„Schöpfungstag“: Kirchen rufen zu nachhaltigem Lebensstil auf

Ökumenischer Gottesdienst in Wiener griechisch-orthodoxer Kathedrale

Wien (epd Ö) – In einem gemeinsamen Appell zum „Schöpfungstag“ haben die Kirchen in Österreich zu einem nachhaltigen Lebensstil aufgerufen. Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes am Montag in der griechisch-orthodoxen Kathedrale in Wien betonte der evangelisch-lutherische Altbischof und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Herwig Sturm, jeder Christ sei angehalten, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen und dies durch einen geänderten und bescheideneren Lebensstil zum Ausdruck zu bringen.

In Anwesenheit hochrangiger Vertreter von fünf christlichen Kirchen weihte der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura eine Schale Wasser nach dem orthodoxen Ritus und segnete alle Teilnehmenden am Gottesdienst. Im Rahmen der Feier wurde auch ein Text der Europäischen Ökumenischen Versammlung 2007 in Sibiu (EÖV3) verlesen, in dem der Zeitraum zwischen 1. September und 4. Oktober als „Zeit des Gebets für den Schutz der Schöpfung und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils“ empfohlen wird. Alle christlichen Kirchen sollten sich gegen die „schamlose Ausbeutung“ der Schöpfung Gottes einsetzen und sich dazu verpflichten, auf eine „Versöhnung zwischen Menschheit und Natur“ hinzuwirken, heißt es in dem Text.

Schülerinnen und Schüler des Wiener Musikgymnasiums in der Wiener Neustiftgasse lieferten im Rahmen des Gottesdienstes Denkanstöße zum Thema Schöpfungsverantwortung. Nachhaltigkeit verlange eine Änderung des gesamten Lebensstils, so die zentrale Botschaft. Anzustreben sei daher etwa eine Reduktion des täglichen Wasserverbrauchs, der in Österreich bei 122 Litern pro Kopf und Tag liege, und ein bewussterer Umgang mit Lebensmitteln. Man benötige beispielsweise rund 1.500 Liter Wasser für die Produktion von einem Kilo Weizen, für ein Kilo Rindfleisch sei die zehnfache Menge erforderlich. Damit könne ein Mensch bis zu acht Jahre lang leben, rechneten die SchülerInnen vor.

Auch im Tourismus-Bereich forderten sie ein Umdenken: Für die Begrünung eines Golfplatzes in der Mittelmeerregion sei eine Million Kubikmeter Wasser pro Jahr nötig. Österreichs bisher 147 Golfplätze seien vor dem Hintergrund der Tatsache zu sehen, dass weltweit 1,1 Milliarden Menschen über kein sauberes Trinkwasser verfügen. Cholera und Säuglingsdurchfall – Krankheiten infolge verunreinigten Wassers – würden jährlich über fünf Millionen Menschenleben fordern, zeigten die SchülerInnen auf.

Die Jugendlichen hatten sich im vergangenen Schuljahr intensiv mit dem Thema Trinkwasser beschäftigt und damit zur Anerkennung ihrer Schule als „Pilgrim-Schule“ beigetragen. Mit dem „Pilgrim“-Zertifikat wurden bisher 80 Schulen in ganz Österreich ausgezeichnet, die im Unterricht Schwerpunkte auf Ökologie und nachhaltige Entwicklung setzen und das Anliegen der Bewahrung und Erhaltung der Schöpfung verfolgen.

ISSN 2222-2464