Rohrbombenopfer-Gedenken: Iby und Koch rufen zu Miteinander auf

In einer Gedenkfeier wurde der vier Oberwarter Roma gedacht, die vor 15 Jahren durch einen Bombenanschlag starben

Oberwart (epd Ö) – An die Verantwortung jedes einzelnen Menschen, in seiner Umgebung den Wert des Lebens hochzuhalten, hat der Eisenstädter römisch-katholische Bischof Paul Iby am Donnerstagabend, 4. Februar, bei der Gedenkfeier für die Opfer des Rohrbombenattentats in Oberwart vor 15 Jahren erinnert. „Auf uns selbst kommt es an, ob es ein Leben miteinander oder nebeneinander oder vielleicht sogar gegeneinander ist“, sagte Iby im Rahmen des Gedenkens, das an jenem Ort in der Nähe der Roma-Siedlung „Am Anger“ stattfand, an dem 1995 vier Roma getötet worden waren. Es gebe auch heute noch viele burgenländische Gemeinden, in denen einst Roma oder Juden vertrieben wurden, in denen aber noch immer Gedenktafeln fehlen. Iby: „Das zu ändern, wird heuer ein Schwerpunkt.“ Der evangelische Superintendent Manfred Koch, der gemeinsam mit Iby ein ökumenisches Gebet sprach, mahnte: „Toleranz heißt Verantwortung dem Nächsten, dem Schwachen gegenüber.“

Der Vorsitzende des Volksgruppenbeirats der Roma, Prof. Rudolf Sarközi, erinnerte in seiner Gedenkrede, dass Auschwitz-Überlebende 50 Jahre später miterleben mussten, wie ihre Enkel aus rassistischen Gründen ermordet wurden. Verteidigungsminister Norbert Darabos betonte, dass es noch heute Politiker in hohen Ämtern gebe, die den Nationalsozialismus verharmlosen würden. Bundespräsident Heinz Fischer wandte sich per Grußbotschaft an die rund 200 Trauergäste und sprach von einem „barbarischen Akt“. Den Schlusspunkt der Gedenkfeier bildete ein „Vaterunser“ in Romanes.

ISSN 2222-2464