Superintendent Lehner: „Präsenz des Islam ist Anfrage“

Auf der Superintendentialversammlung der Diözese Oberösterreich sprach der Superintendent von einer „Herausforderung“ zur Antwort auf Fragen des „ungeteilten Anspruches Gottes auf die Wirklichkeit“

Rutzenmoos (epd Ö) – Zur Stellung des Islam in Österreich hat der oberösterreichische Superintendent Gerold Lehner Stellung genommen. In seinem Bericht vor der Superintendentialversammlung seiner Diözese am 10. April in Rutzenmoos rief Lehner die Delegierten auf: „Nehmen wir doch die Präsenz des Islam in unserem Land als Anfrage an das Christentum in diesem Land, als Anfrage an unseren eigenen Glauben!“ Der Superintendent verwies auf die islamische Praxis des täglich fünfmaligen Gebets als die Äußerung einer Glaubensüberzeugung und fragte: „Wie sieht es bei uns aus? Auch in unseren Gemeinden gibt es viele ‚gläubige‘ Christinnen und Christen. Aber wie leben wir unseren Glauben? Wie selbstverständlich ist etwa das Tischgebet? Wie selbstverständlich ist für uns noch die Lektüre der Bibel? Wie klar gehört für uns die Feier des Gottesdienstes zu den zentralen Lebensäußerungen des Glaubens?“

Lehner nannte drei „Ebenen“, die in der Begegnung mit dem Islam zu unterscheiden seien: Die gesellschaftlich-politische Ebene sei „im Rahmen unserer Gesetze, aber vor allem im Rahmen eines säkularen, pluralistischen Staates der sich auf die Menschenrechte gründet, zu behandeln“. Die religiöse Ebene betreffe „Fragen der Auseinandersetzung und des Dialogs“. Dabei gehe es „einerseits um Kenntnis, Kenntnisnahme, Wahrnehmung und Begegnung, aber auch um Auseinandersetzung die Fragen nach der Wahrheit betreffend“. Auf der dritten Ebene gehe es um die Herausforderung durch den Islam auf der gesellschaftlich-politischen wie auch auf der religiösen Ebene. Lehner: „In der Begegnung mit dem Islam werden wir herausgefordert eine Antwort zu geben. Eine Antwort auf Fragen des ungeteilten Anspruches Gottes auf die Wirklichkeit, auf die klare religiöse Praxis des Islam, auf die Grundlagen unseres eigenen Verständnisses von Gesellschaft, von Glaube und Kultur.“

Evangelische Kirche gegenüber „rechter Politik“ besonders sensibel

In seinem Bericht äußerte sich der Superintendent auch zur Position der Evangelischen Kirche in Österreich zu „rechter Politik“. Für den gesamten Bereich der Politik gelte: „Sie ist vom Evangelium her zu beurteilen.“ Kirche werde sich in der Regel zurückhalten, politisches Geschehen und politische Programme zu kommentieren. „Aber“, so Lehner, „es gibt naturgemäß auch hier Grenzlinien. Wenn politische Programme und Äußerungen in den Bereich dieser Grenzlinien gelangen, dann hat die Kirche durchaus das Recht und sogar die Pflicht, sich dazu zu äußern, zu mahnen.“ Im so genannten „rechten“ Lager ergebe sich „ein Mehr an Problemen“. Das habe „historische Gründe, die bis heute nachwirken und auch Teile der Evangelischen Kirche bis heute belasten“. Der Superintendent zusammenfassend: „Deshalb ist unsere Kirche hier – zu Recht – besonders sensibel.“

Bischof Bünker: „Sagen, was man glaubt, und tun, was man kann“

„Sagen, was man glaubt, tun, was man kann …“, das sei, so Bischof Michael Bünker in seinem Grußwort vor der Superintendentialversammlung, das Prinzip, aus dem die missionarische Kirche entstehe. Bünker hob als Kennzeichen der Evangelischen Kirche in Österreich die Vielfalt hervor, in der jede einzelne Gemeinde ihr Gepräge habe und sich in die gesamte Kirche einbringe. „Aus dieser Diversität entsteht Lebendigkeit“, sagte der Bischof.

ISSN 2222-2464