Syrien-Flüchtlinge: Ökumenischer Rat appelliert an Regierung

"Wir schätzen die Arbeit österreichischer und internationaler Behörden, aber außerordentliche Not verlangt auch außerordentliche Maßnahmen", so der ÖRKÖ-Vorsitzende Lothar Pöll. Foto: epd/Uschmann
"Wir schätzen die Arbeit österreichischer und internationaler Behörden, aber außerordentliche Not verlangt auch außerordentliche Maßnahmen", so der ÖRKÖ-Vorsitzende Lothar Pöll. Foto: epd/Uschmann

ÖRKÖ-Vorsitzender Pöll: „Außerordentliche Not verlangt außerordentliche Maßnahmen“

Wien (epdÖ) – Die Situation syrischer Flüchtlinge greift der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) in einer Erklärung auf: „Wir schätzen die Arbeit österreichischer und internationaler Behörden, aber außerordentliche Not verlangt auch außerordentliche Maßnahmen“, hieß es in dem am Dienstag, 25. Februar veröffentlichten Papier, das die Bildung einer interministeriellen „Task Force“ fordert. Die Erklärung wurde vom Vorsitzenden des ÖRKÖ, dem evangelisch-methodistischen Superintendenten Lothar Pöll, vorab an Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger übermittelt.

Zahlen aus dem Vorjahr – 2013 haben 1991 syrische Staatsbürger in Österreich um Asyl angesucht, 1153 sind in sichere Drittländer abgeschoben worden – würden deutlich machen, dass die Causa Syrien-Flüchtlinge nicht im Rahmen der ordentlichen Administration bewältigt werden könne, so sehr der ÖRKÖ die Arbeit österreichischer und internationaler Behörden (etwa des UNHCR) auch schätze. Abhilfe soll eine interministerielle „Task Force“ schaffen, die „entsprechende Maßnahmen in die Wege leitet, um eine größere Zahl besonders gefährdeter oder traumatisierter Menschen aus Syrien aufzunehmen“.

Das Papier fordert die Österreichische Regierung außerdem einmal mehr dazu auf, das geplante Kontingent von 500 aufzunehmenden syrischen Flüchtlingen zu verdoppeln und an die in Österreich hochgehaltene Tradition anzuknüpfen, Flüchtlingen in außerordentlichen Notsituationen Asyl zu gewähren. In Syrien spiele sich gerade eine „humanitäre Katastrophe ungeahnten Ausmaßes“ ab, die nur in der „Zusammenarbeit aller aufnahmebereiten Länder“ zu bewältigen sei. Bisher trügen die Hauptlast aber vor allem die Nachbarländer Syriens.
Zugleich müsse daran erinnert werden, dass die Republik Österreich Maßnahmen zur raschen Integration der Flüchtlinge aus Syrien zu ergreifen habe, insbesondere im Bereich der Beschaffung von Wohnraum. Diese Sorge könne nicht den kirchlichen Gemeinden aufgebürdet werden, denen viele der Flüchtlinge angehören, so die Erklärung.

Der ÖRKÖ betonte in seiner Erklärung außerdem die Gültigkeit der Formel „Kinder, Frauen und Christen zuerst“. Berichte aus Syrien würden zeigen, dass Christen angesichts des Einströmens von islamistischen Kämpfern aus dem Ausland tatsächlich besonders gefährdet seien.

In seinen Begleitbriefen erinnerte Pöll daran, dass die ÖRKÖ-Mitgliedskirchen immer wieder „überaus dramatische Berichte über die Situation der Zivilbevölkerung in Syrien und hier insbesondere der Angehörigen der religiösen Minderheiten, vor allem der Christen“, erhalten. Mit solchen Berichten (oft Augenzeugenberichte aus persönlichem Erleben) werde der ÖRKÖ-Vorstand auch über die in Österreich ansässigen Gemeinden der in Syrien tätigen Kirchen konfrontiert. In der Verantwortung für die betroffenen Menschen melde sich der ÖRKÖ-Vorstand daher neuerlich zu Wort.

ISSN 2222-2464