Spirituelle Dimension im Krankenhaus noch stärker beachten

Interreligiöses Symposion „Trost und Stärkung in den Religionen“ im Wiener AKH

Wien (epd Ö) – Die Bedeutung der spirituellen Dimension für die ärztliche Behandlung und die Lebensqualität der Patienten muss im Krankenhausalltag noch stärker als bisher bewusst gemacht werden. Das wurde bei dem Symposion „Trost und Stärkung in den Religionen“ deutlich, zu dem die Krankenhausseelsorge am Wiener AKH am Donnerstag, 7. Februar, eingeladen hatte. Prof. Christoph Giesinger, ärztlicher Leiter des Hauses der Barmherzigkeit, und Prof. Raimund Jakesz, Leiter der klinischen Abteilung für Allgemeinchirurgie im AKH, betonten übereinstimmend, dass Spiritualität wie viele andere Aspekte fester Bestandteil ärztlichen Handelns sein müsse.

Jakesz zitierte aus einer US-amerikanischen Studie über Krebspatienten, in der 88 Prozent der Religion große Bedeutung zumessen, nur 29 Prozent hätten ihre spirituellen Erwartungen in öffentlichen Krankenhäusern aber erfüllt gesehen. 77 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass sich nicht nur Seelsorger sondern auch Ärzte um spirituelle Belange der Patienten kümmern sollten. 68 Prozent gaben aber an, dass Ärzte mit ihnen nie über religiöse Fragen gesprochen hätten. Jakesz stellte dazu fest, Spiritualität spielt derzeit im Heilungsprozess noch eine zu geringe Rolle.

Damit das nicht so bleibt, wurde vor rund eineinhalb Jahren die „Interreligiöse Ärzteplattform“ gegründet, die interessierte Mediziner vernetzen und mehr Bewusstseinsbildung ermöglichen will, legte Prof. Giesinger dar.

Trost und Sakramente

Zentrale Aspekte der geistlichen Begleitung im Krankenhaus wurden von der evangelischen Krankenhausseelsorgerin Ulrike Frank-Schlamberger und ihrer katholischen Kollegin Jeannette Rehm genannt. Trösten heiße zuallererst, so Frank-Schlamberger, „gemeinsam hinsehen auf das Leid und die Gewissheit vermitteln, dass auch Gott hinsieht“. Der Glaube helfe, nichts auf dieser Welt absolut zu setzen, „weder Geld noch Macht, auch nicht Gesundheit oder das Leben“, verdeutlichte Rehm.

Islam und Judentum

Sinn und Umgang mit Krankheit aus islamischer Sicht umriss Zeynep Elibol, Direktorin der Islamischen Fachschule für Soziale Berufe. Laut Koran gebe es keine Krankheit ohne Heilung, und kein Muslim dürfe daher die Hoffnung auf Heilung aufgeben. Eine zentrale Bedeutung komme den Bittgebeten zu, nicht alle würden aber schon im Diesseits erhört. Krankheit werde im Islam als eine Art „Schule“ oder „Bewährungszeit“ gesehen, so Elibol. Bei manchen reiche diese Zeitspanne über den Tod hinaus, bei anderen nicht. Aufgabe muslimischer Seelsorge an Kranken sei es vor allem, dem Kranken zu vermitteln, dass man an seine Heilung glaubt.

Auf die Begleitung der Angehörigen von Kranken und Verstorbenen ging in besonderer Weise Tirza Lemberger, Lektorin am Institut für Judaistik der Universität Wien, ein. So gebe es im Judentum beispielsweise genaue Regelungen für die erste Trauerzeit nach dem Tod eines engen Angehörigen. Diese Vorschriften würden es den Trauernden ermöglichen, ihren Schmerz zu verarbeiten und wieder neue innerliche Kraft zu gewinnen.

17 Jahre Zusammenarbeit

Seit nunmehr fast 17 Jahren arbeiten evangelische, katholische, jüdische und muslimische SeelsorgerInnen im AKH zusammen. Insgesamt werden jährlich rund 20.000 Personen von den Krankenseelsorgerinnen und -seelsorgern in persönlicher Begegnung betreut. Koordiniert wird die Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften in interreligiösen Treffen, die seit 2002 in regelmäßigen Abständen stattfinden.

ISSN 2222-2464