Synode: Gedenken an den 75. Jahrestag der Barmer Theologischen Erklärung

Wien (epd Ö) – Mit einer Vesper ist am Montagabend, 1. Juni, im Evangelischen Gymnasium in Wien-Erdberg die evangelisch-lutherische Synode eröffnet worden. In einer außerordentlichen Sitzung beraten knapp 60 Delegierte aus ganz Österreich bis Dienstagabend über eine Reform der kirchlichen Organisation.

 

Die Vesper zur Eröffnung der Synode war geprägt vom Gedenken an die Verabschiedung der Barmer Theologischen Erklärung vor 75 Jahren. Die Barmer Theologische Erklärung war das theologische Fundament der Bekennenden Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus. Auf der ersten Bekenntnissynode vom 29. bis 31. Mai 1934 in Wuppertal-Barmen wurde sie einstimmig verabschiedet.

Bischof Michael Bünker ging bei der Vesper auf ein Kunstwerk der deutschen Künstlerin Ulle Hees ein, die in kirchlichem Auftrag eine Bronzeplastik zur Barmer Theologischen Erklärung geschaffen hat. Die Plastik zeigt „Ja-Sager und Nein-Sager“. „Ja-Sager und Nein-Sager sind oft sehr nahe, sind nicht selten Nachbarn, befinden sich oft in derselben Familie, in derselben Pfarrgemeinde oder sitzen im selben Presbyterium“, sagte der Bischof bei der Eröffnung. Bünker erinnerte daran, dass die Evangelische Kirche in Österreich die Barmer Theologische Erklärung in ihre eigene Verfassung aufgenommen habe. Das Anliegen der Barmer Thesen sei „erstaunlich aktuell“, so der Bischof, und lasse sich zusammenfassen in der Frage: „Ist unsere Kirche immer noch bei der Sache?“

Auch die Männer von Barmen waren letztlich „Kinder ihrer Zeit“, meinte Oberkirchenrätin Hannelore Reiner in ihrer Kurzpredigt. So würden heute, nach 75 Jahren, manche Punkte der Barmer Thesen „genauer hinterfragt“, etwa warum sich in dem Dokument keine Verwerfung der Judenverfolgung finde, kein klares Wort gegen die Euthanasie oder warum „bloß Brüder erwähnt“ würden. Letztlich sei die Barmer Theologische Erklärung jedoch einstimmig beschlossen worden, ihre Thesen „nicht überholt“. Das „freie Geständnis und das offene Bekenntnis“ seien erwachsen „aus dem Nein zur Eingliederung der Evangelischen Kirche in Deutschland in den nationalsozialistischen Staat“, sagte die Oberkirchenrätin, „die Väter von Barmen waren Nein-Sager“. Die Thesen aus dem Jahr 1934 seien dann für viele Christinnen und Christen in der Zeit des Nationalsozialismus „wegweisend“ geworden. Reiner würdigte die „Eindeutigkeit und klare Bezogenheit auf Jesus Christus“. Auch heute brauche es ein „klares Nein im Geist der Barmer Erklärung zu allem, was uns von Jesus Christus wegbringen will“. Das gelte besonders auch angesichts der „EU-Wahl mit ihren unerträglichen Aussagen“.

ISSN 2222-2464