Schrauf: Konjunkturpaket für Pflege ist auch Konjunkturpaket für Frauen

Die Rektorin des Diakoniewerks Gallneukirchen plädiert für ein Frauenkonjunkturpaket, weil bisherige Maßnahmen vorwiegend auf Männerbranchen abzielten

Gallneukirchen (epd Ö) – „Trotz vieler Erfolge und obwohl die gesetzliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern verankert ist, gibt es noch immer viel zu tun auf dem Weg zu einer gelebten Gleichstellung“, hält die Rektorin des Diakoniewerks Gallneukirchen, Christa Schrauf, anlässlich des Weltfrauentages am 8. März fest. Durch die Wirtschaftskrise sei die ohnehin bestehende Einkommensschere zwischen Frauen und Männern noch weiter auseinander gegangen. Auch der kürzlich veröffentlichte Frauenbericht zeige etwa, dass Frauen bereits beim Berufseinstieg einen um 18 Prozent niedrigeren Stundenlohn haben als männliche Kollegen, kritisiert die Rektorin.

Zum Weltfrauentag hat Schrauf nun ein Konjunkturpaket für den Pflegebereich gefordert: „Die bisherigen Konjunkturpakete gingen zu Lasten der Frauen“, so die Rektorin, „weil überwiegend in Branchen investiert wurde, die von Männern dominiert sind – wie beispielsweise die Ankurbelung der Bauwirtschaft. Auch Steuererleichterungen bringen Frauen nichts, da sie immer noch über ein niedrigeres Einkommen verfügen als Männer.“ Ein Konjunkturpaket für die Pflege bringe hingegen Vorteile für Frauen, ist Schrauf überzeugt. Von mehr Jobs im Pflege- und Betreuungsbereich würden gerade Frauen profitieren, die derzeit den größten Anteil der Beschäftigungsplätze in diesem Sektor stellen. „Investitionen in den Pflegebereich sind Investitionen in unsere Zukunft – der Pflegebereich ist ein zukünftiger Jobmotor“, unterstreicht Schrauf und weist auf die demografische Entwicklung der nächsten Jahrzehnte hin. Sozialwirtschaft sei „mehr als Wirtschaft, sie ist eine Zukunftsbranche, weil ihre Leistungen unmittelbar der Gesellschaft dienen und zunehmend nachgefragt werden.“
Ein Konjunkturpaket für die Pflege würde auch Frauen entlasten, die in der familiären Pflege ihre Angehörigen betreuen. „Der überwiegende Teil der Betreuungsarbeit älterer Menschen wird zu Hause geleistet, und auch hier tragen die Frauen die Hauptlast – sie erbringen rund 80 Prozent dieser Arbeit“, weiß Schrauf. Für die Frauen stelle die häusliche Pflege oft eine einseitige Belastung dar: „Frauen bleiben damit ihren traditionellen Rollenmustern verhaftet und leisten Gratisarbeit, die ihnen keine soziale Absicherung bietet“, so Schrauf weiter.

Für das Diakoniewerk wünscht sich Schrauf „mehr Frauen in Führungspositionen und mehr Männer in der konkreten Betreuungsarbeit“. Im Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen, das an über 100 Standorten in Österreich für Menschen Pflege und Betreuung leistet, sind 78 Prozent der über 2900 Mitarbeitenden Frauen. „Frauen und Männer leisten im Diakoniewerk und im gesamten Sozial- und Gesundheitsbereich qualitätsvolle und professionelle Pflege- und Betreuungsarbeit, die für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist. Um die Situation zu verbessern, muss dieser Bereich endlich jene Wertschätzung bekommen, die er verdient“, fordert Schrauf.

ISSN 2222-2464