Salzburg: Erster gemeinsamer Hirtenbrief

Im ersten gemeinsamen Hirtenbrief von Superintendent Dantine (links) und Erzbischof Lackner (rechts, mit Bischof Michael Bünker in der Bildmitte) hebt der Salzburger Superintendent die Bibel als Grundlage des Glaubens hervor. Foto: epd/M. Uschmann
Im ersten gemeinsamen Hirtenbrief von Superintendent Dantine (links) und Erzbischof Lackner (rechts, mit Bischof Michael Bünker in der Bildmitte) hebt der Salzburger Superintendent die Bibel als Grundlage des Glaubens hervor. Foto: epd/M. Uschmann

Erzbischof Lackner und Superintendent Dantine wenden sich an Pfarrgemeinden

Salzburg (epdÖ) – Der Salzburger römisch-katholische Erzbischof Franz Lackner und der evangelische Superintendent Olivier Dantine haben anlässlich des Reformationsjubiläums erstmals einen gemeinsamen Hirtenbrief verfasst. Am kommenden Sonntag, 5. März, wird er bei den Gottesdiensten in allen katholischen und evangelischen Pfarrgemeinden der Erzdiözese Salzburg und der Superintendenz Salzburg-Tirol verlesen.

Superintendent Dantine unterstreicht darin die immer wieder notwendige Auseinandersetzung mit der biblischen Überlieferung und das „Miteinander-Ringen um das Verständnis biblischer Texte“. Schließlich sei die Heilige Schrift Grundlage und Bezugspunkt des Glaubens und binde „alle christlichen Kirchen an ihre Anfänge und ihre Wurzeln im Volk Israel“. Der Superintendent verweist dazu auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962–65): Auch hier sei die Bedeutung der Bibel für den Glauben betont worden. Dies könne man trotz bestehender Differenzen durchaus als „Annäherung an das Verständnis der Bibel in den Kirchen der Reformation“ deuten.

Ein besonderes Naheverhältnis zur Bibel sei das Hauptmerkmal der Evangelischen Kirchen, schreibt Dantine weiter. Das Wort Gottes bestimme die persönliche Frömmigkeit ebenso wie auch das kirchliche Leben, theologische Debatten oder die Ausrichtung evangelischer Gottesdienste. Um bei der Schriftauslegung auch ohne verbindliche Entscheidung durch eine letzte Autorität dafür der „Gefahr der Beliebigkeit“ zu entgehen, habe bereits Martin Luther die Suche nach dem, „was Christum treibet“, gefordert: Die Gemeinden, die für die Auslegung selbst verantwortlich sind, müssten immer um das Verständnis der Bibeltexte ringen und dabei darauf achten, dass nichts im klaren Widerspruch zum Wirken und Reden Jesu stehe, so der Superintendent.

Die aktuellen Ängste und Nöte in Westeuropa sind nach den Worten des Salzburger Erzbischofs Franz Lackner für Christen ein „Ernstfall des Glaubens“. Wenn der Terror von heute vorgebe, eine religiöse Wurzel zu besitzen, so sei als Antwort darauf nicht nur die Nächstenliebe, sondern auch „das ureigenste Glaubensverständnis“ gefordert, heißt es in dem Fastenhirtenbrief.

Die Gläubigen wie auch „der Glaube selbst“ stünden angesichts der aktuellen Geschehnisse auf dem Prüfstand, erklärt der Salzburger Erzbischof. Wichtig sei es, im Glauben ebenso wie im Leben die Hoffnung als „bleibende Grundstimmung“ zu bewahren und auch in der Ökumene die Prioritäten neu zu setzen. Statt mühsam um gerechtfertigten Konsens zu ringen, gelte es nun vielmehr, ein „glaubhaftes Zeugnis der Einheit stiftenden Kraft des Glaubens“ zu geben und der „Einheit in und mit Jesus Christus“ alles andere unterzuordnen. Lackner: „Die Geschichte wird einmal beurteilen, ob das im Kern christliche Abendland diese Herausforderung bestanden hat.“

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ISSN 2222-2464