Städte sollen interreligiösen Dialog strukturell verankern

Superintendent Hermann Miklas arbeitete mit an der Formulierung der "Grazer Erklärung". (Foto: epd/Uschmann)
Superintendent Hermann Miklas arbeitete mit an der Formulierung der "Grazer Erklärung". (Foto: epd/Uschmann)

Interreligiöse Konferenz „ComUnity Spirit“ endete mit Präsentation der „Grazer Erklärung“ – Gesellschaft kann auf positive Potenziale religiöser Menschen nicht verzichten

Graz (epdÖ) – Weil urbane Zentren Brennpunkte des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Nation, Kultur und Religion sind, sollen Städte den interreligiösen Dialog untereinander und gemeinsam mit den Religionsgemeinschaften strukturell verankern. Dieses Resümee zogen die TeilnehmerInnen der interreligiösen Konferenz „ComUnity Spirit“ in der steirischen Landeshauptstadt, die mit der Präsentation der „Grazer Erklärung“ am Samstagabend, 20. Juli, zu Ende ging.

„Wenn Städte Vielfalt als Bereicherung und Verantwortung wahrnehmen, stärken sie ihre innere Gemeinschaft und geben zugleich Impulse für ein friedliches globales Zusammenleben.“ Das wird in der „Grazer Erklärung“ eingangs festgestellt. Die Kurzfassung des Textes wurde vom evangelischen Superintendenten der Steiermark, Hermann Miklas, dem katholischen Pfarrer Hermann Glettler, der islamischen Theologin Hamideh Mohagheghi und der langjährigen Vizepräsidentin der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft, Eva Zeller-Zellenberg, verlesen.

Städtische Verantwortungsträger seien gut beraten, wenn sie dabei auch die positiven Kräfte von religiösen Menschen nützen. Religiöse Menschen seien nicht besser als andere. „Sie sind jedoch in der Lage, die starken Motivationskräfte ihrer religiösen Überzeugungen in die konstruktive Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft einzubringen – sowohl in lokalem Kontext als auch als Global Players“, heißt es in dem Text, der vor der Instrumentalisierung möglicher Konfliktpotentiale der Religionen warnte.

Für den notwendigen interreligiösen Dialog wurden mit den Allgemeinen Menschenrechten klare Rahmenbedingungen festgehalten. Betont wurden die Achtung der gleichen Würde von Mann und Frau und das Bekenntnis zu den Werten der Demokratie und zur Religionsfreiheit. Letztere „verwirklicht sich in der freien Wahl der Religion und ihrer öffentlichen Ausübung“. Als prioritäres Handlungsfeld für das friedliche Zusammenleben im urbanen Bereich wurde der Bildungsbereich identifiziert. Dies betrifft einerseits die Religionsgemeinschaften mit Blick auf die religiöse Bildung ihrer Mitglieder. Andererseits brauche es „ein ausreichendes Maß an Bildung über die ethische und kulturelle Bedeutung von Religionen im öffentlichen Raum“.

Zu der interreligiösen Konferenz in Graz reisten zahlreiche TeilnehmerInnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, England, Bosnien, Indien, Nigeria, Italien und Griechenland an, insgesamt gab es 18 Workshops, sechs Referate und zwei große Podiumsdiskussionen.

ISSN 2222-2464