Superintendent Olivier Dantine in sein Amt eingeführt

Amtseinsführung in Innsbruck: Superintendent Olivier Dantine folgt auf Luise Müller. Foto: epd/Dasek

„Kirche ist niemals unparteiisch“ – „Bedürfnisse der Menschen sehen, hinhören, dienen“

Innsbruck (epdÖ)  Mit einem Festgottesdienst in der Innsbrucker Christuskirche ist am Samstagnachmittag, 6. Oktober, der neue Superintendent der Diözese Salzburg-Tirol, Olivier Dantine, in sein Amt eingeführt worden. Der 39jährige gebürtige Wiener folgt auf die langjährige Superintendentin Luise Müller, die Ende August in den Ruhestand trat.

In seiner Predigt sprach der neue Superintendent von einem Gott, der „ganz nah bei den Menschen ist, der für seine Schöpfung brennt und dabei nicht ausbrennt“. Kirche sei nur dann Kirche, wenn sie auch eine diakonische und eine wachsame Kirche sei. Dabei dürfe sie nicht akzeptieren, dass etwa im Umgang mit Migrantinnen und Migranten „diffuse Ängste benutzt werden, um ein Bedrohungsszenario aufzubauen“. Vielmehr gelte: „Die Bedürfnisse der Menschen sehen, hinsehen, hinhören, dienen. Das ist Kirche.“

Die Kirche dürfe keine neutrale Position gegenüber der Welt einnehmen, mahnte Dantine. „Auch Jesus war nicht unparteiisch, sondern hat Partei ergriffen für all jene Menschen, für die sonst niemand eingestanden ist.“ Die Kirche müsse „Anwältin jener Menschen sein, denen sich der befreiende Gott zuwendet – Kindern, Frauen und Männern, deren Leid sonst nicht gesehen wird“.

Olivier Dantine wurde durch Bischof Michael Bünker in sein Amt eingeführt. Der Bischof erinnerte in seiner Ansprache daran, dass sich in der evangelischen Kirche niemand auf die Position des Superintendenten bewerben könne, ebenso wenig werde ein Superintendent „von oben“ eingesetzt. Vielmehr würden die Pfarrgemeinden geeignete Kandidatinnen und Kandidaten nominieren und deren Delegierte den Superintendenten wählen, „von Anfang und bis zuletzt entscheiden die Pfarrgemeinden“. So sei sichergestellt, dass „die geistliche Leitung niemals die Attitude der Herrschaft annehmen kann, sie ist immer nur Leitung durch das Wort“. Leitung bedeute „nichts anderes, als Partner der Gemeinden zu sein und darauf zu achten und ihnen zu helfen, dass sie bei ihrer Sache bleiben“, erklärte der Bischof.

Die Notwendigkeit einer ökumenischen Zusammenarbeit in Schule, Krankenhausseelsorge und Caritas, aber auch „in den ethischen Fragen des Lebens, des Friedens, der Gerechtigkeit, der Schöpfungsverantwortung, in der gemeinsamen Besinnung auf die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens oder im interreligiösen Dialog“, betonte der römisch-katholische Diözesanbischof Manfred Scheuer bei der Amtseinführung. Scheuer würdigte Luise Müller als Vertreterin des „sympathischen Gesichts der evangelischen Kirche“. Trotz aller „Ernüchterung und Enttäuschung“ in der Ökumene müsse – wie Müller es praktiziert habe – das Gemeinsame vor dem Trennenden stehen.

Auf die „Fortsetzung der freundschaftlichen Beziehungen“ freut sich die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in Tirol und Vorarlberg, Esther Fritsch. Dantines intensives Engagement im christlich-jüdischen Dialog bilde dafür das geeignete Fundament. Im Kreis der Amtskollegen begrüßte Hermann Miklas den neuen Superintendenten. Heute reiche es in diesem Amt nicht mehr aus, das Bestehende gut zu verwalten, sondern es brauche die besondere Kompetenz „Kirche unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts zu denken“, so der steirische Superintendent.

Die Glückwünsche des Landes Tirol überbrachten für den erkrankten Landeshauptmann Bundesratspräsident Georg Keuschnigg und Landtagspräsident Herwig van Staa. In Zeiten der Säkularisierung und des Egoismus brauche es das Engagement der Christen, „nicht nur in Worten sondern auch in Taten“. Die Evangelische Kirche lebe dies in ihrer Zuwendung zu Menschen in Not, sagte der Landtagspräsident. Für die Stadt Innsbruck dankte Vizebürgermeister Christoph Kaufmann und hob die evangelischen Initiativen im Bereich der Flüchtlingshilfe hervor.

Die Liturgie des Gottesdienstes, den ORF III live übertrug, gestalteten Pfarrer Werner Geißelbrecht, Senior Klaus Niederwimmer, Dantines Vorgängerin Luise Müller, Superintendentialkurator Eckart Fussenegger und Mitglieder des Superintendentialausschusses. Als AssistentInnen wirkten Dekanin Hanna Wirth von der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Lektorin Ingrid Allesch, die methodistische Pastorin Esther Handschin und Senior Eberhard Mehl. Zu hören waren Michael König an der Orgel und ein Jazz-Trio der neuen Innsbrucker Johann-Sebastian-Bach-Musikschule.

Olivier Dantine studierte Evangelische Fachtheologie in Wien, Berlin und Jerusalem und war seit 2002 Pfarrer in Großpetersdorf im Südburgenland. Wie sein Großvater Wilhelm, er war weit über Österreichs Grenzen hinaus bekannter Professor für Systematische Theologie in Wien, und sein Vater Johannes, er gehörte als Oberkirchenrat der gesamtösterreichischen Kirchenleitung an, steht auch Olivier Dantine für ein weltoffenes, politisch engagiertes Christentum. Er ist verheiratet mit der Pfarrerin Silke Dantine und Vater von Sohn Jakob.

Zu den Aufgaben des neuen Superintendenten gehört die geistliche Leitung der Diözese Salzburg-Tirol, der rund 30.000 Mitglieder in 16 Pfarrgemeinden angehören, davon liegen sieben in Tirol und neun in Salzburg. Die Position des Superintendenten entspricht der Stellung des Diözesanbischofs in der katholischen Kirche.

TV-Tipp: Das ORF-Religionsmagazin „Orientierung“ bringt am Sonntag, 7. Oktober, in ORF 2 um 12.30 Uhr ein Porträt des neuen Superintendenten.

ISSN 2222-2464