Superintendent Miklas: Bibel wieder ernster nehmen

Thema Homosexualität nicht zur Glaubensfrage machen

Gröbming, 07. November 2001 (epd Ö) „Paradoxerweise tragen jene, die lautstark kritisieren, dass ein bestimmtes Thema in der Kirche zum Hauptthema wird, selbst am meisten dazu bei, indem sie auf bestimmte Reizworte geradezu reflexartig anspringen.“ Das sagte Superintendent Mag. Hermann Miklas bei einer Diskussionsveranstaltung der evangelischen Pfarrgemeinden des steirischen Ennstales am 5. November in Gröbming. In seinem Vortrag zum Thema „Liefern sich die Kirchen immer mehr dem Zeitgeist aus?“ appellierte Miklas an die Zuhörer, die Bibel doch wieder ernster zu nehmen als das in letzter Zeit der Fall gewesen sei. So lasse insbesondere die biblische Sündenfallsgeschichte keine andere Interpretation zu als die, dass der Mensch aus der heilen Welt des Absoluten, Reinen und Perfekten herausgefallen sei. Aufgabe der Theologie sei es, innerhalb der grundsätzlichen Gebrochenheit dieser Welt verantwortete Strukturen zu setzen. Dies gelte für sämtliche ethische Bereiche – von der Biomedizin über die Sonntagsruhe bis zur Homosexualität. Jede mögliche Antwort in ethischen Belangen könne immer nur eine vorläufige sein und dürfe deshalb nicht zu einer Bekenntnisfrage hochstilisiert werden.

In der lebhaft geführten Debatte wurden kontroversielle Standpunkte in der Frage der Homosexualität vertreten. Je nachdem, ob Homosexualität prinzipiell für „heilbar“ angesehen wurde oder nicht, wurden unterschiedliche Erwartungen an das seelsorgerliche Handeln von Kirche artikuliert. Einigkeit bestand darin, dass ethische Differenzen dort an Bedeutung verlieren, wo man sich gemeinsam verstärkt auf die „spirituellen Mitte in Jesus Christus“ besinnt.

ISSN 2222-2464