Schiefermair warnt vor Zunahme esoterischer Praktiken im Unterricht

Für Ethikunterricht ab der 9. Schulstufe

Wien (epd Ö) – Für die Einführung eines verpflichtenden Ethikunterrichts als Alternative zum Religionsunterricht ist der lutherische Oberkirchenrat Karl Schiefermair eingetreten. Wie das für den Religionsunterricht zuständige Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirchenleitung beim traditionellen Medienheurigen der evangelischen Kirchen Österreichs am 13. Oktober in Wien erklärte, sollte der Ethikunterricht ab der 9. Schulstufe eingerichtet werden. Der Ethikunterricht trage dazu bei, dass auch Jugendliche, die nicht den Religionsunterricht besuchen, in ethischen Fragen „kommunikationsfähig“ bleiben.

Schiefermair kritisierte auch eine „Zunahme der Esoterik“ insbesondere in den österreichischen Volksschulen. So würden von Unterrichtenden Praktiken wie Yoga in den Unterricht eingeführt ohne dass ihr religiöser Hintergrund bewusst gemacht werde. „Hier ist die Neutralität des Staates herausgefordert“, sagte der Oberkirchenrat.

Bünker: Evangelische Kirchen auf Seiten der MigrantInnen

An die Problematik des Bleiberechts erinnerte der lutherische Bischof Michael Bünker. Bünker betonte, aus historischen wie theologischen Gründen stünden die evangelischen Kirchen grundsätzlich auf der Seite der MigrantInnen. In letzter Zeit habe sich dies auf die Frage des Bleiberechts fokussiert. Bünker berichtete vom „Sesselmeer“ am Ballhausplatz anlässlich des „Tages des Bleiberechts“, an dem er und der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld auf einer mitgebrachten Kirchenbank teilgenommen hatten.

Reiner: Grenzübergreifende Strategien gegen Frauenhandel

Über die Arbeit des Zentralausschusses der Konferenz Europäischer Kirchen informierte Oberkirchenrätin Hannelore Reiner. Auch hier sei das Problem der Migration ein Schwerpunkt, insbesondere die Bekämpfung des Frauenhandels auf Zypern. Hier gelte es auch für die Kirchen Österreichs, eine europäische Verantwortung wahrzunehmen. Grenzübergreifende Strategien würden derzeit von den Kirchen erarbeitet.

Hennefeld: Calvin-Jahr 2009 soll Bedeutung des Reformators unterstreichen

„Wir wollen der Welt mitteilen, welche Bedeutung Johannes Calvin für die Gegenwart hat, wenn wir das Calvin-Jahr im nächsten Jahr feiern“, sagte der Landessuperintendent der Evangelisch-Reformierten Kirche in Österreich, Thomas Hennefeld vor den MedienvertreterInnen. Calvin, dessen Geburtstag sich 2009 zum fünfhundertsten Mal jährt, sei nicht „der Vater des Kapitalismus, sondern wäre heute für einen verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung und ein Gegner von Kapitalismus und Neoliberalismus“. Das Calvin-Jahr wird sowohl auf landeskirchlicher Ebene als auch auf regionaler Ebene begangen, so wird sich etwa die Evangelische Woche im März nächsten Jahres mit Calvin befassen.

Pöll: Dialog mit dem Judentum ohne Vereinnahmung

Es habe viele „gelungene Veranstaltungen“ gegeben zum heurigen Jahresthema der Evangelischen Kirche „Auf dem Weg der Umkehr – Jahr der Standortbestimmung zum evangelisch-jüdischen Verhältnis in Österreich“, sagte der evangelisch-methodistische Superintendent Lothar Pöll. Beispielhaft nannte Pöll die PfarrerInnentagung Ende August in Mörbisch. Pöll selbst sind in diesem Zusammenhang vier Aspekte wichtig: „Es geht darum, die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes wachzuhalten, ebenso jeden Antisemitismus und alle Vorurteile abzuwehren.“ Immer sei auch zu verdeutlichen, dass das Judentum „die Wurzel ist, die die Kirche Jesu Christi trägt“. Schließlich sei „der Dialog mit dem Judentum zu pflegen, ohne es zu vereinnahmen“.

ISSN 2222-2464