Spirituelle Sexualität: Behutsamkeit dem anderen Menschen gegenüber

Evangelische Woche fragt nach dem Zusammenhang von Spiritualität und Sexualität

Wien (epd Ö) – „Spirituelle Sexualität leben“ heiße, „ich darf mich selber nicht zur Waffe machen“ und muss „Behutsamkeit dem anderen Menschen gegenüber“ zum Ausdruck bringen, betonte die Prof. Mag. Dr. Rotraud A. Perner am 9. März, dem dritten Abend der Evangelischen Woche in Wien. Der Abend widmete sich dem Thema „Leib-Feindliches Christentum? Oder – Wie kommen Spiritualität und Sexualität zusammen?“ und fand im Wiener Nachtclub „Moulin Rouge“ in der Walfischgasse statt. Das Thema und die Fragen des anwesenden Publikums wurden von Perner und dem Sexualpädagogen und Sexualberater Franz Babka aufgenommen.

Die 1982 der Evangelischen Kirche in Österreich beigetretene Perner machte deutlich, dass Sünde im kirchlichen Bereich meist „als Abspaltung aus der Person“ verstanden werde und man annehme, dass dies der Bereich sei, „wo Sexualität gelebt wird.“ Sie kritisierte die kirchliche Sichtweise, „dass es etwas Richtiges und etwas Falsches gibt“ und „damit eine Hierarchie“ aufgebaut werde. Nach Meinung Perners fange die Sexualität bei jedem Menschen selbst an, „dann kann ich auf andere zugehen.“ Jeder Mensch müsse selbst seine Balance finden: „Wenn ich in der Mitte bin, erlebe ich die Balance selbst, erlebe ich Gott. Gott ist die Ganzheit.“ Das „Bleiben in der Balance, in der Spiritualität“ sei im Alltag durch die alltäglichen Anforderungen allerdings schwer. Um wieder in die Balance zu kommen, „braucht es Pfarrer und Pfarrerinnen“, die dabei helfen und dazu anleiten.

Babka, katholisch sozialisiert und vor rund 10 Jahren aus der Kirche ausgetreten, bezeichnete sich selbst als „freischaffenden Christen“ und „auf der Suche, was für mich erfüllende Spiritualität und Sexualität“ sei. Kirchliche Spiritualität und Sexualität nannte er „ein verfeindetes Geschwisterpaar“. Seiner Meinung nach unterstützen die Kirchen nicht, „dass Sexualität und Spiritualität zueinander kommen“. Für ihn ist es „Sünde, Gott in der Begegnung mit Menschen zu begrenzen“ und die Welt in einen heiligen und einen profanen Bereich zu trennen, indem vermittelt werde, „Gott hat in der Sexualität nichts zu suchen.“ Als Verantwortung der Kirchen empfindet Babka, darüber zu informieren: „Sexualität hat nichts mit Gewalt und Ausbeutung zu tun.“ Das Thema des Abends wurde zum Abschluss durch den Tanz der Philosophin und Tanzpädagogin Elke Pichler zu den Violinklängen von Alexander Nantschev zum Ausdruck gebracht.

Einblick in das Leben protestantischer Kulturen in Nordeuropa bot der „Skandinavische Abend“ am Freitag. Umrahmt von skandinavischer Musik und einem für die Region typischen Buffet präsentierten sich die dänische, finnische und schwedische Gemeinde in Wien. Ein positives Resümee über die diesjährige Evangelische Woche zog die Organisatorin, Birgit Traxler, vom Bildungswerk A.B. Wien. An die 1000 TeilnehmerInnen haben die Veranstaltungen besucht.

ISSN 2222-2464