Superintendent Lehner: Evangelische Kirche nicht als Negativfolie verwenden

„Auch in katholischer Kirche ist nicht Papst Mitte der Kirche“ – Aussagen „erstaunlich schlicht und doppelt falsch“

Linz (epd Ö) – In die Diskussion rund um die umstrittene Ernennung des neuen Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner hat sich auch der evangelische Superintendent der Diözese Oberösterreich, Gerold Lehner, eingeschaltet. In einem Gastkommentar für die Oberösterreichischen Nachrichten (Ausgabe vom 7. Februar 2009) reagiert Lehner auf die Aussagen des Linzer römisch-katholischen Pfarrers Enichlmayr, der erklärt hatte, die katholische Kirche habe sich in Oberösterreich in „Richtung einer evangelischen Landeskirche“ entwickelt, bei der es keine „gemeinsame Mitte“ gebe.

Für den oberösterreichischen Superintendenten ist diese Meinung „erstaunlich schlicht“ und „doppelt falsch“. Jede Kirche habe nur eine Mitte, „nämlich den Herrn der Kirche, Jesus Christus selbst“. Eine solche Besinnung wäre für alle Kirchen hilfreich, bevor sie sich allzu schnell auf die sichtbaren Strukturen und Gliederungen fixierten. Auch in der katholischen Kirche sei „nicht der Papst die Mitte der Kirche“, sondern eine abgeleitete Autorität, schreibt Lehner. Die evangelische Kirche lebe von der Mitte Jesus Christus und versuche sich immer wieder neu auf diese zu besinnen. Ihre Gremien in den Pfarrgemeinden, in der Diözese und in der Gesamtkirche blickten immer wieder „über ihren Tellerrand hinaus auf das große Ganze“.

Heftig kritisiert Lehner auch die zweite Äußerung Enichlmayrs, er kenne Pfarren, wo „das oberste Gremium der Pfarrgemeinderat ist und der Pfarrer sein Sekretär“, das komme der evangelischen Landeskirche schon nahe. „Dass eine solche Aussage von vorne bis hinten falsch ist, scheint niemanden zu kümmern“, befindet der Superintendent. Oberstes Gremium der Pfarrgemeinde sei das Presbyterium, der Pfarrer oder die Pfarrerin sei, auch wenn er oder sie Vorsitzende/r sei, Teil des Gremiums. Offenbar, so Lehner, tue sich vor Enichlmayr ein Kirchenbild auf, an dem der römisch-katholische Pfarrer „nicht anstreifen“ möchte, wo nämlich Laien und Geistliche gleichberechtigt sind.

Die Positionen Enichlmayrs erinnern Lehner an alte Zeiten: „Da war es genug, etwas als ‚evangelisch‘ oder ‚katholisch‘ zu bezeichnen und mit dieser Punzierung eines der effektivsten Killerargumente für jede innerkirchliche Diskussion zum Einsatz zu bringen. Sollten diese Zeiten wiederkommen, weil wir meinen, uns nur auf Kosten des anderen profilieren zu können?“ Dieser Weg führe direkt in eine Sackgasse, „in der wir den Horizont unserer Berufung aus den Augen verlieren“, warnt der Superintendent.

ISSN 2222-2464