Surft Gott im Internet?

Pfarrer Schumann an der Kinderuniversität

Wien (epd Ö) – „Der eigentliche Anstoß für mich, bei der Kinderuniversität mitzumachen, war mein Sohn Julius, der dort vor einigen Jahren Kurse besucht hat“, sagte Pfarrer Dr. Stefan Schumann gegenüber epd Ö. Schumann ist am 16. Juli an der Kinderuniversität Wien der Frage „Surft Gott im Internet?“ nachgegangen.

„Mein Forschungsgebiet ist Religion und Cyberspace, also die Fragen, die die moderne Medienwelt für Religion und Theologie bereithält. Diese Kinder wachsen in die Welt des Internets tiefer hinein, als meine Generation es getan hat. Hier die ersten Schienen zu legen, ein Bewusstsein zu bilden, dass Kirche und Religion auch in diesen Räumen zu Hause ist, und das für die Kinder aufzubereiten – das ist sehr interessant.“

Die Kinder und Jugendlichen seien mit dem Internet viel selbständiger und eigenverantwortlicher aufgewachsen als seine Generation, so der Pfarrer. „Die Jugendlichen bringen ihre eigenen Vorstellungen von Kirche und Religion mit und erfahren dann, dass Kirche auch im Internet – etwa mit Spielen – auf sie wartet, auf der Website der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) beispielsweise.“

„Im Workshop ging es auch darum zu erfahren, was das Internet ist und was es für uns alle bedeutet, weltweit vernetzt zu sein. Dann stellt sich natürlich die Frage: Wo findet sich Gott im Cyberspace? Gibt man das Wort Gott in die Suchmaschine Google ein, dann bekommt man innerhalb von einer Sekunde über 57 Millionen Ergebnisse. Viele davon sind auch für Kinder geeignet, sei es eine virtuelle Kinderkirche oder Informationsseiten.“

Kirche ist schon dort

Pfarrer Schumann will den Kindern auch die Kirche im Netz näherbringen: „Die Kinder sollen wissen, dass es keine Trennung gibt: Es gibt Kirche nicht nur an bestimmten Orten und Tagen, beispielsweise am Sonntagmorgen, und alles andere, ihre Welt, die die Kinder kennen – spielen, Freunde und Freizeit – das alles hätte mit der Kirche keine Berührungspunkte. Die Kirche ist längst schon dort, wo auch Kinder ihre Räume entwickeln und suchen – und das möchte ich klarmachen.“

Keinesfalls aber ginge es bei den Workshops um Mission oder Ähnliches: „Ich bin bei der Kinderuniversität und nicht bei der Kirche“, betont Schumann, der auch am Institut für Praktische Theologie und Religionspsychologie lehrt.

3.600 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren hatten sich angemeldet bei der Kinderuniversität in Wien, die vom 7. bis 19. Juli ihre Pforten geöffnet hatte. Wie an einer richtigen Uni gibt es Stempel, Studienbücher und Ausweise und am Ende sogar eine Sponsion. Unterrichtet werden die Kinder von WissenschaftlerInnen; einer von ihnen ist der evangelische Pfarrer Stefan Schumann. Schumann hatte bereits zum vierten Mal einen Workshop angeboten. „Ich freue mich schon auf das nächste Jahr. Es macht Spaß, mit den Kindern und Jugendlichen über das Internet zu arbeiten und ihr Erstaunen zu erleben, wenn sie bemerken, dass sie bei der Theologie gelandet sind.“

ISSN 2222-2464