„StimmKraft“: Kirchenlieder schreiben Geschichte

Der Kinderchor der Musikschule Feistritz bei der Eröffnung der Ausstellung "Stimmkraft - Kirchenlieder schreiben Geschichte". Foto: epd/M. Uschmann
Der Kinderchor der Musikschule Feistritz bei der Eröffnung der Ausstellung „Stimmkraft – Kirchenlieder schreiben Geschichte“. Foto: epd/M. Uschmann

Ausstellung in Fresach eröffnet – Sauer: Eigene Stimme erheben und eigene Kraft in der Stimme spüren

Fresach (epdÖ) – „Die Leidenschaft ist angekommen, mit der wir diese Ausstellung gemacht haben.“ Mit diesen Worten eröffnete Hilde Schaumberger, Geschäftsführerin des Evangelischen Kulturzentrums Fresach, die Ausstellung „StimmKraft – Kirchenlieder schreiben Geschichte“ in Fresach am Samstag, 25. April. Es gehe in dieser umfangreichen Ausstellung darum, das Kirchenlied als „ganz besonderes Kulturgut zu hören, zu verstehen und auch zu singen“. Dieser Ausstellung sind weitreichende Forschungsarbeiten vorausgegangen, die bis nach China geführt hätten, sagte Schaumberger vor zahlreichen Gästen und Ehrengästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Manfred Sauer, der Kärntner Superintendent, wies auf die Kraft und die Macht der Lieder hin: „In der Kunst und in der Musik darf es keine Zensur geben – und doch hat es sie immer gegeben, auch bei den Kirchenliedern.“ So spiegelten Kirchenlieder immer auch ihre Zeit und die Ängste, Freuden und Hoffnungen der Menschen wider. Die Ausstellung „StimmKraft“ wolle aber auch anregen, „die eigene Stimme zu erheben und die eigene Kraft in der Stimme zu spüren“. Sauer: „So lässt sich in der Kraft des Liedes auch die Kraft der Liebe Gottes spüren.“

In der von Superintendent Sauer verlesenen Grußbotschaft des Kärntner Diözesanbischofs Alois Schwarz ging es um die Gemeinsamkeit der Lieder in den Konfessionen: „Ich freue mich, dass viele Kirchenlieder in beiden Gesangbüchern vertreten sind und so zu einer Brücke zwischen den Konfessionen werden“, schrieb der Bischof. Besonders am Herzen liegt Schwarz Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Schwarz betonte auch die guten ökumenischen Beziehungen in Kärnten, „die eine Nähe und aufrichtige Freundschaft ausdrücken“.

Von den „wesentlichen Bestandteilen des Kärntner Brauchtums in den Liedern“ sprach Fresachs Bürgermeister Gerhard Altziebler: „Lassen Sie uns gemeinsam als politische und als kirchliche Gemeinde möglichst viele Menschen in diese wichtige Ausstellung bringen.“ Als Landtagspräsident und als Sänger gratulierte Reinhard Rohr zu der Ausstellung: „Lieder überwinden problemlos Grenzen und Barrieren zwischen Menschen, und Kirchenlieder begleiten uns Menschen von der Wiege bis zum Abschied von dieser Welt.“

Der Kurator der Ausstellung, Alexander Hanisch-Wolfram, wies auf das breite Panorama hin: „Wir präsentieren in sechs Abschnitten das Thema. So geht es in der ‚Geschichte des Kirchenliedes‘ beispielsweise um das Singen und die Reformation. ‚Evangelisches Lied – Evangelische Identität‘ zeigt, wie das Singen die Menschen über die Jahrhunderte hinweg in ihrem Glauben begleitet hat.“ Die Ausstellung biete erheblich mehr, als es auf den ersten Blick erscheine, so der Kirchenhistoriker: „Hier wird das Kirchenlied ganzheitlich erfahrbar.“

Höhepunkt: Iva Schell

Höhepunkt der Ausstellungseröffnung war der Vortrag der bekannten Opernsängerin Iva Schell: „Auf der Opernbühne spielt man immer eine Rolle, bei geistlichen Liedern ist man ganz man selbst.“ Geistliche Musik spreche zu Gott, „wenn ich singe, dann spüre ich eine Verbindung zu Gott“. Schon immer wollte Schell in Chören und Kirchenchören singen, „dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit gibt es nur im Chor“. Nach dem Tod ihres Mannes Maximilian Schell im Februar 2014 konnte sie einen Monat lang nicht singen: „Ich war verzweifelt, bis ich mich ans Klavier gesetzt habe und ganz sanft zu den Tönen gesummt habe.“ Jetzt singe sie für ihn, „und wenn es ein hoher Ton ist, dann schicke ich ihn zu ihm“. Im Anschluss an ihren Vortrag sang Schell ein bosnisches Volkslied und gab damit ein beeindruckendes Beispiel von Stimmkraft.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von einer Kapelle und dem Kinderchor der Musikschule Feistritz unter der Leitung von Sigrid Steinacher. Die Ausstellung „StimmKraft – Kirchenlieder schreiben Geschichte“ ist bis zum 31. Oktober geöffnet. Informationen unter www.evangelischeskulturzentrum.at

Fotos von der Ausstellungseröffnung unter foto.evang.at

ISSN 2222-2464