Steiermark: Evangelische gegen Bettelverbot

Die steirische Superintendentialversammlung fordert nachhaltiges Engagement der Politik für arme und ausgegrenzte Menschen.
Die steirische Superintendentialversammlung fordert nachhaltiges Engagement der Politik für arme und ausgegrenzte Menschen.

Superintendentialversammlung: Verbot gilt nicht für kirchliche Plätze – Armut beseitigen statt Arme bekämpfen

Weiz (epd Ö) – Gegen das vom steirischen Landtag verabschiedete Bettelverbot hat sich die evangelische Superintendentialversammlung ausgesprochen. Das Verbot sei „auch menschenrechtlich bedenklich“, heißt es in einer am 19. März in Krottendorf bei Weiz mehrheitlich verabschiedeten Resolution.

„Als evangelische Christinnen und Christen wissen wir uns verantwortlich für die Armen und erklären ausdrücklich, dass unsere Solidarität nicht durch staatliche Beschränkungen gemindert oder beendet werden kann und wird“, betonen die Delegierten der steirischen evangelischen Pfarrgemeinden. Festgehalten wird, dass das Bettelverbot des Landes für Orte, die sich im Eigentum der evangelischen Kirche befinden, nicht gültig ist.

Die vielfach angeführten Begründungen für ein Bettelverbot werden als „nicht stichhaltig, sachlich falsch und menschlich untragbar“ zurückgewiesen. Gegen tatsächlich abzulehnende Formen des Bettelns wie aggressive oder organisierte Bettelei sowie Betteln durch Minderjährige gäbe es auch bisher längst ausreichende gesetzliche Handhabe, unterstreicht die Superintendentialversammlung.

Statt Arme zu bekämpfen und zu verdrängen, sollte engagiert Armut „konkret beseitigt oder zumindest gemildert“ werden. Die steirische Superintendentialversammlung fordert nachhaltiges Engagement der Politik und der Öffentlichkeit für alle armen und ausgegrenzten Menschen in Österreich und darüber hinaus. Gefordert werden konkrete Projekte, die den Betroffenen neue Lebenschancen ermöglichen.

„Als Kirche wissen wir uns diesem Engagement auch selbst verpflichtet“, so die Delegierten weiter. In seinem Gleichnis „vom reichen Mann und dem armen Lazarus“ in Lukas 16 habe Jesus ein „eindrucksvolles Beispiel für falschen und richtigen Umgang mit Armut gegeben, das als Richtschnur unseres Handelns dient“.

Gleichzeitig appelliert die Superintendentialversammlung an Politik und Öffentlichkeit, die „Haltung gegenüber Not leidenden Menschen zu überdenken und das Bettelverbot zurückzunehmen“. Auch der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, der an der Superintendentialversammlung in Krottendorf teilnahm, hat das Bettelverbot vor den Delegierten als „menschenverachtend“ kritisiert.

ISSN 2222-2464