Superintendent Dantine: Bildung gegen Radikalisierung

Jahr der Bildung 2015: Über die Schwerpunkte in Salzburg informierten bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, 4. Februar, Superintendent Olivier Dantine, die Geschäftsführerin des Diakonievereins Salzburg, Eva Kothbauer, die Vorsitzende des Evangelischen Bildungswerkes Salzburg, Ingrid Allesch, und Bischof Michael Bünker (v.l.). Foto: epd/Uschmann Salzburg (epdÖ) - "Religiöse Bildung ist ein wichtiger Baustein gegen Fundamentalismus u
Jahr der Bildung 2015: Über die Schwerpunkte in Salzburg informierten bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, 4. Februar, Superintendent Olivier Dantine, die Geschäftsführerin des Diakonievereins Salzburg, Eva Kothbauer, die Vorsitzende des Evangelischen Bildungswerkes Salzburg, Ingrid Allesch, und Bischof Michael Bünker (v.l.). Foto: epd/UschmannSalzburg (epdÖ) - "Religiöse Bildung ist ein wichtiger Baustein gegen Fundamentalismus u

Jahr der Bildung: Schwerpunkte in Salzburg

Salzburg (epdÖ) – „Religiöse Bildung ist ein wichtiger Baustein gegen Fundamentalismus und Intoleranz und nicht zuletzt gegen die Ängste vor fremden Kulturen und Religionen“, das sagte der evangelische Superintendent von Salzburg und Tirol Olivier Dantine bei einer Pressekonferenz am 4. Februar in Salzburg (Stadt). Die Evangelischen Kirchen in Österreich haben das Jahr 2015 zum Schwerpunktjahr der Bildung erklärt, das unter dem biblischen Motto „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Psalm 31) steht.

„Mit Blick auf gegenwärtige Herausforderungen sind die Stärkung der religiösen Identität in einer zunehmend pluralen Gesellschaft sowie das wertschätzende Kennenlernen anderer Religionen wichtig“, so der Superintendent. „Wer hier Kompetenzen erwirbt, ist auch dialogfähig. Gerade der konfessionelle Religionsunterricht, in dem aus der eigenen religiösen Tradition heraus interreligiöse Kompetenzen erworben werden, spielt hier eine wichtige Rolle. Es ist wichtig, dass Menschen in der Begegnung mit dem Fremden keine Angst vor Identitätsverlust haben.“ Bereits seit dem Neubeginn evangelischen Lebens in Salzburg im 19. Jahrhundert sei auf Bildung viel Wert gelegt worden. Heute noch sei es der Evangelischen Kirche in Salzburg wichtig, das mündige Christsein zu fördern und ihre Mitglieder darin zu unterstützen, den eigenen Glauben kritisch zu reflektieren und darüber Auskunft geben zu können. Ein gebildeter Glaube sei auch weniger anfällig für Intoleranz und Antisemitismus. „Die Häufung von Vandalenakten in der Stadt Salzburg gegen die ‚Stolpersteine‘ und andere Gedenkstätten der Opfer des NS-Regimes sowie gegen die Synagoge in den letzten Jahren belegt, wie aktuell das Problem Intoleranz und Antisemitismus ist. Ich bin froh, dass sich in Salzburg eine breite Plattform gegen Rechtsradikalismus gebildet hat. Es wird neben diesem Schulterschluss aber auch Bildungsprogramme gegen die Radikalisierung junger Menschen in jeglicher Richtung brauchen“, betonte Dantine. In diesem Zusammenhang sei es aber auch wichtig, der Wurzel des Antisemitismus auf den Grund zu gehen, hier müsste auch die Evangelische Kirche ihre Geschichte aufarbeiten. Im Jahr der Bildung widmen sich ein Symposion und die Ausstellung „Drum immer weg mit ihnen – Luthers Sündenfall gegenüber den Juden“ vom 26. bis 27. Mai an der Christuskirche in Salzburg diesem Thema. Dantine: „Es ist wichtig, dass wir uns mit dem Antisemitismus bei Luther und in der evangelischen Kirchengeschichte auseinandersetzen.“ Als Positivbeispiel lobt Dantine die Zusammenarbeit der Kirchen und Religionsgemeinschaften im Bildungsbereich. „Es ist etwas Besonderes, dass sich alle Kirchen und Religionsgesellschaften in Österreich, die in Österreich Religionsunterricht anbieten, auf ein gemeinsames Kompetenzraster geeinigt haben.“

