Sauer: „Karfreitag ist Einladung, über brutale Gewalt nachzudenken“

„Der Karfreitag ist eine Einladung, den Alltag zu durchbrechen, still zu werden und über Leiden und Sterben und damit auch über unsere Vergänglichkeit, über unsere Ohnmacht, über Willkür und brutale Gewalt in unserer Welt nachzudenken“, sagte Superintendent Manfred Sauer im TV-Gottesdienst aus Feffernitz. Foto: epd/Uschmann
„Der Karfreitag ist eine Einladung, den Alltag zu durchbrechen, still zu werden und über Leiden und Sterben und damit auch über unsere Vergänglichkeit, über unsere Ohnmacht, über Willkür und brutale Gewalt in unserer Welt nachzudenken“, sagte Superintendent Manfred Sauer im TV-Gottesdienst aus Feffernitz. Foto: epd/Uschmann

TV-Gottesdienst aus Feffernitz in Kärnten

Feffernitz (epdÖ) – Die Bedeutung des Karfreitags als Tag der Stille und der Reflexion auf Leiden und Sterben hat der Kärntner evangelische Superintendent Manfred Sauer in seiner Predigt zum Karfreitags-TV-Gottesdienst aus Feffernitz hervorgehoben. „Er ist eine Einladung, an diesem besonderen Tag den Alltag zu durchbrechen, still zu werden und über Leiden und Sterben und damit auch über unsere Vergänglichkeit, über unsere Ohnmacht, über Willkür und brutale Gewalt in unserer Welt nachzudenken“, sagte Sauer. Die monatelang geführte politische und juristische Debatte um den Tag hätte zumindest eines bewirkt: „Viele Menschen haben über die Bedeutung dieses Tages wieder nachgedacht, vielleicht auch ganz neu nachgedacht.“ Ende Februar war der Karfreitag als Feiertag für Evangelische und Altkatholiken abgeschafft und durch einen frei wählbaren „persönlichen Feiertag“ für alle, der allerdings aus dem Urlaubskontingent genommen werden muss, ersetzt worden. Zahlreiche Stimmen aus der Evangelischen Kirche waren laut geworden, die die zentrale Stellung des Karfreitags für Christinnen und Christen, besonders für Evangelische, betont hatten.

In seiner Predigt erinnerte Sauer auch an den im März bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Kärntner Pfarrer Norman Tendis. Dessen Frau hatte wenige Tage später in einem offenen Brief die Bundesregierung aufgefordert, die Entscheidung über den Karfreitag noch einmal zu überdenken. Die Menschen brauchten diesen stillen Karfreitag, so Sauer, wo sie freigespielt seien, um das „sinnlose Sterben vieler Unschuldiger“ bedenken zu können. An einem solchen Tag könnten sie versuchen zu ergründen, wie wir „mit Leiden und Sterben umgehen“ können.

Jesus habe durch sein Beispiel ein Leben gezeigt, „das sich nicht nur um sich selber dreht, sondern solidarisch ist, auf andere zugeht, sich der Schwachen annimmt. Er hat die Würde jedes einzelnen Menschen in die Mitte gestellt.“ Das Kreuz sei daher zum wichtigsten Zeichen des christlichen Glaubens geworden: „Gott ist gegenwärtig. Er geht mit uns durch dick und dünn. Er tröstet, er richtet uns auf und belebt uns neu.“

Den TV-Gottesdienst können Sie ein Jahr lang unter https://religion.orf.at abrufen.

Das ORF-Religionsmagazin „Orientierung“ war am Karfreitag in evangelischen Pfarrgemeinden unterwegs und hat sich dort umgehört. Ein Jahr abrufbar unter https://religion.orf.at

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ISSN 2222-2464