Sich qualitätsvoll zu Wort melden

Eröffnung der neuen Superintendentur Salzburg und Tirol in Innsbruck

Innsbruck, 7. November 2005 (epd Ö) – „Dies ist auch ein Tag der Versöhnung“, sagte Bischof Mag. Herwig Sturm in seiner Predigt bei dem Festgottesdienst anlässlich der Eröffnung der Superintendentur der Diözese Salzburg und Tirol in der Innsbrucker Christuskirche am vergangenen Freitag. Seit dem 15. September befindet sich der Sitz der Superintendentur in der Tiroler Landeshauptstadt. „Heute geschieht das, wovon wir in der Europäischen Union träumen, nämlich Heilung mit der Geschichte“, so der Bischof. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts waren Evangelische aus dem Tiroler Zillertal vertrieben worden und der Innsbrucker Landtag habe daran maßgeblichen Anteil gehabt. „Damals mussten die Menschen erfahren, wie schmerzhaft das Gegeneinander aufgrund des Glaubens sein kann, heute dürfen wir erleben, wie die Tiroler Politiker sich um uns Evangelische bemühen.“ Daher ermögliche dieser Tag auch einen „guten Blick in die Zukunft“. Der Bischof, selbst in einem evangelischen Pfarrhaus in Salzburg aufgewachsen: „Ich erinnere mich noch gut daran, wie schmerzhaft ich es empfunden habe, als die Superintendentur in Salzburg an den Stadtrand gezogen ist.“ Das sei typisch für die Diaspora gewesen. Auch wenn man sich noch heute in der Diaspora befinde, „ist die Superintendentur jetzt mitten auf dem Tablett und hier kann es viel besser gelingen, sichtbar evangelisch zu sein und sich qualitätsvoll zu Wort zu melden“.

Van Staa: Symbol für gelebte Ökumene und Friedensbereitschaft

„Dieses Ereignis heute ist auch ein Symbol für gelebte Ökumene und Friedensbereitschaft, denn von dieser Stadt ist der letzte Akt der Gegenreformation ausgegangen“, sagte der Tiroler Landeshauptmann Dr. Herwig van Staa in seinem Grußwort. „Wir wollen hier kein Nebeneinander von Staat und Kirche, sondern ein aktives Miteinander“, betonte der Politiker, wobei die gegenseitige Nichteinmischung „selbstverständlich“ sei. Mehrfach schon habe ihn die „freudige Offenheit und das Bemühen um eine werteorientierte Gesellschaft“ in den evangelischen Gremien beeindruckt. Dies zeichne alle Gläubigen aus. Van Staa: „Ich bin dankbar dafür, dass in dem gemeinsamen Geist der Verantwortungsübernahme deutlich wird, dass es immer Menschen geben muss, die sich für die Gesellschaft einbringen.“ Er freue sich, dass er zu dem Umzug der Superintendentur beitragen durfte.

Superintendentur als Dienststelle für Gemeinden

„In einer Superintendentur geht es um geistliche Geschäfte und darum, dass im Sinne des Evangeliums geistliches Leben gefördert wird“, sagte Synodenpräsident Dr. Peter Krömer. Eine Superintendentur sei „eine Dienststelle“ für die Gemeinden. „Daher ist es mein Wunsch für die neue Superintendentur, dass Gott alle MitarbeiterInnen der Superintendentur und alle Menschen, die dort ein- und ausgehen werden, segnet.“

Das Wort „Superintendentur“ klinge noch fremd in Innsbruck, hieß es in dem Grußwort des Tiroler Diözesanbischofs Manfred Scheuer, das von Generalvikar Jakob Bürgler verlesen wurde. Scheuer wünschte der neuen Superintendentur, dass dieser Name in der Bevölkerung mit einem guten Inhalt wahrgenommen werde. Er blicke „dankbar“ auf die über alle konfessionellen Grenzen hinweg gute ökumenische Tradition in Tirol, und er danke den evangelischen PfarrerInnen für ihr ökumenisches Engagement.

Für Ministerialrat Univ.-Prof. Dr. Karl Schwarz war es ein „Tag der uneingeschränkten Freude“, dass es nun auch der jüngsten Superintendentur der Evangelischen Kirche gelungen sei, „ein schönes Amtsgebäude zu beziehen“. Schwarz verwies darauf, dass die erste Superintendentur für Tirol bereits vor 222 Jahren von Kaiser Joseph II. im Rahmen seines Toleranzpatentes errichtet wurde.

„Es war ein langer und harter Weg bis hierher, und ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, diesen Weg zu gehen“, sagte Innsbrucks Bürgermeisterin Hilde Zach in ihrer Ansprache. Beeindruckt habe sie immer schon die „fröhliche Gemeinschaft, die Sie miteinander leben“. Sie sei „stolz, dass Sie uns erwählt haben für den Sitz Ihrer Superintendentur“, so die Bürgermeisterin.

Superintendentin Müller: Einladendes und offenes Haus für die Menschen

„Endlich haben wir ein einladendes und offenes Haus für die Menschen, und darüber bin ich sehr froh“, sagte Mag. Luise Müller, Superintendentin von Salzburg und Tirol, in ihrer Dankesrede. Es sei „vielen, vielen Menschen zu danken“, dass dieses Haus nun bezogen werden könne. „Dieses neue Haus passt gut zu uns und unserer Arbeit, denn die Wände sind nicht ganz gerade, das Parkett ist etwas uneben. Das Haus ist jenseits der Norm, so wie wir es auch sind.“

Moderiert hat die Festveranstaltung Superintendentialkurator Dr. Ekkart Fussenegger, den Festgottesdienst begleitete die Saxophongruppe Sax vo biscum, die Orgel spielte Reinhild Singewald. Während der Festveranstaltung sang die Gruppe Voc Hall. Nach dem Gottesdienst und den Grußworten zog die Festgemeinde mit der Musik der rund 50 Mitglieder der Stadtmusikkapelle Innsbruck-Saggen von der Christuskirche zum Rennweg 13 – dem Sitz der neuen Superintendentur der Diözese Salzburg und Tirol.

ISSN 2222-2464