Auf die gesellschaftliche wie kirchliche Relevanz von Bildung wies Bischof Michael Bünker hin. „Nach evangelischem Verständnis lässt sich Glaube ohne Bildung nicht denken. Das will auch im Leben der Kirche sichtbar sein und durch geeignete Maßnahmen umgesetzt werden“, so der Bischof. Aus diesem Grund habe man auch beschlossen, das Jahr 2015 zum Jahr der Bildung zu erklären. In diesem Jahr sollen jedoch nicht nur innerkirchlich Impulse gesetzt werden, auch bildungspolitisch-gesellschaftlichen Forderungen soll Nachdruck verliehen werden. So wird etwa gefordert, dass Bildungserfolge nicht von der sozialen Herkunft abhängen oder von Armut und Bildungsferne verhindert werden dürfen. Gleichzeitig wird die frühzeitige bedarfsgerechte Einbeziehung der Familien als Ort primärer Bildung gefordert und eine Vernetzung von unterschiedlichen Bildungseinrichtungen und Bildungsmöglichkeiten empfohlen. In diesem Zusammenhang dürfe auch auf religiöse Bildung nicht vergessen werden, unterstrich Bischof Bünker: „Vor dem Hintergrund von Konflikten mit religiösen Aspekten wird offensichtlich, wie wichtig es ist, die religiöse Dimension des Menschseins als Bildungsaufgabe zu begreifen. Die Befähigung zum friedlichen Umgang mit religiösen und kulturellen Konflikten ist eine ebenso wichtige wie zukunftssichernde Aufgabe, gleichwohl wie religiöse Bildung sinnstiftende Lebensdeutungen eröffnet.“

Evangelische Bildungsarbeit verstehe sich als Gegenpol zu einer an ökonomischen und beruflichen Zwecken orientierten Bildung, sagte Ingrid Allesch, Vorsitzende des Evangelischen Bildungswerks Salzburg. „Für uns sind die Fähigkeiten der Menschen zu Kreativität, zu Empathie, zu Verantwortlichkeit und zu Solidarität grundlegend und durch Bildungserfahrungen zu fördern. Und natürlich hat auch Inklusion einen hohen Stellenwert in unserer Arbeit.“ Letztlich gehe es darum, auch als kleine Minderheitenkirche gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Allesch stellte bei der Pressekonferenz auch ein neues Projekt vor, das in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Salzburg stattfinden wird. Es handelt sich um einen Basislehrgang in vier Modulen für TrainerInnen und heißt „I.S.T.T. – Inklusion, Sensibilisierung, Training, Teilhabe“.

Einen österreichweit einzigartigen Schulversuch präsentierte Eva Kothbauer, Geschäftsführerin des Diakonievereins Salzburg, der seit über 30 Jahren pädagogische Einrichtungen betreibt. Im Mittelpunkt steht dabei die individuelle Förderung von Kindern mit unterschiedlichen Begabungen. Seit 2012 gibt es den Schulversuch „Integration in der Sekundarstufe II“ am Oberstufenrealgymnasium in Grödig. „Hier werden SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf – mit einem individuell erstellten Lehrplan auf Basis der AHS – gemeinsam mit SchülerInnen ohne Förderbedarf unterrichtet.“ Kothbauer fordert „ein Bekenntnis der öffentlichen Hand zur Inklusion“, das sich in „verlässlichen, planbaren Ressourcen“ im Integrations- und Pflegebereich der Schulen, Kindergärten und Tagesbetreuungseinrichtungen bemerkbar macht.

Zwischen dem Jahr 2013, das schwerpunktmäßig dem Thema Diakonie gewidmet war, und dem Jahr 2017, in dem das 500. Jubiläum der Reformation gefeiert wird, haben die Evangelische Kirche A.B., die Evangelische Kirche H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich das Jahr 2015 zum Schwerpunktjahr der Bildung erkoren. Zahlreiche thematische Veranstaltungen werden die kommenden Monate prägen, darunter etwa eine Vorlesungsreihe an der Universität Wien, die Vorstellung und Diskussion des „Evangelischen Bildungsberichts“ sowie eine Veranstaltung unter anderem mit der „Luther-Botschafterin“ Margot Käßmann am 5. Dezember in Salzburg. In den evangelischen Pfarrgemeinden wird das Thema Bildung österreichweit in den Gottesdiensten am 15. März Thema sein.

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ISSN 2222-2464