„PfarrerInnen sollen gut, gerne und wohlbehalten arbeiten“

Die Zukunft des PfarrerInnen-Bildes prägte das Referat von VEPPÖ-Obmann Stefan Schumann auf der diesjährigen Hauptversammlung. Foto: epd/Uschmann
Die Zukunft des PfarrerInnen-Bildes prägte das Referat von VEPPÖ-Obmann Stefan Schumann auf der diesjährigen Hauptversammlung. Foto: epd/Uschmann

VEPPÖ-Hauptversammlung: Anhebung des Mitgliedsbeitrags, neuer Schatzmeister


Schlierbach(epdÖ) – Über die Zukunft des Pfarramts und über das Pfarrerinnen- und Pfarrerbild sprach Obmann Stefan Schumann bei der diesjährigen Hauptversammlung des Vereins Evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Österreich (VEPPÖ) am 30. August in Schlierbach. Gerade bei der Debatte um das PfarrerInnenbild seien in der letzten Zeit besonders zwei Begriffe „en vogue“ geworden, die wichtige und wesentliche Momente der Diskussion betonen, die Diversifizierung des PfarrerInnenbildes sowie die Salutogenese.

„Die Diskussion um die Diversifizierung des Berufsfeldes und damit des Berufsbildes setzen auf den Abschied von einem vorgegebenen und Einheit suchenden PfarrerInnen-Bild“, so Pfarrer Schumann. Vereinheitlichungen würden in der aktuellen Debatte als kontraproduktiv verstanden werden. Vielmehr habe sich die Überzeugung durchgesetzt, dass das Pfarramt der Zukunft vielfältiger und theologischer sein muss. „Für mich heißt das, dazu Mut zu haben, eigene Bilder vom PfarrerInnen-Dasein zu leben und eben sich selbst immer weiter neu auszubilden. Die Diversifizierung befreit von der Sorge, vorgegebenen Bildern nicht entsprechen zu können und lädt ein, Pfarrer und Pfarrerin zu sein“, sagt Schumann.

Ebenso wichtig sei es aber auch, dass Pfarrerinnen und Pfarrer „gut, gerne und wohlbehalten arbeiten“, wie es in der Überschrift der Handreichung für die Erstellung von Dienstordnungen für PfarrerInnen in der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern heißt. „Dies bedeutet gerade auch ein ‚satis est‘ – ein ‚genug ist‘ – in die eigene Arbeitswirklichkeit zu setzen, um mit anvertrauter Arbeitskraft und den zur Verfügung stehenden Ressourcen theologisch verant-wortete Schwerpunkte in der Arbeit vor Ort setzen zu können. Und damit auch Klärung zu schaffen für das, was getan wird und das, was eben nicht mehr getan werden kann“, so der Obmann des VEPPÖ.

Die Strategie einzelner deutscher Landeskirchen, vakante Pfarrstellen zu streichen, kritisiert Schumann. Dabei handle es sich um eine gefährliche Strategie, auch wenn versucht werde, mit kreativen Neuschöpfungen wie etwa „PfarrerInnen-Pools“ dagegen zu wirken. Schu-mann: „Wir haben uns der Wirklichkeit zu stellen: Wie ist die Arbeit neu auf weniger Schultern zu verteilen? Was ist zu tun und was eben zu lassen im Sinne des ‚satis est‘?“ In Zukunft werde die pfarramtliche Arbeit jedenfalls nicht mehr allein von Pfarrerinnen und Pfarrern zu leisten sein. Die Entscheidung der Kirche, die Ordination auch für Bewerberinnen und Bewerber zu öffnen, die kein theologisches Hochschulstudium vorweisen können, bezeichnet Schumann als einen „nicht unwichtigen Schritt“, um dem PfarrerInnen-Mangel entgegenzuwirken. Allerdings könne und solle dies keine Lösung darstellen. „Das universitäre Theologiestudium ist in unserer Kirche nicht mehr der einzige mögliche Weg, ordiniert zu werden und aktiv in einem definitiven Dienstverhältnis diesen Beruf zu leben“, so Schumann. „Aber auch dies wird nicht allen Mangel auffangen können. Es wird darum gehen, Gemein-den ohne PfarrerInnen überlebensfähig werden zu lassen. Aber stand bisher immer die Hoffnung einer absehbaren Neubesetzung im Vordergrund, so wird dies in der Zukunft nicht mehr in jedem Fall gewährleistet sein.“ Angesichts der Debatten rund um das PfarrerInnenbild forderte Obmann Schumann resümierend: „Lasst uns als Pfarrerinnen und Pfarrer mehr (!) Pfarrerinnen und Pfarrer sein!“

Bei der Hauptversammlung des VEPPÖ, der Standesvertretung evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Österreich, wurde unter anderem auch der neue Schatzmeister vorgestellt. Pfarrer Arndt Kopp-Gärtner folgt auf Pfarrerin Elisabeth Kluge. Von der Hauptversammlung wurde die Erhöhung des Mitgliedsbeitrags verabschiedet. Der reguläre Mitgliedsbeitrag wurde von zehn Euro auf 12 Euro pro Monat erhöht, für Teilzeit-PfarrerInnen und VEPPÖ-Mitglieder im Ausbildungsverhältnis wurde der Beitrag von 5,50 Euro auf 6,50 Euro erhöht.

ISSN 2222-2464