Steiermark: Mehr Angebote für Familien

Steirische Superintendentialversammlung will Kinder verstärkt in den Mittelpunkt stellen

Deutschfeistritz, 9. Oktober 2002 (epd Ö) Die Evangelische Kirche in der Steiermark will Kinder verstärkt in den Mittelpunkt stellen. Diesen Beschluss fasste die steirische Superintendentialversammlung am Samstag, 5. Oktober, in Deutschfeistritz. Durch den hohen Stellenwert der Predigt wären evangelische Gottesdienste bisher in dem Ruf gestanden, etwas „kopflastig“ zu sein, „Familien mit kleinen Kindern hatten manchmal Sorge zu stören“, so Superintendent Mag. Hermann Miklas. Nunmehr soll das Angebot von Krabbelgottesdiensten und Eltern-Kind-Gruppen in der Evangelischen Kirche ausgeweitet werden. Miklas: „Die primäre religiöse Sozialisation läuft ja vor allem über das Herz bzw. über die Beziehungsebene, und nicht so sehr über den Kopf.“

Taufgespräche haben hohe Bedeutung

Viele Delegierte erinnerten bei der Tagung an ihre eigene Kindheit und bestätigten, dass der prägende emotionale Zugang zum Glauben für sie bereits in sehr frühe Lebensphasen zurückreiche. Unterstrichen wurde auch die Bedeutung der Kontakte, die bei Taufgesprächen und den Taufen zwischen den PfarrerInnen und den Familien entstehen.

Miklas erinnerte daran, dass ähnliche Überlegungen auch in anderen Diözesen anliegen. Die Zuwendung zum Kind stehe deshalb auf der Tagesordnung der gesamtösterreichischen Synode, die am 20. Oktober in St. Pölten beginnt. Angestrebt werde etwa eine schrittweise Einführung des kinderoffenen Abendmahls, wie es in den meisten christlichen Kirchen schon seit langem üblich ist – für Miklas, der auch Vorsitzender des Theologischen Ausschusses der Synode ist, eine weitere „ökumenische Annäherung“. Bisher galt in der Evangelischen Kirche die Konfirmation als Erstzulassung für die Teilnahme am Abendmahl.

Buddhistentreffen: Dialog ja, gemeinsame religiöse Zeremonien nein

Univ. Prof. Dr. Johann-Georg Haditsch, der seit sechzehn Jahren als Superintendentialkurator der steirischen Diözese vorsteht, kündigte an, seine Funktion im kommenden Frühjahr zurückzulegen. Bis zur Wahl des Nachfolgers bzw. der Nachfolgerin können nun die Presbyterien jeder Pfarrgemeinde Kandidaten für dieses Amt nominieren. Seine Aufgaben als Umweltbeauftragter der Diözese und der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich will Haditsch weiter versehen.

Bekräftigt wurde erneut der bereits ökumenisch akkordierte Standpunkt zum Internationalen Buddhistentreffen in Graz: Dialog ja, gemeinsame religiöse Zeremonien nein. Am 17. und 18. Oktober werden in Graz zwei öffentliche Diskussionsveranstaltungen zum Thema „Frieden“ stattfinden, an denen auch die Evangelische Kirche beteiligt ist. Bei der großen interreligiösen Begegnung am 18. Oktober auf dem Grazer Schlossberg, bei der je ein Sprecher der fünf bedeutendsten Weltreligionen eine Friedensbotschaft gibt, wird Superintendent Miklas für die christlichen Kirchen sprechen.

ISSN 2222-2464