Sozialwort muss „weitergeschrieben“ werden

Präsentation des ökumenischen Sozialwortes in Graz

Graz, 3. Dezember 2003 (epd Ö) Als ein „Projekt in progress“ und als „Wort, das weitergeschrieben werden muss“ hat der Grazer Sozialethiker Leopold Neuhold das „Sozialwort“ des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich“ bezeichnet. Es sei wichtig, die Veränderungen in der Gesellschaft von heute zu benennen und die Herausforderungen der Zeit anzunehmen, sagte Neuhold am 1. Dezember bei einer Pressekonferenz in Graz.

Superintendent Hermann Miklas betonte das Recht der Kirchen, sich zu allen Themen zu äußern: „Bei der Bioethik werden wir nach unserer Meinung gefragt, im Religionsunterricht sollen wir Kindern Kriterien für Gut und Böse beibringen, aber bei der Sozial- und Asylpolitik sollen wir uns nicht einmischen.“ Unterstrichen wurde von Miklas das „besondere ökumenische Klima, das seit langem in der Steiermark herrscht“ und das wesentlich zum Reifen dieses gemeinsamen Projektes aller 14 christlichen Kirchen in Österreich beigetragen habe. Das gemeinsame Sozialwort beeindrucke durch seine „Un-Aufgeregtheit“. Ohne erhobenen Zeigefinger zeige es Wandlungsvorgänge und Probleme der heutigen Zeit ebenso auf wie Chancen und Herausforderungen, die sich daraus für die Kirche selbst und für die Gesellschaft ergeben.

Es sei ein „Faktum“, dass es in einzelnen Fragen innerhalb der Kirchen unterschiedliche Meinungen und Lösungsmöglichkeiten geben kann und soll, betonte der Grazer Pastoralamtsleiter Prälat Heinrich Schnuderl. Im Hinblick auf die konkreten Aufgaben, die am Ende eines jeden Kapitels sowohl für die Kirchen als auch für die Gesellschaft benannt werden, verwies Schnuderl auf die Kontakte zu ost- und südosteuropäischen Ländern. Diese Kooperationen auf verschiedensten Ebenen seien zu nützen, um die Erweiterung und Integration in Europa nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial und kulturell zu fördern. Der Grazer orthodoxe Theologe Prof. Grigorios Larentzakis unterstrich die Bedeutung des gemeinsamen Wirkens der christlichen Kirchen östlicher und westlicher Tradition. Gerade im Hinblick auf die EU-Erweiterung sei es wichtig, die osteuropäische Dimension einzubringen.

ISSN 2222-2464