Superintendentin Müller: Kirche muss Räume zum Wohlfühlen bieten

In Wörgl tagte die Superintendentialversammlung der Diözese Salzburg/Tirol

Wörgl(epd Ö) – „Mein Traum ist es, dass es einmal kein Innen und kein Außen mehr gibt. Dass wir so Gemeinde sind, dass wir nicht ein zusammengeschweißter Zirkel von Eingeweihten sind, die sich um die anderen, die draußen, ‚kümmern‘, sondern dass wir einander befruchten. Dass wir im Paradox leben, angestoßen, auf den Weg geschickt vom Imperativ des Evangeliums, aber gleichzeitig ruhend im Indikativ. Der Grund ist gelegt.“ Mit diesen Worten schloss die Superintendentin von Salzburg/Tirol, Luise Müller, ihren Bericht vor der Superintendentialversammlung ihrer Diözese am 21. März in Wörgl.

In ihrem umfangreichen Bericht, der unter dem Motto des Tiroler Andreas-Hofer-Gedenkjahres „Geschichte trifft Zukunft“ stand, stellte Müller die Frage: „Wie können wir in mehr Menschen Lust wecken, sich sowohl der Gemeinschaft mit anderen Menschen als auch der Gottesbegegnung auszusetzen?“ So sei auch das Erscheinungsbild der Gottesdienste wie der LiturgInnen von großer Bedeutung. „Mir ist eines ganz wichtig“, betonte die Superintendentin, „dass wir die Gefühle der Menschen achten, sorgfältig sind in dem, was wir sagen und wie wir auftreten. So wie wir unsere Gottesdiensträume ästhetisch einladend gestalten, so sollten auch wir auftreten.“ Es brauche Räume zum Wohlfühlen, so Müller, „ich bitte uns alle, Menschen zu sein, bei denen man sich wohlfühlen kann.“

Neuralgischer Punkt Touristentrauungen

Als „neuralgischen Punkt“ der Diözese Salzburg-Tirol nannte Müller auch die stark steigenden Trauungen von Touristen. Die Anfragen, ausgelöst von Fernsehsendungen, Websites zum Thema Hochzeit und von der „Geschäftstüchtigkeit von Hochzeitsagenturen“, überforderten die Gemeinden. Gebraucht würden UrlaubsseelsorgerInnen, die von Mai bis September in Zusammenarbeit mit den Pfarrgemeinden vor Ort „gerne in der freien Natur oder auf irgendwelchen Hütten“ derartige Trauungen vornehmen.

Im Blick auf die im vergangenen Jahr in ihrer Diözese um 33 Prozent gestiegenen Austritte, die überwiegend in Zusammenhang mit dem Kirchenbeitrag stehen, lud die Superintendentin zu Kirchenbeitragsworkshops ein, „wo wir versuchen, neue Ideen umsetzungsreif zu machen“.

Bischof Bünker für Großzügigkeit in Kirchenbeitragsfragen

„Die missionarische Kirche ist nach außen orientiert, kommunikativ und einladend, gastbereit und kinderfreundlich. Sie kann ihre Botschaft auch im säkularen Kontext verständlich machen und hat eine klare Position in und zu den gesellschaftlichen Herausforderungen.“ So beschrieb Bischof Michael Bünker auf der Superintendentialversammlung das Ziel des derzeitigen Reformprozesses in der Evangelischen Kirche A.B. Bünker räumte ein: „Ein Aufbruch ist nur möglich, wenn wir zuvor kritisch prüfen, wo unsere Kräfte unnötig und in unverantwortbarer Weise gebunden sind.“ Angesichts der Wirtschaftskrise sei sicher, „dass mit einem Rückgang der Spenden zu rechnen sein wird und dass eine wachsende Zahl von Menschen auch aus wirtschaftlichen Gründen zur Überlegung kommen wird, ob nicht eventuell der Kirchenbeitrag eingespart werden könne“. Der Bischof plädierte in diesem Bereich für Großzügigkeit, die sich auf lange Sicht lohnen könnte.

Zwei Stunden mehr Unterrichtszeit bedeuten Verluste für die Kirche

Zu den derzeit diskutierten Plänen der Unterrichtsministerin, die Unterrichtszeit um zwei Stunden zu erhöhen, erklärte Bünker, für die an vielen Schulen meist teilzeitlich beschäftigten ReligionslehrerInnen bedeute dies eine weitere Erschwerung ihrer Situation. Bei den geistlichen AmtsträgerInnen mit ihrem Pflichtstundenausmaß von acht Stunden würde sich ein Rückgang des Einkommens um rund neun Prozent ergeben. „Dies“, so der Bischof, „würde unmittelbar auf den Teil der kirchlichen Einnahmen durchschlagen, der aus den Einnahmen aus dem Religionsunterricht stammt.“

Neben dem Religionsunterricht war es vor allem auch das Thema Ehrenamt, das auf der Superintendentialversammlung ausführlich diskutiert wurde. Superintendentin Müller sprach sich hier für eine Fortsetzung der erfolgreichen Ausbildungsangebote aus. Um diese zu finanzieren, will die Diözese wie in den letzten drei Jahren eine zweckgebundene Kollekte einheben.

ISSN 2222-2464