Sturm: Als Botschafter des Willens Gottes die Welt verwandeln

Gottesdienst zum 10-jährigen Amtsjubiläum des evangelisch-lutherischen Bischofs – Ortstafel als „Visitenkarte“

Wien, 30. Jänner 2006 (epd Ö) – Mit einem Gottesdienst in der lutherischen Stadtkirche Wien feierte Bischof Mag. Herwig Sturm am Sonntagabend, 29. Jänner, sein 10-jähriges Amtsjubiläum. „In der Rückbesinnung, im Hören auf die Sprache Jesu und der Apostel widerstehen wir der Gleichförmigkeit mit dieser Welt und bitten Gott, er möge uns transformieren in die Gestalt, zu dem Verständnis, auch in den Mut, dass wir seinen Willen verstehen und tun“, sagte der Bischof im Gottesdienst, zu dem auch zahlreiche Repräsentanten der Ökumene und des öffentlichen Lebens gekommen waren. Die Zeit der „lebenslangen konfessionellen Vollpension“ sei vorbei. Die Kirchen müssten sich darauf einrichten, dass Menschen „auf der Suche sind, was ihnen besser schmeckt“ und dabei auch die traditionellen Kirchen verlassen. Sturm: „Als Kirche wollen wir auf dem Markt der Suchenden gute Nahrung, gute Worte und gute Gemeinschaft bieten.“ Jesus sei nicht der Garant der Versorgung religiöser Bedürfnisse, sondern „Botschafter des Willens Gottes“. Das bedeute „Verwandlung der gegenwärtigen Welt hin zu seinem Reich“. Sturm erinnerte in diesem Zusammenhang an den kirchlichen Prozess „Wirtschaft im Dienst des Lebens“, der die Folgen der Globalisierung kritisch beleuchte. Es gehe dabei um die Alternativen eines solidarischen Lebensstiles, um „Lebensraum und Lebensmöglichkeiten für alle“.

In der Predigt über das Psalmwort „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ ging Sturm auch auf die aktuelle Ortstafel-Diskussion ein. Es sei „traurig und schade“, dass die Ortstafeln – für Sturm eine „Visitenkarte“ – nicht jene Sprache zeigen, mit der Menschen dort leben. Die „Ortstafel“ der Christinnen und Christen sei die Tafel über dem Kreuz Jesu mit der Aufschrift „INRI“, Jesus von Nazareth, König der Juden. Im Johannesevangelium ist diese Tafel dreisprachig, nämlich in den drei damaligen Weltsprachen Hebräisch, Griechisch und Latein. Sturm: „Die Ortstafel von uns Christen und von uns Kirchen bezeichnet den Königsweg Christi, lasst doch das Böse hier enden; macht doch ein Ende mit den Kreuzen!“ Damit dies gelinge, brauche es „Menschen, unsere Kirchen, Wegzeichen des Reiches Gottes“.

Nach den 10 Jahren seiner Tätigkeit als Bischof stehe „an erster Stelle Dank“, sagte Sturm in dem Gottesdienst, in den auch eine Abendmahlsfeier integriert war. Dank dafür, dass „Gott mir die Freude an seinem Wort, das Staunen über sein Evangelium und die Liebe zu den Menschen erhalten hat, und der Dank an die vielen Menschen, die mich in diesem Amt unterstützen, begleiten, korrigieren, für mich beten.“ Es sei „aufregend und schön“, Sprecher des Evangeliums sein zu dürfen, betonte der Jubilar. Als Bischof komme ihm sowohl in der Kirche, in der Ökumene als auch im öffentlichen Leben ein „privilegierter Platz“ zu, die zahlreichen Begegnungen böten Chancen zur Mitgestaltung und zum gemeinsamen Lernen.

Krömer: Hohe, verantwortungsvolle und schöne Aufgabe

Die Glückwünsche der Ökumene überbrachte der armenisch-apostolische Erzbischof Dr. Mesrob Krikorian, der auch im Gottesdienst mitwirkte und die Liturgie gemeinsam mit den Pfarrerinnen Dr. Ines Knoll und Mag. Andrea Petritsch gestaltete. Den Dank der Evangelischen Kirche sprach Synodalpräsident RA Dr. Peter Krömer aus. Krömer erinnerte daran, dass ein lutherischer Bischof als „geistliche Persönlichkeit die Kirche in den geistlichen Dingen leitet“. Sturm verstehe das Bischofsamt nicht nur als hohe, verantwortungsvolle, sondern auch als „schöne Aufgabe“, sagte Krömer, der auch Sturms Familie für die Unterstützung in all den Jahren dankte.

Herwig Sturm war im Oktober 1995 zum lutherischen Bischof gewählt worden. Mit Jahresbeginn 1996 trat er sein Amt an, am 28. Jänner 1996 wurde er in der Kirche in Wien-Gumpendorf feierlich in sein Amt eingeführt.

ISSN 2222-2464