Schiefermair lobt Integrationskraft des Religionsunterrichts

Der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair spricht sich für einen verpflichtenden Ethikunterricht für SchülerInnen aus, die vom Religionsunterricht abgemeldet sind (Foto: epd/M. Uschmann)
Der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair spricht sich für einen verpflichtenden Ethikunterricht für SchülerInnen aus, die vom Religionsunterricht abgemeldet sind (Foto: epd/M. Uschmann)

Ethikunterricht für SchülerInnen ohne Religionsunterricht gewünscht

Wien (epdÖ) – Die Integrationskraft des Religionsunterrichts an österreichischen Schulen lobte der für den evangelischen Religionsunterricht zuständige Oberkirchenrat Karl Schiefermair im „Ö1 Journal-Panorama“ zum Thema „Ethikunterricht für alle?“ am 7. März. Gleichzeitig plädierte er für einen verpflichtenden und flächendeckenden Ethikunterricht für jene Schülerinnen und Schüler, die sich vom Religionsunterricht abmelden.

Schiefermair bewundert den islamischen Religionsunterricht und seine Integrationskraft. So würden etwa Kinder mit türkischer Muttersprache im Religionsunterricht lernen, über ihren Glauben in deutscher Sprache Auskunft zu geben. „Das ringt mir Bewunderung ab, und das möchte ich als österreichischer Staatsbürger auch nicht missen“, so Schiefermair auf Ö1. In einem verpflichtenden Ethikunterricht wären diese Schülerinnen und Schüler in der Minderheit, sie würden untergehen. „Ich glaube nicht, dass der Ethikunterricht dieselbe Integrationskraft hat wie der Religionsunterricht“, ist der Oberkirchenrat überzeugt. Von daher spricht sich Schiefermair klar gegen einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle Kinder und Jugendlichen und gegen eine Schwächung des Religionsunterrichts an den Schulen aus.

„Einen Ethikunterricht, der die Bedeutung des Religionsunterrichts untergraben oder als Ersatz für den Religionsunterricht gesehen würde, halte ich nicht für zielführend“, sagte Zekirija Sejdini, Schulamtsleiter für Islamischen Religionsunterricht der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Damit würde man den Religionsunterricht schwächen. Dabei sei es Tradition in Österreich, dass der Religionsunterricht auch Ethik vermittle. „Etwas, was schon vorhanden ist, mit etwas Experimentellem zu tauschen, finde ich nicht produktiv“, meinte Sejdini zu dem Vorschlag eines verpflichtenden Ethikunterrichts für alle anstelle des Religionsunterrichts.

Christine Mann, Leiterin des Interdiözesanen Amtes für Unterricht und Erziehung in der römisch-katholischen Erzdiözese Wien, ist ebenfalls für die Beibehaltung des Religionsunterrichts: „Der Religionsunterricht hält den Himmel offen über den Schülern“. Kritiker hätten oft ein falsches und veraltetes Bild vom Religionsunterricht, argumentierte Mann gegenüber Ö1. Allerdings wünsche auch sie sich einen flächendeckenden Ethikunterricht für Schülerinnen und Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen.

Das „Ö1 Journal-Panorama“ zum Thema „Ethikunterricht für alle?“ kann noch bis zum 14. März 2012 hier nachgehört werden.

ISSN 2222-2464