Superintendent Miklas: Evangelische Jugend ist Erfolgsstory

Die Evangelische Jugend Österreich feierte ihr 70-jähriges Bestehen auf der Burg Finstergrün.

Ramingstein, 15. September 2004 (epd Ö) „Die Evangelische Jugend ist in Summe eine Erfolgsstory“, sagte der steirische Superintendent, Mag. Hermann Miklas, in seiner Predigt anlässlich des Festgottesdienstes zum 70-jährigen Jubiläum der Evangelischen Jugend Österreich (ej) am 11. September auf Burg Finstergrün. „Die ej will jungen Menschen die Erfahrung vermitteln, dass sie sich selber spüren und auch in Gruppen Emotionen zeigen können.“ Dies geschehe in „diakonischen Begegnungen“, so Miklas. Bei der Fülle von Kommunikationsmitteln sei die direkte Kommunikation „unterm Strich ärmer geworden und der virtuelle Glaspanzer, den jeder um sich errichtet, nahezu undurchdringlich geworden.“ Hier ermögliche die ej wirkliche Begegnungen, und dieser Glaspanzer werde durchlässiger, „sodass die Jugendlichen spüren: Sie sind Gottes geliebte Kinder“.

„Goldener Finsterling“ für Bischof Sturm

„Die ej zieht sich durch mein Leben wie ein roter Faden“, sagte der Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich, Bischof Mag. Herwig Sturm, nach dem Festgottesdienst in seinem Grußwort. „Die ej hat nicht unerheblich dazu beigetragen, dass ich in der Kirche arbeiten wollte“, so der Bischof, „denn hier waren die Menschen, mit denen ich leben mochte.“ Sturm hat im Verlauf der Feierlichkeiten einen „Goldenen Finsterling“ verliehen bekommen, denn „es gab in allen Krisen immer einen, der zu uns und der Burg gehalten hat und der uns unterstützt hat“, betonte Pfarrer Mag. Manfred Perko in seiner Laudatio für Bischof Sturm.

„Erwachsen werden geschieht nicht von selbst“, sagte der Landtagsabgeordnete Peter Pfeifenberger in seiner Ansprache. Hier gebühre der ej Dank und Anerkennung für die Ziele, die sie vermittle: „Wir vertrauen Ihnen in der Arbeit mit der Jugend, die auch dazu dient, durch den Glauben den Frieden zu erhalten.“ Der Bürgermeister von Ramingstein, Franz Winkler, betonte, dass die Burg Finstergrün den Ort österreichweit bekannt gemacht habe. Über 70.000 Menschen hätten bisher die Burg besucht: „Für diese Leistung danke ich Ihnen.“ Neben dem Landtagsabgeordneten und dem Bürgermeister dankten weitere zahlreiche Rednerinnen und Redner aus Kirche und Politik der ej für ihre Leistungen in den vergangenen 70 Jahren.

Bünker: In der Jugend begegnet die Kirche der Moderne

„Unsere Konzepte sind Konzepte für Erwachsene“, sagte Gerlinde Hergesell bei der Podiumsdiskussion „Von der (Un-)möglichkeit unserer Jugendarbeit in den nächsten sieben Jahren“. Die Religionslehrerin – „Ich bin ein Mensch der Praxis“ – betonte, dass Jugendliche sich „reiben wollen. Unser Angebot sollte auch an die Elterngeneration gehen, um eine christliche Heimat einzurichten.“ Susanne Nidetzky, Vorsitzende der Evangelischen Jugend, wies darauf hin, „dass Jugendliche nicht mehr in Gremien arbeiten.“ Auch mit Eltern sei ein Kommunikationsabbruch festzustellen. Es gebe derzeit keine Idee, „wie man damit in der Kirche umgehen soll.“ Das sei so „nicht richtig“, meinte Reinhold Ostermann, Konzeptreferent der Evangelischen Jugend der Evangelischen Landeskirche aus Bayern: Hier gebe es ein Gefälle, denn viele Jugendliche „reden nichts mit ihren Eltern und viele Jugendliche reden viel mit Ihren Eltern.“ Die Gruppenarbeit, einst ein Kernstück der Jugendarbeit, ist „faktisch am Sterben. Jugendliche wollen sich selbst wirksam erleben, dafür müssen wir etwas tun“, so Ostermann. „Jugend ist ein Phänomen der Moderne“, konstatierte Oberkirchenrat Hon.Prof. Dr. Michael Bünker. Die Begegnung der Kirche mit der Jugend sei eine Begegnung mit der Moderne, und damit habe die Kirche „sich schon immer schwer getan“. Die Kirche müsse den Wandel der heutigen Zeit ernst nehmen: „Jugend ist nicht einheitlich“.

Geschehen sei dies beispielsweise bei dem Fest der Konfirmation, die „kaum mehr das Gelöbnis ist, in religiöser Hinsicht fest und unwandelbar zu bleiben für alle Zeit.“ Konfirmation sei ein Fest der Begleitung geworden, „der Zusicherung, nicht allein auf dem Weg zu sein.“ Es gehe um lebendige Wandlungsfähigkeit und Wandlungsbereitschaft der Kirche. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Doris Hauberger.

Das 70-Jahr-Jubiläum der Evangelischen Jugend Österreich wurde vom 10. bis 12. September auf der Burg Finstergrün gefeiert. Neben Workshops, einem Konzert und der Buchpräsentation „paradise now“ stand auch die Ausstellung „Erweckt – bewegt – verändert. 70 Jahre Evangelische Jugend im Bild“ von Walter Hauberger auf dem Programm.

Ein TV-Gottesdienst anlässlich des Jubiläums der Evangelischen Jugend wird übertragen am 19. September von 9.30 bis 10.15 Uhr in ORF 2.

ISSN 2222-2464