Syrischer Bischof: Dramatische Situation erfordert Hilfe

Zahlreiche Kirchen, Gemeindezentren, diakonische Einrichtungen und Wohnhäuser von Gemeindemitgliedern sind in Syrien - im Bild die Stadt Aleppo - zerstört. Foto: wikimedia
Zahlreiche Kirchen, Gemeindezentren, diakonische Einrichtungen und Wohnhäuser von Gemeindemitgliedern sind in Syrien - im Bild die Stadt Aleppo - zerstört. Foto: wikimedia

Krömer appelliert an neue Bundesregierung, Flüchtlingshilfe zu verstärken

Wien/Nikosia (epdÖ) Auf die dramatische Situation der Christen in Syrien hat der Bischof der  Armenisch-Apostolischen Kirche Armash Nalbandian hingewiesen. Bei einer Fachtagung der Arbeitsgruppe für Menschenrechte der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), die vom 8. bis 10. November in Nikosia in Zypern stattfand, berichtete der Bischof von der Zerstörung zahlreicher Kirchen, Gemeindezentren und diakonischer Einrichtungen, aber auch von zerstörten Wohnhäusern der Gemeindemitglieder. Mehr als die Hälfte der gesamten syrischen Bevölkerung sei auf der Flucht, wobei mehr als die Hälfte der Einwohner innerhalb von Syrien auf der Flucht sind. In bestimmte Gebiete könnten die Christen wegen islamistischer Gruppierungen nicht zurückkehren. Weil bis auf wenige Ausnahmen in Damaskus viele Objekte zerstört sind, stehe die Armenisch-Apostolische Kirche vor einer „katastrophalen“ Situation. Dessen ungeachtet ruft der Bischof die Mitglieder seiner Kirche auf, nicht ins Ausland zu fliehen, sondern in Syrien zu bleiben und sich – soweit es möglich ist – da und dort am Wiederaufbau zu beteiligen. Gleichzeitig appelliert Nalbandian an die europäischen Kirchen, Unterstützung für sämtliche Christen in Syrien vor Ort zu leisten, damit diese nicht nach Europa fliehen müssen. Für jene syrische Christen, die nach Europa geflohen sind, sollte es, so der Bischof, entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten geben, um sie gemeinsam mit den christlichen Kirchen in Syrien nach einer politischen Lösung des Syrienkonfliktes zu ermutigen, in ihre Heimat zurückzukehren.

Die Fachtagung, die die Arbeitsgruppe der KEK gemeinsam mit der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Zypern veranstaltet hatte, beschäftigte sich mit dem Schutz kirchlicher Bauwerke in Europa und dem Nahen Osten. Über die diesbezügliche rechtliche Situation in Österreich berichtete dort der Präsident der evangelischen Generalsynode in Österreich, Peter Krömer. Der St. Pöltner Rechtsanwalt, der seit mehreren Jahren der Arbeitsgruppe angehört, zeigte sich gegenüber dem Evangelischen Pressedienst bewegt von den dramatischen Schilderungen des syrischen Bischofs. „Wenn man diese Worte hört, muss man eigentlich die neu zu bildende Bundesregierung auffordern, mehr für die Flüchtlingsbetreuung in Syrien, Libanon und Jordanien zu leisten, sowie für die im Flüchtlingsstatus anerkannten syrischen Flüchtlinge für deren Ausbildung in Österreich zu sorgen, vor allem aber im Rahmen der Europäischen Union und OSCE diplomatische Initiativen in Richtung Befriedigung dieses Konfliktes einzuleiten“, sagt der Synodenpräsident.

Die Religionsfreiheit könne von Kirchen und Religionsgesellschaften letztlich auch nur dann ausgeübt werden, wenn gleichzeitig der Schutz des Eigentums an kirchlichen Baulichkeiten gewährt werde. Dies gelte auch im Zusammenhang mit Kriegen. Zerstörte Baulichkeiten müssten wieder errichtet werden können, denn viele Gläubige brächten ihren Glauben mit gewissen Baulichkeiten in Verbindung. So sei es etwa für viele griechische Zyprioten, die 1974 nach der Invasion durch die Türkei Nordzypern verlassen mussten, schmerzlich, dass sie die Kirchen, in denen sie getauft wurden, geheiratet haben oder ihre Kinder taufen ließen, oder von nahen Angehörigen Abschied nahmen, nicht mehr besuchen können, obwohl für sie der Besuch von Nordzypern möglich ist. Entweder wurden diese Kirchen zu Moscheen umgebaut oder anderen Zwecken zugeführt, z.B. für verschiedenste türkische Kulturvereine, andere seien zerstört und der Wiederaufbau verboten.

Bei der Fachtagung sprachen Metropolit Chrysostomos II. von Zypern, der zypriotische Außenminister, zahlreiche orthodoxe Bischöfe sowie Bischöfe von altorientalischen Kirchen. Über den Schutz der heiligen Stätten in Jerusalem und Palästina referierte der Patriarch der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Jerusalem Theophilos III. Teilgenommen hat auch ein Pfarrer der Evangelisch-Armenischen Kirche, der früher seinen Sitz in Aleppo hatte und jetzt in Syrien und Libanon arbeitet.

Am Themenbereich der Fachtagung, der neben Zypern auch den Kosovo, die Türkei, Syrien und Libanon massiv betrifft, will die Konferenz Europäischer Kirchen weiterarbeiten.

 

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ISSN 2222-2464