Seelsorge und Strafrecht – Religion als „letzte Freiheit“

Podiumsdiskussion im Wiener Albert Schweitzer Haus

Wien (epd Ö) – „Religion ist die letzte Freiheit, die uns hier drinnen noch bleibt“, zitierte die Religionswissenschaftlerin Ursula Unterberger einen Justizwachebeamten bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Seelsorge und Strafrecht“. Eingeladen hatte dazu die Evangelische Akademie Wien am Mittwochabend, 17. Juni, ins Albert Schweitzer Haus. Das Problem sei, „dass viele gar nicht wissen, dass sie Seelsorge beanspruchen können“, so Unterberger. Dabei habe jeder Einzelne das „Recht auf Seelsorge, auch wenn er einer kleineren religiösen Gruppe angehört“, erklärte Wolfram Reiss, Religionswissenschaftler an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Wien. Er sehe es als die Pflicht des Staates, diese Religionsfreiheit zu gewähren. „Wir bemühen uns, diese Freiheit zu schaffen, sofern es möglich ist. Wir wollen diese Freiheit aber nicht vereinnahmen“, erwiderte Karl Drexler, Leiter der Vollzugsdirektion. Mit der Freiheit müssten die Religionsgemeinschaften selbständig umgehen, so Drexler weiter. Für eine strikte Trennung von Strafrecht und Seelsorge plädierte der katholische Gefangenenseelsorger Meinrad Pieczkowski. „Im Gespräch mit den Gefangenen interessiert mich das Strafrecht überhaupt nicht. Ich frage nicht, was er auf dem Kerbholz hat, sondern was er auf dem Herzen hat“, sagte der Theologe.

Kulturelle und religiöse Differenzen

Nicht jede Religionsgemeinschaft wird staatlicherseits in gleichem Maße unterstützt. Muslimische Gefangenenseelsorge erfolgt ausschließlich ehrenamtlich. „Es ist daher unmöglich, die Totenwaschung und das Totengebet für Verstorbene zu halten“, beklagt der muslimische Gefangenenseelsorger Tarafa Baghajati. Schuld daran sei ausschließlich der fehlende politische Wille. Auch für jüdische Gefangene gebe es besondere Umstände, die in einer Justizanstalt beachtet werden sollten, forderte der Rabbiner Schlomo Eliezer Hofmeister. „Ein Jude ist eben dazu verpflichtet, koscheres Essen zu sich zu nehmen und den Sabbat einzuhalten“, erklärte Hofmeister. „Es ist einfach nicht mehr so, dass die Mehrzahl katholisch oder evangelisch ist“, erinnerte Reiss. Gebraucht werde ein interreligiöses Kompetenzzentrum, um Lösungen zu finden und Ideen auszutauschen.

ISSN 2222-2464