Sturm: Beklemmender Umgang mit Asylsuchenden

Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen besuchte Notquartier in Schwechat

Schwechat, 22. Oktober 2003 (epd Ö) Als „beklemmend“ hat Bischof Mag. Herwig Sturm den Umgang der österreichischen Politik mit Asylsuchenden bezeichnet. Anlässlich eines Besuchs von Mitgliedern des Vorstands des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) bei AsylwerberInnen im römisch-katholischen Pfarrzentrum Schwechat erklärte der evangelisch-lutherische Bischof am 18. Oktober gegenüber epd Ö: „Die persönliche Begegnung mit den einzelnen Schicksalen ist bewegend.“ Im Gespräch mit Flüchtlingen könne man erfahren, wie ihre jeweilige persönliche Geschichte die Situation bestimmt, die sie jetzt durchleben.

Bei den BewohnerInnen des Flüchtlingsnotquartiers handelt es sich um jene AsylwerberInnen, die die Caritas seit Anfang voriger Woche vorerst in der Konzilsgedächtniskirche in Lainz untergebracht hatte, die dann aber aus Platzgründen nach Schwechat umgesiedelt werden mussten. Zu der Besuchergruppe, die ein „Signal der Solidarität mit Asylsuchenden, aber auch mit den Hilfsorganisationen Caritas und Diakonie“ setzen wollte, gehörten neben der ÖRKÖ-Vorsitzenden Oberin Prof. Christine Gleixner von der Römisch-katholischen Kirche und Bischof Sturm von der Evangelischen Kirche A.B als stellvertretender Vorsitzender auch der weitere stellvertretende Vorsitzende Chorepiskopus Dr. Emanuel Aydin von der Syrisch-orthodoxen Kirche sowie Bischof Bernhard Heitz von der Altkatholischen Kirche und Prof. Mag. Erika Tuppy in Vertretung des reformierten Landessuperintendenten HR Mag. Peter Karner.

ÖRKÖ-Erklärung unterstützt Caritas und Diakonie bei Einsatz für faires Asylverfahren

Im Flüchtlingsnotquartier verlas Bischof Sturm eine Erklärung des ÖRKÖ, die als Grußadresse an die AsylwerberInnen in Schwechat gerichtet ist. Darin wird das Engagement von Caritas, Diakonie und Pfarrgemeinden bei der Hilfe für Asylsuchende gewürdigt. Es handle sich hier, so die Erklärung, um einen Auftrag des Evangeliums, „der bei Gegenwind nicht fallengelassen werden“ dürfe. Gleichzeitig werden dringende Verbesserungen im Asylwesen in Österreich gefordert. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

„Wir stehen hier als Vertreterinnen und Vertreter verschiedener christlicher Kirchen in Österreich. Zu unserem gemeinsamen Glauben an den einen Gott gehört der tätige Einsatz für Menschen in Not. Die kirchlichen Hilfsorganisationen Caritas und Diakonie setzen sich dort ein, wo Not ist, genauso wie Pfarrgemeinden, wie etwa hier die Gemeinde von Schwechat. Sie nehmen diesen Auftrag des Evangeliums an, das ist ein Auftrag, der bei Gegenwind nicht fallengelassen werden darf. Denn hier steht unser Glaube auf dem Spiel.

Wir sind zu Ihnen gekommen, um durch unseren Besuch zu zeigen: Sie sind in Ihrer schwierigen Situation nicht allein. Wir als Ökumenischer Rat unterstützen den Einsatz von Caritas und Diakonie für ein Asylverfahren, das Ihnen die Möglichkeit gibt, Ihre persönlichen Gründe für Ihren Asylantrag in kurzer Zeit vorzubringen, wir unterstützen den Einsatz für Asylverfahren, die nach allen Kriterien des Rechtsstaates und der Menschenrechte durchgeführt werden, und wir unterstützen Sie in Ihrem Recht auf Unterkunft, Verpflegung und notwendige medizinische Hilfe während dieser Zeit der Klärung Ihrer Situation.“

Diakonie-Direktor Pfarrer Mag. Chalupka hat am Montag vor der Beschlussfassung über den Asylgesetz-Entwurf im Innenausschuss des Parlaments erneut an die Abgeordneten appelliert, ihrem Gewissen zu folgen. „Dass Menschen guten Willens und Hilfsorganisationen, die Obdachlose aufnehmen, weil das Innenministerium seiner Verpflichtung zu einer Grundversorgung nicht nachkommt, alleine für die Kosten aufkommen sollen, ist ein unverschämter Griff in die Taschen der SpenderInnen“, betont Chalupka in einer Aussendung.

ISSN 2222-2464