Studierende der Evangelischen Theologie fordern freien Hochschulzugang

Neues Studiengebührenmodell ist „Verhöhnung“ – Stellungnahme der Fakultätsvertretung Evangelische Theologie

Wien (epd Ö) – Studierende der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Universität Wien fordern einen „allgemeinen freien Zugang zur Hochschulbildung“. „Die finanzielle Situation einzelner Studierender und/oder deren Familien darf den Zugang zu einer Hochschulbildung weder fördern noch behindern“, heißt es in einer Stellungnahme der Fakultätsvertretung Evangelische Theologie zum neuen Studiengebührenmodell der Koalition, das am Dienstag, 16. Jänner, veröffentlicht wurde. Für den Zugang zu höherer Bildung sollten nur die persönliche Qualifikation und das eigene Engagement von Studierenden ausschlaggebend sein, bekräftigt die Vorsitzende der Fakultätsvertretung, Sabine Taupe.

 

Das Studiengebührenmodell der neuen Regierung wird in der Stellungnahme als „eine Verhöhnung in mehrfacher Hinsicht“ bezeichnet. Dazu heißt es: „Das Modell sieht vor, dass jene Studierenden, die keine Studiengebühr zahlen wollen oder können, diese durch eine frappant unterbezahlte Arbeit im sozialen Bereich und durch Nachhilfetätigkeit zurückverdienen können. Diese Farce ändert für Studierende gar nichts.“ Auch bisher habe es die Möglichkeit gegeben, neben dem Studium zu arbeiten, „und das für mehr als 6 Euro Stundenlohn“, so Taupe. In der Stellungnahme wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass der Mindestlohn im Sozialbereich laut ÖGB bei 7,20 Euro pro Stunde liege.

 

Die Vorsitzende der Fakultätsvertretung sieht die neue Regelung als einen „Schritt hin zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft im Bildungsbereich“. Der Vorschlag des Sozialdienstes für die Studiengebühren erwecke den Eindruck, „man könne sich von diesem Dienst an der Gesellschaft freikaufen, wenn man das Geld dazu hat“. Taupe will nicht hinnehmen, „dass finanziell Bessergestellte einen Vorteil bei der Studienzeit haben, weil sie nicht arbeiten müssen“.

 

Einsatz bei der Sterbebegleitung: respektlos

 

Der Vorschlag, Studierende auch in der Sterbebegleitung einzusetzen, zeugt für die Theologiestudierenden „von Respektlosigkeit gegenüber der älteren Generation und ist eine Verhöhnung der ausgebildeten und hoch qualifizierten Fachkräfte“. Die evangelischen Theologinnen und Theologen bekunden, „dass die wichtige Aufgabe der Sterbebegleitung nicht von unqualifizierten Studierenden bewältigt werden kann“.

 

Zusammenfassend wird in der Stellungnahme darauf verwiesen, dass Bildung jeglicher Art eine Investition in die Zukunft Österreichs darstellt. Mit dem neuen Modell der Studiengebühren werde jedoch „wieder einmal das lächerliche Klischee gestützt, Studierende seien Schmarotzer und eine Belastung für die Allgemeinheit“. Das Gegenteil sei jedoch der Fall. Taupe: „Durch ihre Qualifikation tragen Studierende langfristig zur Sicherung einer guten Zukunft für Österreich in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht bei.“

 

ISSN 2222-2464