Sauer: „Mithelfen, dass Bildung für alle leistbar bleibt“

Kärntner Pressegespräch zum Jahr der Bildung: Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger, Bischof Michael Bünker, Superintendent Manfred Sauer, Superintendentialkuratorin Helli Thelesklaf, Rektor Hubert Stotter, Museum Fresach-Geschäftsführerin Hilde Schaumberger, Akademie-Leiter Martin Müller und Bildungswerk-Obfrau Renate Sauer (v.l.). Foto: epd/Uschmann
Kärntner Pressegespräch zum Jahr der Bildung: Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger, Bischof Michael Bünker, Superintendent Manfred Sauer, Superintendentialkuratorin Helli Thelesklaf, Rektor Hubert Stotter, Museum Fresach-Geschäftsführerin Hilde Schaumberger, Akademie-Leiter Martin Müller und Bildungswerk-Obfrau Renate Sauer (v.l.). Foto: epd/Uschmann

Kärnten bietet vielfältige Angebote im Jahr der Bildung

Klagenfurt (epdÖ) – „Um Bildung wird politisch schon seit längerem heftig gerungen und das Thema wird kontrovers diskutiert, allerdings ist der große Wurf noch nicht gelungen. Als Evangelische Kirche wollen wir deshalb aktiv mithelfen, dass Bildung für alle zugänglich und leistbar bleibt“, sagte der evangelische Superintendent der Diözese  Kärnten und Osttirol Manfred Sauer bei einem Pressegespräch am 6. Februar in Klagenfurt anlässlich des evangelischen Schwerpunktjahres der Bildung 2015. „Bildung ist dazu da, eigene Begabungen zu erkennen, Herzensbildung zu fördern und gemeinsam darum zu ringen, ein Miteinander in größtmöglicher Freiheit einzuüben; Ängste, Vorurteile und Feindbilder abzubauen, Solidarität zu wagen“, betont Sauer. Speziell die Erwachsenenbildung spiele in der Diözese Kärnten eine wichtige Rolle. Besondere Schwerpunkte im Jahr der Bildung seien beispielsweise Sonderausstellungen im Museum in Fresach, wie etwa die Schau „Stimmkraft. Kirchenlieder schreiben Geschichte“.

„Nach evangelischem Verständnis gehören Bildung und Glaube zusammen. Ein gebildeter Glaube ist auch eher vor Fundamentalismus gefeit“, erklärte Bischof Michael Bünker. Das von den evangelischen Kirchen in Österreich ausgerufene Jahr der Bildung möchte deshalb diesen wichtigen Aspekt des Evangelisch-Seins in den Vordergrund rücken und innerkirchliche sowie gesellschaftspolitische Impulse aussenden. Der Bischof sprach sich dabei für ein Bildungssystem aus, in dem Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit und Inklusion gewährleistet werden. „Der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen darf nicht vom Einkommen der Eltern abhängen. Darüber hinaus müssen auch Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien in der Schule reüssieren können“, fordert Bünker. Gerade in diesem Bereich gebe seitens der Politik dringenden Handlungsbedarf.

„Der Bildungsbereich innerhalb der Diakonie de La Tour ist einer der traditionellsten diakonischen Arbeitsbereiche“, erinnert Rektor Hubert Stotter. Vor 140 Jahren eröffnete Gräfin Elvine de La Tour die erste evangelische Volksschule. Heute betreibt die Diakonie de La Tour in Kärnten und der Steiermark 18 evangelische Bildungseinrichtungen (Kleinkindgruppen, Kindergärten, Schulen). Insgesamt werden über 1000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf ihrem Weg begleitet. In Kärnten sei die Diakonie de La Tour die größte private Betreiberin reformpädagogischer Schulen. Inklusion, Erwachsenenbildung und Reformpädagogik stellen dabei die Schwerpunkte der Arbeit dar. „Bildung ist das Nachhaltigste, das man Kindern auf ihren Lebensweg mitgeben kann. Durch ihren ganzheitlichen Ansatz haben evangelische Schulen schon immer den Anspruch, nicht nur Orte der Kompetenzentwicklung zu sein. Unsere Einrichtungen sind immer auch Orte bewusst gestalteten sozialen Lernens und Orte christlichen Selbstverständnisses und Lebens“, bringt es Stotter auf den Punkt.

