Sozialhilfe als „zweites Netz“ in Frage gestellt

Armutskonferenz fordert einheitliches System der Sozialhilfe

Wien, 11. April 2001 (epd Ö) Die Armutskonferenz forderte am Montag eine bundeseinheitliche und existenzsicherende Sozialhilfe. Mag. Martin Schenk, der Sozialexperte der Diakonie, kritisierte in einer Aussendung die uneinheitliche Vergabepraxis und existenzgefährdende Verzögerungen bei der Auszahlung. Er verwies auf die Studie des Salzburger Sozialexperten Walter Pfeil, wonach die von den Ländern ausbezahlte Sozialhilfe als Instrument zur Armutsbekämpfung untauglich geworden ist.

Auch Schenk sieht die Wirkung der Sozialhilfe als „Zweites Netz“ in Frage gestellt: „Insgesamt erhält nur jeder sechste Hilfesuchende unserer Sozialberatungsstellen eine Leistung zum Lebensunterhalt aus der Sozialhilfe“, erklärte er. Eine „Armutsfalle“ seien überdies die Regressforderungen: „Wenn die Betroffenen es geschafft haben, wieder Arbeit zu finden, droht ihnen die Rückzahlung“. Schenk konstatierte überdies, dass immer mehr Menschen „zwischen den bestehenden Netzen sozialer Sicherung durchfallen“. Die neuen „workless poor“ würden sich in keiner Arbeitslosenstatistik mehr finden und sich aus „Scham“ nicht aufs Sozialamt trauen.

ISSN 2222-2464