Terrorismus: Gemeinsam gegen Gewalt

Die Vertreter von Juden, Christen und Muslimen sind sich einig: Am respektvollen Miteinander der Religionen führt kein Weg vorbei (Foto: epdÖ/M. Uschmann)
Die Vertreter von Juden, Christen und Muslimen sind sich einig: Am respektvollen Miteinander der Religionen führt kein Weg vorbei (Foto: epdÖ/M. Uschmann)

Bundespräsident empfing Religionsvertreter in der Hofburg

Wien (APA/epdÖ) – Bundespräsident Heinz Fischer hat angesichts der Anschläge in Paris die Oberhäupter der größten Religionsgemeinschaften in Österreich zu einem Gespräch in die Hofburg geladen. Während der knapp einstündigen Sitzung wurde eine gemeinsame Erklärung verfasst, wie man auf die Bedrohung des religiös motivierten Terrorismus reagieren solle. Insgesamt acht Punkte umfasst das Statement der Religionsvertreter, darunter Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Michael Bünker, der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Lothar Pöll, der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft, Fuat Sanac und Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg. Zur Bekanntgabe waren auch die beiden Minister Josef Ostermayer und Sebastian Kurz in der Hofburg erschienen. Nicht nur die „Abscheu“ über die in Frankreich begangenen Verbrechen wurde festgehalten. Auch bekannten sich alle Religionsoberhäupter zu der in Österreich gepflogenen Rechtsstaatlichkeit und den demokratischen Prinzipien.

Neben sicherheitspolitischen Antworten fordern die Religionsvertreter auch darüber hinaus gehende Maßnahmen auf die Anschläge in Paris. Diese müssten insbesondere auch Bildungspolitik und Integrationspolitik umfassen, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Für die Vertreter der größten Glaubensgemeinschaften in Österreich ist nun „Klugheit und Verantwortungsbewusstsein“ besonders in der aktuellen Situation wichtig, heißt es zu Beginn der Erklärung. Gleichzeitig betont man darin die „Solidarität mit den Opfern und deren Angehörigen“ von Paris und spricht eine „Warnung vor weiterem Blutvergießen“ aus: „Es gibt kein Anliegen der Welt, schon gar kein religiöses Anliegen, dem man mit Mord- und Totschlag dienen oder nützen kann.“

„Werte und Prinzipien, die über Jahrhunderte hinweg erarbeitet und entwickelt wurden, wie Menschenwürde, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, kann der Fanatismus irregeleiteter Menschen auch mit Gewalt und Terror nicht aus der Welt schaffen“, heißt es weiter in der Erklärung. Weiters wird darin betont, dass in Österreich Staat und Kirche getrennt seien, dies aber kein Hindernis dafür sei, bei der Abwehr von Terror sowie bei der Verteidigung von Demokratie, Menschenwürde und Menschenrechten zusammenzuarbeiten.

Auch haben die Religionsvertreter festgehalten, dass bei den Terroranschlägen in Frankreich Christen, Juden, Muslime, sowie „vielleicht auch Menschen ohne religiöse Bindung“ ums Leben gekommen seien, weswegen auch darum die Zusammenarbeit aller Glaubensgemeinschaften wichtig sei. „Meinungsfreiheit und der Respekt vor dem, was anderen Menschen heilig ist, sind hohe Rechtsgüter, die ebenso gut nebeneinander existieren können wie Meinungsfreiheit und der Schutz vor Verleumdung und Beleidigung“, heißt es in einem weiteren Punkt der Erklärung.

Auch das gemeinsame Bekenntnis von Christen, Juden und Muslimen zum Rechtsstaat unterstreichen die Repräsentanten in ihrer Erklärung, in der festgehalten wird: „Bibel, Tora und Koran sind Bücher der Liebe, nicht des Hasses.“ An dem Treffen nahmen ebenfalls Teil Erzpriester Ioannis Nikolitsis für die christlich-orthodoxen Kirchen und Caritas-Präsident Michael Landau.

Sanac bedankte sich nach dem rund einstündigen Gespräch bei Fischer für die „starke Unterstützung in der Krisensituation“ und erinnerte daran, dass Terrorismus nicht nur ein Problem der Muslime, sondern eines der gesamten Menschheit sei. Und: „Terrorismus produziert auch Gegenterrorismus.“ Schönborn appellierte an den gegenseitigen Respekt und betonte, dass die österreichische Verfassung sowohl die Meinungsfreiheit und jene der Kunst, als auch Religionsfreiheit schütze. Oberrabbiner Eisenberg erklärte, dass die Verärgerung über die Bundesregierung, die bei einer Gedenkveranstaltung die jüdischen Opfer bei der Geiselnahme in einem koscheren Supermarktes nicht erwähnt hatten, mittlerweile ausgeräumt sei.

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ISSN 2222-2464