Schrauf: „Pflege von Angehörigen darf kein Risiko sein“

"Pflege darf kein individuelles Risiko sein, sondern soll ähnlich wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit durch ein solidarisches Sozialnetz abgesichert werden", fordert die Rektorin des Diakoniewerks Christa Schrauf. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)
"Pflege darf kein individuelles Risiko sein, sondern soll ähnlich wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit durch ein solidarisches Sozialnetz abgesichert werden", fordert die Rektorin des Diakoniewerks Christa Schrauf. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)

Rektorin erinnert am Weltfrauentag an pflegende Frauen

Gallneukirchen (epdÖ) – Bessere Unterstützung für Frauen, die Angehörige meist über viele Jahre pflegen, fordert die Rektorin des Diakoniewerks, Christa Schrauf, anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März. „Zwei Drittel dieser oft schwierigen Aufgaben werden von Frauen geleistet, häufig bis zu zehn Jahre lang – dies im Ausmaß von mehreren Stunden am Tag. Frauen verzichten deshalb oft auf eigene berufliche Tätigkeit und Karriere beziehungsweise arbeiten Teilzeit und verlieren somit ausreichend Anspruch auf Pension. Pflege darf deshalb kein individuelles Risiko sein, sondern soll ähnlich wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit durch ein solidarisches Sozialnetz abgesichert werden“, so die Rektorin des Diakoniewerks. Die Gesellschaft erspare sich durch diese kostenlose Pflegearbeit der Frauen auch langfristig keine Kosten, denn wer für Pflege den Beruf aufgibt, laufe Gefahr, später selbst von sozialer Not betroffen zu werden, sagt Schrauf.

„Viele Frauen, die Pflegearbeit allein tragen, geraten oft früher in die Situation, selber Pflege und Betreuung in Anspruch nehmen zu müssen, weil sie mit der emotionalen Belastung allein gelassen werden und auch schwerste Pflegearbeit leisten, die professionelle Hilfe erfordern würde. Für manche besteht sicherlich auch die Gefahr der sozialen Isolation, da pflegenden Frauen häufig zu wenig Entlastungsangebote zur Verfügung stehen“, erklärt Schrauf. Und nicht zuletzt würden es Frauen im Laufe der Jahre oft nicht schaffen, genügend Pensionsbeitragszahlungen zu leisten. Resultat seien geringe Eigenpensionen, die nicht selten unter der Armutsgrenze liegen.

Die wichtigste Stütze des Sozialsystems in Österreich sind pflegende Familienangehörige. Statistisch gesehen ist jede vierte Familie in Österreich mit dem Thema Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit unmittelbar konfrontiert. Rund 450.000 Menschen in Österreich sind pflegebedürftig, auf Hilfe angewiesen oder können sich nicht selbst versorgen. Pflegende Angehörige erbringen den weitaus überwiegenden Anteil an Hilfs-, Betreuungs- und Pflegeleistungen. Rund 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Österreich werden zu Hause durch Angehörige gepflegt.

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ISSN 2222-2464