Schwieriger Weg in einer Welt des Pluralismus

Im Gedenkjahr 2008 setzt sich die Evangelische Woche in Wien mit Geschichte und Auftrag der Evangelischen Kirche in Österreich auseinander

Wien (epd Ö) – Was hat die Evangelische Kirche in Österreich aus ihrer Geschichte gelernt? Welche Erfahrungen können in den Dialog mit anderen Kirchen eingebracht werden? Und was bedeutet das für den Weg durch die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts? Die 63. Evangelische Woche mit dem Gesamtthema „Unterwegs in einer pluralistischen Welt 1938 – 2008“; die vom 2. bis 8. März in Wien stattfindet, versucht sich in Antworten auf all diese Fragen. Ein spezieller Blick ist dabei auf das Gedenkjahr 2008 gerichtet.

Im Eröffnungsgottesdienst am Sonntag, 2. März 2008, 10.00 Uhr in der Lutherische Stadtkirche predigt die deutsche Pfarrerin Renate Höppner. Die Liturgie des Festgottesdienstes ge-stalten Pfarrerin Ines Knoll und der Obmann des Evangelischen Bildungswerkes Wien, Martin Vogel.

Über den „evangelischen Auftrag für Europa“ und die Herausforderungen und Perspektiven einer Diasporakirche spricht am Montag, dem 3. März, der ehemalige Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages und ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner. Er kann Erfahrungen eines engagierten Christen in der DDR und im wiedervereinigten Deutschland einbringen.

„Evangelische Kirche in Österreich und Nationalsozialismus“ ist das Thema des Vortrags von Rudolf Kropf, Professor am Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Johannes-Kepler-Universität Linz und Obmann des Evangelischen Studentenheims „Dietrich Bonhoeffer“, am Dienstag, dem 4. März. Nach dem 2. Weltkrieg galt die Evangelische Kirche lange Zeit als „braune Kirche“. Kropf geht der Frage nach, was die heutige Geschichtswissenschaft dazu sagt.

„Ängste sind ernst zu nehmen, gleichwohl ist es die christliche Aufgabe, Frieden zu stiften – durch Aufklärung, durch persönliche Begegnungen, durch Mediation bei Konflikten.“ Das hat die Synode im vergangenen Jahr erklärt. Eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zum Thema „Die im Vertrauen gereichte Hand – Christlich muslimischer Dialog“ untersucht am Mittwoch, dem 5. März, wie diese Erklärung von den Fachleuten gesehen und interpretiert wird. Unter der Leitung von Alfred Garcia Sobreira-Majer diskutieren Lise Abid, Gudrun Harrer, Susanne Heine und Rüdiger Lohlker.

Die Vorträge sowie die Podiumsdiskussion finden statt jeweils um 19.30 Uhr im Albert-Schweitzer-Haus, 1090 Wien, Schwarzspanierstraße 13.

Zwischen Spiegelgrund und Afrika

Im Dokumentarfilm „Meine liebe Republik“ beschäftigt sich die heimische Regisseurin Elisabeth Scharang mit Friedrich Zawrel, der in Jugendjahren als „erbbiologisch Minderwertiger“ in der Euthanasieklinik Am Spiegelgrund eingesperrt wurde. 1974 trifft er erneut auf Heinrich Gross. Zu diesem Zeitpunkt ist der ehemalige Spiegelgrund-Stationsarzt hoch bezahlter Gerichtsgutachter. Scharang und der Journalist Florian Klenk zeichnen Zawrels Geschichte in Gesprächen nach und besuchen mit ihm Orte der Vergangenheit. Zawrel hatte 2006 eine Ehrung der Stadt Wien abgelehnt, ein Jahr zuvor war sein Peiniger Heinrich Gross – dessen Prozess wegen „Demenz“ eingestellt wurde – gestorben. Die Evangelische Woche bietet den Kinofilm und ein anschließendes Gespräch mit Friedrich Zawrel, das von Roland Werneck geführt wird, am Donnerstag, dem 6. März, um 19.30 Uhr im TOP-Kino, 1060 Wien, Rahlgasse 1 (Ecke Theobaldgasse).

Am Freitag, dem 7. März, lädt die Evangelische Woche zum dezentralen Mitfeiern des „Ökumenischen Weltgebetstag der Frauen“ in den Wiener Pfarrgemeinden unter dem Motto „Gottes Weisheit schenkt neue Einsicht“. Die Gebetsordnung kommt diesmal aus Guyana. Orte und Beginnzeiten siehe unter www.weltgebetstag.at.

Im Schlusskonzert „Renaissance Meets Africa“ am Samstag, dem 8. März, um 19.30 Uhr in der Lutherischen Stadtkirche singt das Ensemble des Albert-Schweitzer-Chors unter der Leitung von Landeskantor Matthias Krampe kontrastierend mit dem Ghana Ministrel Choir unter der Leitung von Koyo Taylor. Anschließend wird zu einem afrikanischen Fest mit Buffet in die Räume der Begegnung der Lutherischen Stadtkirche geladen.

Karten an der Abendkasse und gegen Vorbestellung

Die Karten für die Vorträge und die Diskussion (Kostenbeitrag: € 8,- / € 6,- ermäßigt) sind jeweils an der Abendkasse erhältlich. Für den Filmabend am Donnerstag sind die Karten zum selben Preis unbedingt im Voraus bei der Evangelischen Akademie Wien unter 01/408 06 95-0 oder per E-Mail unter ta.gn1511461657ave@e1511461657imeda1511461657ka1511461657 zu reservieren. Für das Abschlusskonzert sind die Karten im Vorverkauf Montag bis Mittwoch an den Abendkassen sowie am Samstag Abend in der Stadtkirche erhältlich.

Die „Evangelische Woche“ ist eine Veranstaltung des Evangelischen Bildungswerkes A.B. Wien in Kooperation mit der Evangelischen Akademie und dem Evangelischen Verein für Studentenheime. Sie wird vom Magistrat Wien MA 13 – Stadtplanung Wien – Wien Kultur – Jugend & Bildung gefördert.

ISSN 2222-2464