Schiefermair fordert Kennzeichnung des Atomstroms

„Ausstieg aus Atomtechnologie einzig verantwortbarer Weg“ – Ökostrompool nutzen

Wien (epd Ö) – Für eine eindeutige Kennzeichnung des verkauften Stroms hat sich der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair ausgesprochen. Hier sei dringend die Politik gefordert, „damit Deckmäntel der Kennzeichnung ausgeschlossen werden“, erklärt das Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirchenleitung im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Darüber hinaus brauche es „deutliche Schritte zur Senkung des Stromverbrauchs“, meint der Oberkirchenrat, der hier an die Forderungen der evangelischen und katholischen Umweltbeauftragten erinnert. Diese hatten u.a. für Kostenwahrheit bei den Energiepreisen plädiert. Gefordert wird auch eine „transparente“ Reform des Euratom-Forschungsprogramms, das im Herbst im EU-Forschungsministerrat beschlossen werden soll. So soll es nach den Vorstellungen der Kirchen zusätzlich die effiziente Nutzung erneuerbarer Energieträger beinhalten.

Durch die Katastrophe in Japan seien, so der Oberkirchenrat, „die Grenzen technischer Machbarkeit wieder sichtbar“ geworden. Es zeige sich, dass der Mensch die Energiegewinnung mittels Atomkraftwerken nicht beherrschen könne. Hilfreich könne nur der Verzicht darauf sein, „alles andere führt zu unüberschaubaren und irreversiblen Folgeschäden“. Verschärft werde die Situation durch die ungelöste Frage der jahrtausendelangen Aufbewahrung des Atommülls. Einzig verantwortbarer Weg könne nur der Ausstieg aus der Atomtechnologie sein, ist der Oberkirchenrat überzeugt. Weil österreichische Energielieferanten beträchtliche Mengen an Atomstrom importieren, genüge es nicht, im eigenen Land kein Atomkraftwerk zu haben.

Der Oberkirchenrat appelliert daher an die evangelischen Pfarrgemeinden, Einrichtungen und Privathaushalte, vom jeweiligen Stromanbieter atomstromfreien Strom zu verlangen. Schiefermair weist in diesem Zusammenhang auf den neuen „Ökostrompool“ der evangelischen Kirche hin, der zertifizierten Ökostrom garantiere. „So wird ausschließlich ein Anbieter bezahlt, der sauberen Strom ohne CO2 und Atom herstellt“, unterstreicht der Oberkirchenrat. Angesichts der Verantwortung gegenüber der Schöpfung sollten im eigenen Bereich Wege gesucht werden, den Stromverbrauch zu senken. Hohes Einsparungspotential sieht Schiefermair auch bei kirchlichen Gebäuden. Die evangelische Kirche habe hier etwa ausgehend von der Modelldiözese Kärnten mit einem eigenen Energiebilanz-Projekt, Energieausweisen für kirchliche Gebäude und einer umfassenden Zusammenarbeit mit Energieberatungsstellen wichtige erste Schritte gesetzt.

ISSN 2222-2464