Die Verbindung Geschichte, Gegenwart und Zukunft präge das Evangelische Museum und Kulturzentrum in Fresach, sagte die Geschäftsführerin des Museums, Hilde Schaumberger. Statt „Sammeln und Bewahren“ gehe es um „Forschen und Vermitteln, und das mit einem gesellschaftlichen Anspruch und einer gesellschaftspolitischen Aussage“. Das zeichne auch die neue Ausstellung „Stimmkraft“ aus, mit der man verstärkt Kinder und Jugendliche ansprechen wolle. In die Gesellschaft hineinwirken wolle man mit den „Europäischen Toleranzgesprächen“, die vom 22. bis 23. Mai erstmals stattfinden.

Dass Bildung anregend, aufbauend und orientierend sein kann, würden die Theologischen Kurse der Evangelischen Akademie Kärnten zeigen, unterstrich Pfarrer Martin Müller, Leiter der Evangelischen Akademie Kärnten. „Die Kunst, Gott zu feiern“, ist der Titel eines neuen Kurses, der das seit Jahren erfolgreiche Programm nun im Bereich der Liturgie erweitert. Ebenfalls neu ist der Workshop „Die Sehnsucht nach Gott auf der Spur. Meine spirituelle Biografie“. Müller: „In dieser leidenschaftlichen Bildungsarbeit bewegt sich die Evangelische Akademie Kärnten und weiß sich verbunden mit dem protestantischen Erbe, das sich schon im 16. Jahrhundert durch das befruchtende Miteinander von Weisheit und Frömmigkeit (sapientia und pietatis) gestaltet hat.“ Die Akademie verstehe sich als „Kompetenzwerkstatt“, Impulsgeber und Forum.

Eine spezielle Förderung für Bildungsangebote in den Pfarrgemeinden stellte Pfarrerin Renate Sauer, Obfrau des Evangelischen Bildungswerks Kärnten, vor: „Das Evangelische Bildungswerk Kärnten und Osttirol will die Aktivitäten der lokalen Bildungswerke in den Gemeinden im heurigen Jahr der Bildung mit einem Bildungsscheck beflügeln. Wir bieten den Gemeinden einen Anreiz von 500 Euro, um ihre Vorhaben leichter in die Tat umsetzen zu können.“

Für Superintendentialkuratorin Helli Thelesklaf soll Bildung „Lust auf Lernen machen und die Kompetenzen vermitteln, die notwendig sind, Bildungs- und Lernmotivation über die ganze Lebensspanne zu realisieren“. Auf den Zusammenhang zwischen Glaube und Bildung wies auch der Präsident des Landesschulrates Kärnten Rudolf Altersberger hin. Martin Luther sei für ihn der „erste Lesemotivator“, der kompetenzorientiertes Lesen ermöglicht habe. Durch die Dynamik und Innovation einer „immer enger zusammenrückenden, globalisierten und digitalisierten Wissensgesellschaft“ brauche es ein „gutes Fundament“ und darauf aufbauend soziale, emotionale Intelligenz und Kompetenz, Werte und Haltungen. Altersberger: „Kurz und gut: eine sinngebende Lebensgestaltung. Dazu helfen Glaube und Bildung.“

Zwischen dem Jahr 2013, das schwerpunktmäßig dem Thema Diakonie gewidmet war, und dem Jahr 2017, in dem das 500. Jubiläum der Reformation gefeiert wird, haben die Evangelische Kirche A.B., die Evangelische Kirche H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich das Jahr 2015 zum Schwerpunktjahr Bildung erkoren. Zahlreiche thematische Veranstaltungen und Initiativen werden die kommenden Monate prägen. Informationen dazu www.bildungundreformation.at

ISSN 2222-2464