Bischof Chalupka: Dienst an Flüchtlingen immer auch Predigt vom Gekreuzigten

Es sei erschreckend, „dass das Bekenntnis zu Jesus Christus, die Solidarität zum Gekreuzigten und den Gekreuzigten dieser Welt“ immer noch gefährlich sei, sagte Bischof Michael Chalupka in seiner Predigt zum Eröffnungsgottesdienst. Foto: epd/Uschmann
Es sei erschreckend, „dass das Bekenntnis zu Jesus Christus, die Solidarität zum Gekreuzigten und den Gekreuzigten dieser Welt“ immer noch gefährlich sei, sagte Bischof Michael Chalupka in seiner Predigt zum Eröffnungsgottesdienst. Foto: epd/Uschmann

Gottesdienst zur Eröffnung der Synoden in St. Pölten

St. Pölten (epdÖ) – Mit einem Gottesdienst wurden am Mittwochabend, 4. Dezember, die evangelischen Synoden in St. Pölten eröffnet. Bis Samstag, 7. Dezember, werden die gesamtösterreichischen „Kirchenparlamente“ der evangelisch-lutherischen (A.B.) und der evangelisch-reformierten Kirche (H.B.) sowie der gemeinsamen Kirche A.u.H.B. in der niederösterreichischen Landeshauptstadt tagen. Zum ersten Mal als Bischof nimmt Michael Chalupka an der Synode teil. Bei seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst stellte Chalupka das Kreuz als zentrales Symbol des Christentums und als Ausdruck für das Leiden geflüchteter Menschen in den Mittelpunkt.

„Der Dienst an den Kindern, Frauen und Männern auf der Flucht, auf der Suche nach einer neuen Heimat, ist immer auch die Predigt vom Gekreuzigten gewesen“, erinnerte Chalupka an die Gründung des Diakonie Flüchtlingsdiensts vor 30 Jahren. Der Dienst an den Flüchtlingen habe immer wieder Gewalt sichtbar gemacht und „die Überzeugung, dass es ein Ende haben muss mit der Gewalt“. Erschreckend sei zu sehen, „dass das Bekenntnis zu Jesus Christus, die Solidarität zum Gekreuzigten und den Gekreuzigten dieser Welt“ immer noch gefährlich sei, so der Bischof. Das Kreuz erinnere daran, „was alles möglich ist, wenn wir nicht den eigenen Ruhm, das eigene Ich, die eigene hochglanzpolierte Oberfläche ins Rampenlicht stellen, sondern den Ruhm unseres Gottes, der uns so reichlich beschenkt“.

Das gelte auch und vor allem für die Leitung der Kirche. Deren Ämter hätten dienende Funktion: „Das Sich-selber-Rühmen und Ins-beste-Licht-Stellen, das überlassen wir der Werbeindustrie und der Message Control. In der Kirche muss die Message, muss die Botschaft die Kontrolle übernehmen, nicht der Amtsträger, der die Botschaft zu predigen hat“, sagte Chalupka, der im Mai von den Synodalen als Nachfolger von Michael Bünker ins Bischofsamt gewählt worden war. Sein Amt hat der frühere Direktor der Diakonie im September angetreten.

Die Flüchtlingsfrage wird die Generalsynode der Kirche A.u.H.B. auch in den kommenden Tagen beschäftigen. Für Samstag ist eine Resolution zum Thema Asyl geplant, wie Synodenpräsident Peter Krömer im Vorfeld gegenüber dem Evangelischen Pressedienst angekündigt hatte.

Den Eröffnungsgottesdienst in der evangelischen Kirche in St. Pölten gestalteten der niederösterreichische Superintendent Lars Müller-Marienburg und die St. Pöltner Pfarrerin Baukje Leitner-Pijl. Der St. Pöltner Pfarrer David Zezula konnte gemeinsam mit Synodenpräsident Peter Krömer neben den Synodalen, Gemeindegliedern und Vertretern benachbarter Kirchen auch zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens und der Ökumene, darunter auch den römisch-katholischen Diözesanbischof Alois Schwarz, begrüßen.

Beim anschließenden Empfang blickte der Synodenpräsident auf ein „turbulentes“ Jahr zurück. Neben dem Karfreitagsthema, der Entscheidung über die Segnung für alle und der Wahl des neues Bischofs steht nun die vierte Synode in diesem Jahr an. Deutlich kritisierte Krömer auch, dass die Datenschutzgrundverordnung die evangelische Krankenhausseelsorge „zum Erliegen“ gebracht habe, hier gelte es, mit den verantwortlichen Stellen „wieder aus der Sackgasse herauszufinden“. Seinen Dank drückte der Synodenpräsident der ehemaligen Senatspräsidentin des Verwaltungsgerichtshofs, Ilona Giendl, aus, die über 25 Jahre im Revisionssenat, der höchsten Instanz in kirchlichen Streitverfahren, mitgewirkt hatte.

Musikalisch gestalteten den Gottesdienst ein gemeinsamer Chor der Pfarrgemeinden Klosterneuburg und Melk-Scheibbs unter Diözesankantorin Sybille von Both und Marcus Hufnagl an der Orgel. Die Synode tagt bis Samstag im Bildungshaus St. Hippolyt (Eybnerstraße 5, 3100 St. Pölten). Am Freitagabend, 6. Dezember, lädt Bürgermeister Matthias Stadler die Synodalen zu einem Festempfang ins Rathaus der Reformationsstadt St. Pölten.

Die Predigt in vollem Wortlaut finden Sie hier.
Bilder von der Synode finden Sie unter foto.evang.at

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ISSN 2222-2464