Superintendent Pöll: „Mission und Ökumene gehören zusammen“

Offizieller Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich zur „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“ in Wien-Leopoldau

Wien (epd Ö) – „Mission und Ökumene gehören zusammen wie zwei Seiten einer Medaille“: Das betonte der evangelisch-methodistische Superintendent Lothar Pöll beim offiziellen Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) zur „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“. Ökumene ohne Mission sei „provinziell“, so Pöll. Als Ziel der ökumenischen Bewegung nannte er eine „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“. Das Zeugnis für das Evangelium von Jesus Christus müsse „vielstimmig“ sein, aber nicht disharmonisch.

Der Gottesdienst fand am 22. Jänner in der Wiener katholischen Pfarrkirche Leopoldau statt, die anschließende Agape im wenige Meter entfernten syrisch-orthodoxen Kulturzentrum St. Ephrem. Der Gottesdienst wurde von den Repräsentanten der Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates gemeinsam gestaltet, unter ihnen die Bischöfe Michael Bünker (evangelisch-lutherisch), Helmut Krätzl (römisch-katholisch), Johannes Okoro (altkatholisch), Mesrob Krikorian (armenisch-apostolisch) und Emanuel Aydin (syrisch-orthodox).

Pöll erinnerte an das diesjährige Motto der „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“: „Er ist auferstanden – und ihr seid Zeugen!“. Dieses Zeugnis für Jesus Christus könne heute nur im Dialog mit den suchenden Menschen erfolgen. Dabei stelle sich heraus, dass Mission in der eigenen Stadt am schwierigsten sei, nicht zuletzt deshalb, weil „Kinder und Jugendliche in einem religionslosen Milieu aufwachsen“. Umso mehr seien „offene, einladende christliche Gemeinden“ notwendig, die keine „Berührungsängste“ mit der modernen Kultur haben.

Hindernis für die Mission

Vor 100 Jahren – 1910 – habe bei der Weltmissionskonferenz in Edinburgh die Geburtsstunde der modernen ökumenischen Bewegung geschlagen, betonte der methodistische Superintendent. Damals sei klar geworden, dass die Spaltung der Christen das schwerste Hindernis für die Mission ist. Das ehrgeizige Ziel der Konferenz von Edinburgh, das Evangelium „in dieser Generation“ aller Welt zu vermitteln, sei nicht erfüllt worden. Aber heute sei deutlicher als damals, dass die Ereignisse um Jesus auf dem Hintergrund der Geschichte Israels gesehen werden müssen. Heute sei klar, dass das Christentum eine „unverzichtbare jüdische Wurzel“ hat: „Jede Inkulturation darf nicht dazu führen, dass die jüdische Wurzel verlorengeht.“ Mission sei heute Zeugnis für „einen Gott, dessen Liebe stärker ist als der Tod“, so Pöll: „Mission ist untrennbar mit Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung verbunden.“

Bei dem ökumenischen Gottesdienst wurde für ein ÖRKÖ-Projekt zur Friedensstiftung und Vergangenheitsbewältigung in Ex-Jugoslawien gesammelt. Das Projekt wird u.a. von der Diakonie und vom Internationalen Versöhnungsbund mitgetragen. In Trainings-Workshops konfrontieren einstige „Gegner“ einander mit ihrer Vergangenheit in den 1990er Jahren. Im Dialog mit den jeweils „Anderen“ werden eigene individuelle Kriegserfahrungen sowie die der einstigen Gegner betrachtet und aufgearbeitet, wodurch Frieden und Versöhnung überhaupt erst möglich werden, wie der frühere methodistische Superintendent Prof. Helmut Nausner betonte. Nach dem Gottesdienst wurde auch ein neues Buch des syrisch-orthodoxen Chorbischofs Emanuel Aydin vorgestellt: „O Herr, sag mir“. Darin wird die Lebensgeschichte des Chorbischofs beschrieben, der aus dem Tur Abdin im südöstlichen Anatolien stammt. Vor allem in der Schilderung seiner Kindheits- und Jugenderlebnisse wird deutlich, was der Alltag eines Christen in einem muslimisch geprägten Land bedeutet.

ISSN 2222-2464