Scharfe Kritik an Abschiebung von Gambier trotz Kirchenasyl

Bischof Bünker überlegt stärkere Schutzmaßnahmen für AsylantInnen.
Bischof Bünker überlegt stärkere Schutzmaßnahmen für AsylantInnen.

Bünker: Werden Schutzmaßnahmen verstärken

Wien (epdÖ) – Scharfe Kritik an der Abschiebung des gut integrierten Gambiers Jamin Laiteh aus Hall in Tirol kommt vom evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker. Die evangelische Kirche hatte ihm in der Superintendentur in Innsbruck Kirchenasyl angeboten. Im ORF-Fernsehen sagte Bischof Bünker am Freitag, 27. Mai, er könne sich nicht erinnern, dass das Kirchenasyl jemals missachtet worden sei, zumal es sehr selten ausgesprochen werde. Dass das Kirchenasyl nicht geachtet werde und es auch von den Behörden kein Gespräch gegeben habe, sei „ein Umgang mit der Kirche, den wir sicherlich so nicht hinnehmen wollen“. Künftig werde man stärkere Schutzmaßnahmen überlegen müssen. Unter der Verstärkung der Schutzmaßnahmen versteht der Bischof, „dass man den Raum des Kirchenasyls deutlich definiert, dass man den Schutzcharakter noch sichtbarer macht und ihn somit mehr zum Ausdruck bringt“. Der Gambier sei sehr pflichtbewusst mit dem Asyl umgegangen, um ja nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, so der Bischof weiter. Das hatte letztlich die Festnahme bei seiner vorschriftsmäßigen Meldung erleichtert.

Anfang Mai war dem jungen Afrikaner, der 2007 als minderjähriger Flüchtling nach Österreich gekommen war, von der Evangelischen Kirche Salzburg-Tirol durch Superintendentin Luise Müller Asyl gewährt worden. Gegen seine drohende Abschiebung hatten zuvor rund 200 Menschenrechtsaktivisten vor der Polizeiinspektion Hall demonstriert.

Als „menschlich unvertretbar“ hat auch Valentin Lein von der Evangelischen Jugend Wien die Abschiebung des „bestens integrierten“ jungen Gambiers verurteilt. Er hatte Deutsch gelernt, eine Zusage für einen Arbeitsplatz, zahlreiche Freunde hatten sich in Briefen für ihn eingesetzt.

ISSN 2222-2464