Stimmen gegen Armut: Wiener Spendenparlament fördert

Niederschwellige Förderung urbaner Klein- und Kleinstprojekte

Wien (epd Ö) – Im elften Jahr seines Bestehens hat das „Wiener Spendenparlament“ wieder über die Verteilung der diesjährigen Mittel entschieden. Bei der rund dreistündigen Sitzung stimmten rund 60 „aktive BürgerInnen“, so das Wiener Spendenparlament, über die Verteilung von 16.040,- Euro an innovative Sozialprojekte im Raum Wien ab. Die Spendengelder verteilen sich heuer wie folgt: 3.940,- Euro gingen an den Verein „Im Ausland“ mit dem Projekt „Der erste Schritt“. Das Projekt „Erste Hilfe für Erwerbsarbeitslose“ des Vereins Media Austria bekam 2.780,- Euro. Die Initiative Daniel Zimmermann für das Projekt „Quartier 10“ wurde mit 2.720,- Euro bedacht. 2.940,- Euro kommen dem Verein „Talent: Mensch sein“ für ein Bewusstseinsbildungsprojekt zum Thema Integration zugute. Die evangelische Stadtdiakonie erhält 3.660,- Euro für die Aktion „Schulanfang: Arme Eltern – schlechte Chancen“.

„Erfreulich am Ergebnis der 11. Sitzung des Vereins ist auch, dass mit dem diesjährigen Spendenvolumen insgesamt bereits rund 165.000 Euro an Sozialprojekte in Wien ausgeschüttet wurden“, berichtet Martin Schenk. Für den Diakonie-Sozialexperten zeigt sich daran, „dass es dem Spendenparlament gelungen ist, Menschen für soziale Probleme in der Stadt zu sensibilisieren. Wir sammeln Stimmen gegen Armut.“ Auch in Wien seien 130.000 Menschen von Armut betroffen. Das Spendenparlament mache „soziale Not öffentlich“. Schenk: „Je größer die Anzahl der aktiven Mitglieder im Spendenparlament ist, desto höher sind die Unterstützungen, desto mehr können wir gemeinsam bewegen.“

Demokratie, Transparenz und Regionalität

Ein Projekt des Wiener Spendenparlaments betreibt Bewusstseinsbildung bei jungen Menschen, um sie für gesellschaftliche Probleme zu sensibilisieren. Seit 2005 werden an fünf Wiener Schulen Unterrichtsprojekte durchgeführt, in deren Rahmen sich die SchülerInnen mit der Arbeit des Wiener Spendenparlaments auseinandersetzen. Die Klassen bringen 75 Euro – oft aber auch ein Mehrfaches dieser Summe – auf und erhalten dafür ein Stimmrecht, befassen sich mit den aktuellen Projekten und beschließen gemeinsam, wie am Tag der Wahl abgestimmt werden wird. Anklang bei allen TeilnehmerInnen fand auch das Rahmenprogramm der Sitzung mit der Performance der Theatergruppe des Psychosozialen Tageszentrums Regenbogen. Das Wiener Spendenparlament, 1998 gegründet, verfolge, so Schenk, „erfolgreich das Ziel, oft sehr kleine Sozialprojekte, die auf Grund von mangelnden Ressourcen oder fehlendem Know-how wenig Chancen auf öffentliche Unterstützung hätten, zu fördern“. Beispiele wie die Startfinanzierung des Projektes „Die Wiener Tafel“ durch den Verein hätten das Konzept bestätigt, oft unbekannte innovative Initiativen zu fördern. Der Verein, der derzeit rund 200 Mitglieder verzeichnen kann, setze dabei auf Demokratie, Transparenz und Regionalität. Die Auswahl der Initiativen und das Ausmaß ihrer Förderung erfolgen in einer demokratischen Abstimmung. Alle Spendengelder kommen ausschließlich sozialen Projekten in Wien zugute. Damit können Mitglieder „ihr eigenes Lebensumfeld mitgestalten, die widmungsgerechte Verwendung ihrer Spende überprüfen und direkten Kontakt zu den von ihnen unterstützten Projekten zu erhalten“.

ISSN 2222-2464