Stacheldraht-Zäune aus christlicher Sicht ablehnen

Der Umgang mit den Menschen auf der Flucht ist "eine Nagelprobe für unseren Glauben", betonen Bischof Michael Bünker, Landessuperintendent Thomas Hennefeld und Superintendent Lothar Pöll in einer gemeinsamen Erklärung zum Reformationstag 2015. Foto: Salinia Stroux
Der Umgang mit den Menschen auf der Flucht ist „eine Nagelprobe für unseren Glauben“, betonen Bischof Michael Bünker, Landessuperintendent Thomas Hennefeld und Superintendent Lothar Pöll in einer gemeinsamen Erklärung zum Reformationstag 2015. Foto: Salinia Stroux

Bischof Bünker, Landessuperintendent Hennefeld und Superintendent Pöll zum Reformationstag 2015

Wien (epdÖ) – „Die Errichtung von stacheldrahtbewehrten Zäunen und Mauern und die Rede von einer ‚Festung Europa‘ führen angesichts der konkreten Not in die Irre und sind daher aus christlicher Sicht grundsätzlich abzulehnen“, betonen die Spitzen der drei Evangelischen Kirchen, der lutherische Bischof Michael Bünker, der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld und der methodistische Superintendent Lothar Pöll, in einer gemeinsamen Erklärung zum Reformationstag 2015. Das Recht auf Asyl sei ein verbürgtes Recht, zu dem sich die Länder Europas verpflichtet haben. Dem kriminellen Schlepperunwesen könne nur dann der Boden weggezogen werden, wenn es rasch legale Wege nach Europa gebe.

Die Bewältigung der Flüchtlingsströme erfordere ein „solidarisches und faires Miteinander“ der EU-Staaten. Zudem sei es notwendig, bei den Ursachen der derzeitigen Fluchtbewegungen anzusetzen und vor allem den Bürgerkrieg in Syrien sowie andere aktuelle Konfliktherde mit wirksamen politischen und gewaltfreien Mitteln zu bekämpfen.

Jetzt gehe es darum, für die Menschen, die in Österreich um Asyl angesucht haben, geeignete Quartiere für die kalte Jahreszeit zu finden. Hier sei Österreich immer noch säumig. Bünker, Hennefeld und Pöll ersuchen in der Erklärung „alle Gemeinden und Einrichtungen unserer Kirche, aber auch alle Einzelpersonen, die sich dazu in der Lage sehen“, Quartiere zur Verfügung zu stellen und Menschen, die fliehen mussten, weiter und verstärkt „menschenwürdig“ aufzunehmen. Der Umgang mit den Menschen auf der Flucht sei „eine Nagelprobe für unseren Glauben“, schreiben die Spitzen der drei Kirchen und erinnern an die Bedeutung, die den Fremden und Menschen auf der Flucht in der Bibel zukommt.

Die Feier zum Gedenken der Reformation stehe in Österreich und ganz Europa unter dem Eindruck der Flüchtlingssituation. „Die Schicksale der Frauen, Männer und Kinder werden uns täglich durch die Nachrichten vor Augen gestellt. All das kann niemanden gleichgültig lassen. Trauer und Mitleid erfüllen uns.“ Der Bischof, der Landessuperintendent und der Superintendent zeigen sich in der gemeinsamen Erklärung dankbar für die Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität in Österreich. „Wir sind uns bewusst, dass die gastfreundliche Aufnahme von Menschen, die Hilfe und Schutz suchen, ein zentrales christliches Gebot ist. Dankbar sehen wir den großen Einsatz der christlichen Kirchen, Hilfsorganisationen und Gemeinden für Menschen auf der Flucht. Wir können froh und stolz sein auf den Flüchtlingsdienst unserer Diakonie, der – gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen – großartige Arbeit leistet, die unsere Unterstützung verdient. Gleichzeitig bitten wir, diesen Einsatz nicht aufzugeben, sondern angesichts der andauernden Not, wo immer es möglich ist, noch zu verstärken.“

Gleichzeitig rufen Bünker, Hennefeld und Pöll dazu auf, „allen vereinfachenden Parolen und vor allem jeder Hetze gegen Asylsuchende entschieden entgegenzutreten“. An die Regierung appellieren die Spitzen der drei Evangelischen Kirchen, vom „Kurs der Menschlichkeit“ nicht abzurücken und gleichzeitig europäische Solidarität einzufordern. An die Verantwortlichen in den Gemeinden richten Bünker, Hennefeld und Pöll die Bitte: „Öffnet eure Herzen und Hände. Seht nicht tatenlos zu. Wir sind uns sicher: Unsere Enkel werden uns fragen: Was hast du gewusst? Was hast du getan? Gott gebe, dass wir eine Antwort mit gutem Gewissen geben können.“

Die Erklärung im vollen Wortlaut finden Sie hier.

ISSN 2222-2464