Schulterschluss der Religionen für Lebensschutz in Österreich

Kardinal Schönborn, Bischof Bünker, Metropolit Staikos und Präsident Schakfeh unterzeichneten als Erste die Bürgerinitiative der „Aktion Leben“ für ein kinder- und elternfreundliches Österreich

Wien (epd Ö) – Ökumenischer und interreligiöser Schulterschluss für den Lebensschutz in Österreich: Mit Kardinal Christoph Schönborn unterzeichneten der neue evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh, am Freitag die Parlamentarische Bürgerinitiative der „Aktion Leben“ und setzten damit ein Zeichen für ein „kinder- und familienfreundlicheres Österreich“.

Der Forderungskatalog der Bürgerinitiative unter dem Titel „Mit Kindern in die Zukunft!“ sieht die Einrichtung eines öffentlich finanzierten Hilfsfonds für Schwangere in Not vor sowie eine intensivere und ständige Bewerbung der Schwangerenberatung. Weiters wird eine „vielfältige Unterstützung für Eltern von Kindern mit Behinderung“ gefordert. In diesem Zusammenhang sollte laut „Aktion Leben“ auch der Lebensschutz in der Verfassung verankert werden. Außerdem werden im Forderungskatalog eine weitere qualitative Verbesserung und ein Ausbau der Kinderbetreuungsplätze eingemahnt. Entscheidendes Kriterium müsse dabei die Wahlfreiheit zwischen inner- und außerfamiliärer Betreuung sein sowie die Leistbarkeit der Betreuungsplätze.

Schönborn: „Kinder bedeuten Zukunft“

Wie Kardinal Schönborn betonte, sei es „in diesem Land dringend geboten, eine ‚Lobby für Kinder‘ zu bieten“. Daher unterstütze die katholische Kirche nachdrücklich die Initiative der „Aktion Leben“. In diesem Zusammenhang erinnerte Kardinal Schönborn erneut an die vor mehr als 30 Jahren vom damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky versprochenen „flankierenden Maßnahmen“ zur Fristenregelung. Die jetzigen Forderungen seien auch als Erinnerung an diese politischen Zusagen von damals zu verstehen. Auszubauen seien insbesondere die Beratungsangebote und die Information über bestehende Angebote, so Kardinal Schönborn.

Ein besonderes Anliegen stelle in diesem Zusammenhang die Errichtung eines öffentlichen Hilfsfonds zur Unterstützung Schwangerer in Not nach dem Beispiel des 1973 von Kardinal Franz König eingerichteten Hilfsfonds der Erzdiözese Wien für Schwangere in Not dar. Kardinal Schönborn: „Es darf in einem reichen Land wie Österreich nicht sein, dass Frauen aus finanziellen oder wirtschaftlichen Gründen nicht ‚Ja‘ sagen können zu ihrem Kind.“

Bünker: „Blick aus der Perspektive der Kinder“

Die evangelische Kirche richte ihr besonderes Augenmerk auf den Ausbau der Unterstützung von Eltern, deren Kinder behindert sind, unterstrich Bischof Bünker. Hier liege es insbesondere an den Kirchen, immer wieder die Sensibilität für die Gleichheit an Würde politisch einzuklagen, so der Bischof. Die Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen, die es ermöglichen, auch Kindern mit Behinderung eine Zukunft zu bieten und ihre Familien stärker zu unterstützen.

Die evangelische Kirche unterstütze die Bürgerinitiative außerdem, weil sie „wie das Evangelium dazu auffordert, den Blick aus der Perspektive der Kinder einzuüben“, so Bünker. Weiters erinnerte der Bischof an den Schwerpunkt „Kinderfreundliche Kirche“, mit dem die evangelische Kirche vor zwei Jahren erste Schritte hin zu einer breiteren Öffnung der Kirche für Kinder und Jugendliche unternahm.

Kein Verständnis äußerte Bünker für die Diskussion um eine verpflichtende Beratung vor einem möglichen Schwangerschaftsabbruch, wie dies in Deutschland gesetzlich gefordert ist. Die österreichische Regelung entspreche dem „evangelischen Freiheitsverständnis“, indem sie die Freiheitsrechte der Frau wahre, so Bünker, „und das ist etwas, zu dem ich uneingeschränkt stehen kann“.

