

Nach „Almenrausch & Edelweiß – ein Wildererdrama“ (2006/07) und „Erzgang – ein Spiel im Berg“ (2007; 2008 Wiederaufnahme) schließt „Protestanten!“ die Trilogie der Theatergruppe „ortszeit“ ab. „‚Protestanten!‘ richtet den Blick auf ein bis heute gültiges Paradigma von Vertreibung, Fremdheit und Exil“, so Alex Fussi, der für die Dramaturgie verantwortlich zeichnet.

Leogang war einer der Brennpunkte eines äußerst unrühmlichen Kapitels der Salzburger Landesgeschichte: 1731/32, als sich die religiöse Lage in ganz Europa bereits weitgehend beruhigt hatte, brach im Fürsterzbistum eine beispiellose Jagd auf die evangelischen „Ketzer“ los. Trotz Interventionen aus ganz Europa wurde innerhalb von zehn Monaten ein Fünftel der Bevölkerung – 20.000 Menschen – unter unmenschlichen Bedingungen des Landes verwiesen.

In Leogang und Umgebung, wo zu dieser Zeit 2.000 Evangelische lebten, ist die protestantische Bewegung eng mit den Namen Hans und Bartholomäus Hoyer verbunden. Als Bauern in Vorderrain waren sie nicht nur Besitzer eines angesehenen Hofes, sondern standen auch in einer damals schon 100-jährigen evangelischen Familientradition; an Sonntagen versammelten sich Protestanten in ihrem Obstgarten, um die Predigt zu hören. Die beiden Brüder waren unter den ersten, die sich an der Spitze einer Abordnung Leoganger Männer protestantisch erklärten – und sie waren auch unter den ersten, die einer Verhaftungswelle im Herbst 1731 zum Opfer fielen. Im Mai 1732 wurden sie, kaum aus der Haft entlassen, des Landes verwiesen.

Auf der Suche nach einer neuen Heimat fanden die meisten Vertriebenen Aufnahme in Preußen, dessen Ostgebiete durch die Pest entvölkert waren. Ein kleinerer Teil zog nach Holland; einige gelangten über England bis nach Amerika. Von Leogang jedoch heißt es noch 1733 in einem Missionsbericht der Jesuiten: „Es war, als ob gleichsam das ganze Leogang der fressende Közer funkhen gefasset hätte!“

„Protestanten!“ erzählt die Geschichte dieses Aufbruchs. Das Stück setzt ein in dem Moment, in dem nach einer landesweiten Versammlung der folgenschwere Beschluss gefasst wird, sich nicht mehr länger zu verstecken. In einer Mischung aus Sorge und Euphorie machen sich die Protestanten auf, um sich vor der weltlichen und geistlichen Obrigkeit zu bekennen: „Wir wissen nicht, ob sie uns umbringen, des Landes verweisen oder Prediger genehmigen werden …“

„Protestanten!“ besteht aus vier Teilen: dem Hof, der Straße, dem Dorf und der Kirche – jenen Elementen, die auch die Pfeiler der Vertreibungsgeschichte bilden. Vom ehemals Hoyerschen Vorderrain bewegt sich das Stück auf etwa zwei Kilometern durch das Dorf. Immer wieder teilt sich der Zug in unterschiedliche, kleinere Szenen; die Protestanten demonstrieren durch lautes Singen und Beten ihren ungebrochenen Widerstand. Ein Teil des kollektiven Unterbewusstseins wird sicht- und hörbar – einschließlich der Reaktionen darauf.

Premiere ist am Donnerstag, 10. Juli 2008, die Aufführungen finden dann bis einschließlich 2. August jeweils Donnerstag bis Samstag um 19.00 Uhr statt. Info: www.ortszeit.at; Ticket-Hotline: +43 (0) 699/120 16 220; Karten: 17 bis 25 Euro

ISSN 2222-2464