Studie: Spendenfreudigkeit der Österreicher sinkt

Bereits 28 Prozent geben an, nie zu spenden – Am meisten wird zu Festagen wie Weihnachten gespendet – Hauptmotiv ist Hilfe für Kinder

Wien (epd Ö) – Bereits 28 Prozent der Österreicher geben an, nie zu spenden. Das hat eine neue Studie der „Karmasin Motivforschung“ und von „Care Österreich“ ergeben, die am Dienstag in Wien präsentiert wurde. Damit hat sich die Zahl der Nichtspender im Vergleich zu 2002 (15 Prozent) beinahe verdoppelt. Von den noch verbliebenen 72 Prozent spenden 85 Prozent unregelmäßig, 15 Prozent regelmäßig. Am stärksten lassen sich die Österreicher vor Festtagen und nach Katastrophen zum Spenden motivieren. 54 Prozent der Befragten spenden vor allem zu Weihnachten oder Ostern; stärkstes Spendenmotiv sind Kinder (64 Prozent), gefolgt von Katastrophen wie Hochwasser oder Erdbeben (56 Prozent), Krankheiten (45 Prozent) und dem Tierschutz (39). Spezifisch religiös motivierte Projekte rangieren laut der Studie als Spendenmotive abgeschlagen im Feld.

Ausschlaggebend dafür, dass man sich an einer Spendenaktion beteiligt, ist, so die Studie, vor allem die Tatsache, dass man die Hilfsorganisation schätzt und davon überzeugt ist, dass die Organisation im Sinne des Spenders tätig ist. Nicht-Spender sind statistisch mehrheitlich männlich, unter 30 Jahre alt und verfügen über ein nur geringes Einkommen.

Freizeit, Spaß und Unterhaltung im Mittelpunkt des Interesses

Da soziografische Daten wie Alter, Bildung oder Einkommen laut Sophie Karmasin, Leiterin der „Karmasin Marktforschung“ aber kaum mehr aussagekräftige Daten lieferten, wurde für die Studie die österreichische Gesellschaft in vier „Erlebnismilieus“ differenziert: Harmonie-, Selbstverwirklichung-, Niveau- und Unterhaltungsmilieu. Rund 26 Prozent der Österreicher können dem Unterhaltungsmilieu zugerechnet werden. Im Mittelpunkt des Interesses stehen Freizeit, Spaß und Unterhaltung. Die erklärten Nichtspender finden sich vor allem in dieser Gruppe. Ganz im Gegenteil dazu gehören fast alle regelmäßigen Spender dem Niveaumilieu an, das sich durch höhere Bildung, Traditionsverbundenheit und Interesse an Kultur auszeichnet. Tendenziell gehören eher Frauen über 50 dieser Gruppe an, die insgesamt rund 20 Prozent der Österreicher ausmacht.

Das mit 30 Prozent in Österreich am stärksten vertretene Harmoniemilieu orientiert sich vor allem an regionalen Einflüssen und ist besonders heimatverbunden. Personen, die zu dieser Gruppe zählen, sind statistisch mehrheitlich weiblich und leben in kleineren Orten. Aus diesem Milieu rekrutiert sich sehr stark die Gruppe der unregelmäßigen Spender, wie auch aus dem Selbstverwirklichungsmilieu (10 Prozent der Österreicher). Dieses rekrutiert sich eher aus Männern, Leistungsorientierung steht hier im Vordergrund.

Für die Hilfsorganisationen werde es immer schwerer, Spenden zu lukrieren, sagte Wolfgang Martinek, Marketingdirektor von „Care“, bei der Präsentation der Studie. Der Markt wachse nicht mehr, dafür würden die spendenwerbenden Organisationen immer mehr. Dazu komme, dass in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten der Schritt vom nur gelegentlichen Spender – zu dieser Gruppe zählen die meisten Österreicher – zum Nichtspender oft sehr schnell möglich sei. Für die Hilfsorganisationen gelte es, bei ihren Spendenaktionen noch besser Projekte und potenzielle Spender aufeinander abzustimmen.

ISSN 2222-2464