Staikos: Integration Jugendlicher

Metropolit Staikos betonte, dass auch die orthodoxe Kirche die Forderungen der Initiative „mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln“ unterstütze. Für eine christliche Kirche sei es „eine Pflicht und eine Selbstverständlichkeit“, sich auch politisch für den Lebensschutz starkzumachen und Schwangeren in Not zu helfen, so der Metropolit. Über die unmittelbaren Forderungen der Initiative hinaus lege die Orthodoxie ein besonderes Augenmerk auf die Frage der Integration, so Staikos. Ein Großteil der orthodoxen Kinder in Österreich entstamme Migrantenfamilien. Politik und Kirche seien gleichermaßen aufgefordert, die Integration dieser Kinder zu ermöglichen, „damit es ihnen leichter gemacht wird, hier eine Heimat zu finden“.

Schakfeh: Freiheit ist „Prinzip des Islam“

Präsident Schakfeh sagte, dass die Familie für den Islam eine „wichtige religiöse Institution“ darstelle und daher jede Initiative zu begrüßen sei, die sich um den Schutz des Lebens und der Familie bemühe. Aus Sicht des Islam sei eine Abtreibung mit medizinischer Indikation möglich, d.h. wenn die Gesundheit der Mutter unmittelbar durch die Schwangerschaft gefährdet ist. Man müsse jedoch auch die Entscheidung jener Frauen respektieren, die sich aus anderen Gründen zu einer Abtreibung entschließen. „Freiheit ist ein Prinzip des Islam, und wir müssen mit der Freiheit der Frau in dieser Frage leben“, so Schakfeh. Zwang dürfe es in dieser Frage unter keinen Umständen geben. Die Entscheidung und die Verantwortung vor Gott habe jede Frau selbst zu tragen. Schakfeh kündigte außerdem die Errichtung einer islamischen Frauenasylstätte an. Diese solle Frauen im Fall familiärer Schwierigkeiten Unterkunft gewähren.

Kronthaler: Beitrag zu Bewusstseinswandel

Die Bedeutung der Bürgerinitiative für einen politischen und gesellschaftlichen Bewusstseinswandel betonte die Generalsekretärin der „Aktion Leben“, Martina Kronthaler. Eine Diskussion über den „Stellenwert von Kindern in der Gesellschaft“ sei „mehr als überfällig“. Daher müsse die Initiative auch als „Signal an die Politik“ verstanden werden, so Kronthaler. Über die Anzahl der erwarteten Unterschriften wollte Kronthaler keine Spekulationen anstellen. Sie verwies jedoch auf andere erfolgreiche Initiativen der „Aktion Leben“ wie die Initiative „Für Menschenwürde und gegen Experimente mit dem Leben“ aus dem Jahr 2004, die von rund 64.000 Menschen unterzeichnet wurde. Eine solche Unterstützung wäre auch für die jetzige Initiative ein Erfolg, so Kronthaler.

Jüdische Gemeinde: Grußbotschaft

Bei der Unterzeichnung der Bürgerinitiative verlas Kronthaler außerdem eine Grußbotschaft von Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg. Darin betonte Eisenberg, dass die jüdische Gemeinde die Forderung nach einer stärkeren Bewerbung der Beratungsangebote unterstütze, von einer Unterzeichnung der Bürgerinitiative und aktiver politischer Einflussnahme jedoch Abstand nehme. Beratung sei begrüßenswert, schwangere Frauen dürften aber in keiner Weise unter Druck gesetzt werden, hieß es in der Botschaft.

Bürgerinitiative bis 30. Juni

Die parlamentarische Bürgerinitiative der „Aktion Leben“ läuft bis zum 30. Juni dieses Jahres. Im Herbst sollen die Unterschriften schließlich Nationalratspräsidentin Barbara Prammer übergeben werden. Unterschriftsberechtigt sind alle österreichischen Staatsbürger ab Vollendung des 19. Lebensjahres. (Info: www.aktionleben.at)

ISSN 2222-2464