Superintendent Koch: Not kennt keine Konfession

Für den Bezirk Oberwart werden noch ehrenamtliche MitarbeiterInnen gesucht. Im Bild (v.l.): Diakonie Burgenland-Geschäftsführerin Sieglinde Pfänder, Superintendent Manfred Koch, Diakonie Burgenland-Vorsitzende Ingrid Tschank und Bischof Michael Bünker (Foto: Josef Miklos)
Für den Bezirk Oberwart werden noch ehrenamtliche MitarbeiterInnen gesucht. Im Bild (v.l.): Diakonie Burgenland-Geschäftsführerin Sieglinde Pfänder, Superintendent Manfred Koch, Diakonie Burgenland-Vorsitzende Ingrid Tschank und Bischof Michael Bünker (Foto: Josef Miklos)

Das „Jahr der Diakonie“ wurde im Burgenland vorgestellt

Pinkafeld (epdÖ) – „Diakonisches Handeln und Evangelische Kirche sind untrennbar miteinander verbunden“, das erklärte der evangelische Superintendent des Burgenlands Manfred Koch zum Auftakt des Diakonie-Schwerpunktjahres der Evangelischen Kirchen bei einer Pressekonferenz am 21. März in Pinkafeld. Zwar gäbe es im Burgenland nur kleine Möglichkeiten zur Hilfe, wo aber evangelische Pfarrgemeinden und diakonische Organisationen zusammenarbeiten, könne effektiv geholfen werden, so Koch. Die Konfession spiele dabei keine Rolle, die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pfarrgemeinden versuchten dort zu helfen, wo Hilfe dringend gebraucht werde, denn: „Not kennt keine Konfession“. Der Superintendent betonte, dass in der Gemeindediakonie die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine wichtige Rolle spielen. „Ein besonderes Ziel unserer evangelischen Diözese Burgenland ist es daher, den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine fundierte Ausbildung für ihre Tätigkeit anzubieten.“ Um die Pfarrgemeinden und die Gemeindeglieder zu diakonischem Handeln zu motivieren, werde am Sonntag, 14. April, in allen evangelischen Pfarrgemeinden des Burgenlandes ein „Diakonie-Sonntag“ gefeiert.

„Christliche Gemeinden bieten Anlaufstellen für Hilfesuchende“, sagte Bischof Michael Bünker bei der Pressekonferenz in Pinkafeld. Als Lebensäußerung evangelischen Glaubens gehöre Diakonie zu den wesentlichen Aufgaben der Kirche. Das Schwerpunktjahr 2013 sei ein Schritt auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017. In dem Schwerpunktjahr, das unter dem Thema „zugewandt – solidarisch – vernetzt“ steht, will die Kirche nicht nur auf ihre vielfältigen diakonischen Aktivitäten hinweisen, sondern auch Begegnung schaffen mit allen im sozialen Bereich tätigen Menschen, unterstrich der Bischof.

Pfänder: „Erfolgsgeschichte“ Essen auf Rädern

Zu den stark nachgefragten diakonischen Projekten im Burgenland zählt der Stützpunkt „Essen auf Rädern“ in Bernstein, berichtete die Geschäftsführerin der Diakonie Burgenland, Sieglinde Pfänder. „Im Schnitt werden derzeit täglich zirka 100 Essen ausgeliefert. Zu den Kundinnen und Kunden gehören einige Kindergärten aus der Region sowie viele ältere, alte und gebrechliche Menschen“, erläuterte die Oberwarter Pfarrerin. In den vergangenen Jahren sei der Stützpunkt dank der grandiosen Unterstützung durch 54 Ehrenamtliche stetig gewachsen. Mittlerweile gäbe es in mehreren Gemeinden im Burgenland diakonische Stützpunkte. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden vor allem noch für den Bezirk Oberwart gesucht. Ein ganz besonderes diakonisches Projekt wurde auch in Oberwart verwirklicht, wo die Pfarrgemeinde einen Arbeitsplatz für eine 15-jährige behinderte Arbeitnehmerin eingerichtet hat. Als weiteren Schwerpunkt der diakonischen Arbeit im Burgenland nannte Pfänder Einrichtungen für „Betreubares Wohnen“ mit „so viel Selbständigkeit wie möglich und so viel Pflege wie nötig“, aber etwa auch die Bereitstellung von Grundversorgungspaketen, die immer stärker nachgefragt würden.

Tschank: Starkes persönliches Engagement

Auf die wechselvolle Geschichte der institutionellen Diakonie im Burgenland ging die Vorsitzende der Diakonie Burgenland, Pfarrerin Ingrid Tschank, ein. Zum einen habe die Diakonie im Burgenland keine lange Tradition, wie dies etwa in anderen Diözesen der Fall sei. Dies liege daran, dass das Burgenland erst sehr spät zu Österreich gekommen sei und somit eine andere Entwicklung genommen habe. „Außerdem bin ich davon überzeugt, dass die familiären Strukturen in den bäuerlichen Großfamilien so stark gefestigt waren, dass es scheinbar keine Notwendigkeit gab, außerhalb des Familiengefüges soziale Netzwerke zu etablieren“, erklärte Tschank. Zum anderen befände sich die Diakonie heute in einer großen Konkurrenzsituation, viele Hilfsorganisationen würden im Burgenland um Betreuungsplätze und Fördergelder kämpfen. „Dem persönlichen Engagement einzelner evangelischer ChristInnen und weniger evangelischer Pfarrgemeinden ist es zu verdanken, dass es im Burgenland überhaupt professionelle diakonische Einrichtungen gibt“, so Tschank. „Diese befinden sich seit Jahren in einer Konkurrenzsituation mit den jeweiligen Einrichtungen, die von Seiten der Landespolitik und ihrer Vertreter unterstützt und gefördert werden. Offensichtlich sind die Rahmenbedingungen im Burgenland anders als in anderen Bundesländern.“

ISSN 2222-2464