Robert Streibel: Denkmäler allein sind nicht genug

PfarrerInnentagung: Erinnerungsarbeit, Lokalheilige und die Situation im Nahen Osten

Mörbisch (epd Ö) – „Es geht nicht um Denkmäler, sondern um das Verändern von Einstellungen“, sagte Dr. Robert Streibel in seinem Vortrag „Gedenken gestalten – aber wie?“ bei der PfarrerInnentagung am 26. August in Mörbisch. So sei bei der Erinnerungsarbeit nicht das Denkmal wichtig, „sondern der Prozess vorher, die Widerstände, die überwunden wurden, die Partner, die gefunden wurden, und die Skeptiker, die es zu überzeugen galt“. Gleichwohl seien Denkmäler wie „Fenster, durch die wir in die Vergangenheit blicken, um von da hin in die Zukunft zu blicken“. Es gebe aber blinde und zu viele Fenster, durch die keiner mehr blicke. „Die Erinnerungsarbeit muss für den Alltag geschehen, wo das Fenster immer geöffnet werden kann. Die Orte des Erinnerns sind nicht Denkmäler, sondern Menschen“, so der Direktor der Volkshochschule Wien-Hietzing.

„Wir können hinter die Staatsgründung Israels aufgrund des UNO-Beschlusses von 1948 nicht zurück. Deshalb ist eine grundsätzliche Bejahung des Staates Israel notwendig“, sagte der Präsident des Koordinierungsausschusses für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und ehemalige methodistische Superintendent Helmut Nausner in der Arbeitsgruppe „Die Christen und die Juden“ am Nachmittag des 26. August. Selbstverständlich sei Kritik an der Regierung Israels möglich, diese Kritik aber solle immer die „grundsätzliche Bejahung Israels voraussetzen und nicht einem versteckten Antijudaismus Raum geben“.

Es habe von Anfang an eine Verdrängung der in der Region lebenden Bevölkerung gegeben, betonte Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld in seinem Statement. „Wir als Christen müssen einem universalen Anspruch genügen und daher auch etwa die palästinensische Bevölkerung im Blick haben.“ So dürfe man „keinesfalls“ von einem „Staat der Juden“ sprechen, „denn in Israel leben auch Christen oder Moslems“. Hennefeld, der sich seit mehr als 25 Jahren mit der Problematik im Nahen Osten beschäftigt und mehrfach in der Region war: „Es ist die Frage, warum wir uns eigentlich so intensiv mit diesem Thema beschäftigen. Ich glaube, es liegt daran, dass das Judentum zu unserer Geschichte gehört und dass es eine indirekte Schuld gibt, denn die Juden konnten in Österreich und Deutschland nicht leben.“ Israels Berufung ist von Gott nicht widerrufen worden, „damit müssen wir uns auseinandersetzen“, so Nausner. „Wir wollen hier klären: Eine positive Bejahung des Staates Israel ist notwendig, auch um dem Eindruck zu begegnen, dass immer häufiger gesagt wurde, dass es diesen Staat nicht geben soll.“ Hennefeld: „Was derzeit geschieht, läuft auf eine Marginalisierung der palästinensischen Bevölkerung hinaus. Das dürfen wir nicht verschweigen.“ Es gebe aber nur eine Zukunft in der Region, wenn es gelinge, einen tragfähigen Frieden zu errichten. Vielleicht gebe es einmal einen gemeinsamen Staat, „derzeit aber sicher nicht“.

Weitere Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit dem „Umgang mit Lokalheiligen“, anderen Formen des Erinnerns oder der Wiener „Seegasse“, die seit 1922 ein Ort des Dialogs zwischen Christen und Juden war.

ISSN 2222-2464