Stellungnahme der Reformierten Kirche zum geplanten Familienpaket der Bundesregierung

Geschlechtsneutrale Definition von Lebensgemeinschaft wäre wichtiger Schritt gewesen

Wien, 12. Juli 2006 (epd Ö) – „Es gibt keinen Grund, gleichgeschlechtlichen Paaren die Segenshandlung zu verweigern, weil das Entscheidende nicht die Geschlechtszugehörigkeit, sondern die Liebe zweier Menschen zueinander ist und der damit verbundene ernsthafte Vorsatz, eine lebenslange Partnerschaft einzugehen“, heißt es in der Stellungnahme der Reformierten Kirche vom 12. Juli zum Familienpaket der Bundesregierung. Und weiter: „Vor diesem Hintergrund ist es außerordentlich zu bedauern, dass das Familienpaket der Justizministerin in der ursprünglichen Fassung voraussichtlich nicht die Zustimmung des Ministerrates finden wird, denn dieses hätte auch eine Aufwertung der homosexuellen Lebensgemeinschaften beinhaltet.“

Die Reformierte Kirche in Österreich habe mit ihrem Synodenbeschluss von 1999 die Möglichkeit geschaffen, gleichgeschlechtliche Paare in einem Gottesdienst zu segnen: „Damit hat unsere Kirche einer gesellschaftlichen Realität im Sinn der Menschenrechte Rechnung getragen.“ Die geschlechtsneutrale Definition von Lebensgemeinschaft wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Beseitigung diskriminierender Regelungen und Gesetze für homosexuelle Paare gewesen. Dem Synodenbeschluss der Reformierten Kirche zur Segenshandlung an homosexuellen Paaren sei ein „langer und schwieriger Lernprozess innerhalb der Kirche vorausgegangen“. Nun sei zu hoffen, dass auch in den tonangebenden politischen Parteien die „ideologischen Brillen abgelegt werden und ähnliche Prozesse einsetzen, damit das getan wird, was für die Menschen gut ist, denn darauf sollte es letztlich ankommen“.

ISSN 2222-2464