Robert Kauer verstorben

Robert Kauer bei der Verleihung des Berufstitels "Professor" im Jahr 2012. Foto: BMUKK
Robert Kauer bei der Verleihung des Berufstitels "Professor" im Jahr 2012. Foto: BMUKK

„Lebte die Stärken der Evangelischen Kirche“ – Bischof Bünker würdigt früheren juristischen Oberkirchenrat und langjährigen ÖVP-Politiker

Wien-Hollabrunn (epdÖ) Der ehemalige juristische Oberkirchenrat der evangelisch-lutherischen Kirche und langjährige Wiener ÖVP-Politiker Robert Kauer ist am Freitag, 4. Jänner, in Niederösterreich im 84. Lebensjahr verstorben. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 17. Jänner, um 14.00 Uhr auf dem Evangelischen Friedhof in Simmering statt.

„Robert Kauer lebte die Stärken der Evangelischen Kirche in Österreich in seiner Person“, betont der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Kauer war ein „leidenschaftlicher Pfarrer“, der Konflikt um die „Berndorfer Trauung“ und ihre Folgen, wie etwa die Gründung der „Aktion 450“ und der „Salzburger Gruppe“, prägten, so Bünker, „den Weg unserer Kirche für Jahrzehnte“. „Ebenso leidenschaftlich“ war Robert Kauer als Ehrenamtlicher in der Kirche tätig, zuletzt als juristischer Oberkirchenrat. Dabei habe sich Kauer immer für die Ehrenamtlichen eingesetzt. Beides – kompetente Pfarrerinnen und Pfarrer wie engagierte Weltliche, Hauptamtliche wie Ehrenamtliche – waren ihm, so der Bischof, „ein großes Anliegen“.

Nicht zuletzt durch sein familiäres Herkommen habe Robert Kauer um die gesellschaftliche Verantwortung der Kirche gewusst, unterstreicht Bünker. Der „Weltbezug des Glaubens“, von dem der große evangelische Theologe Wilhelm Dantine sprach, habe auch Kauers jahrelange Tätigkeit als Politiker in Wien geprägt. „Die Stellung der Kirche als öffentlich-rechtliche Einrichtung war ihm dabei ein besonderes Anliegen.“ Dafür habe sich Kauer in seiner Tätigkeit als Mitarbeiter im Kultusamt ebenso eingesetzt wie in den letzten Lebensjahren als Pfarrer, in denen ihm die Krankenhauseelsorge ein wichtiges persönliches Anliegen geworden ist.

In seiner Zeit als Oberkirchenrat konnte Robert Kauer einige wichtige Projekte begleiten und manche davon verantwortlich umsetzen. Der Bischof kommt hier auf die Gesamtredaktion der Kirchenverfassung zu sprechen, die Einführung von EGON, der zentralen Mitgliederdatenbank der Evangelischen Kirche, die professionelle Pflege des Kirchenrechts mit der Herausgabe der Gesetzessammlung, die Errichtung des Evangelischen Zentrums, die Umsetzung des Reformationsempfangs oder die Pflege der Beziehungen zu den Kirchen in den Nachbarländern sowie Neuordnungen im Bereich der Diakonie und Bildungsarbeit. Bünker: „Vieles mehr wäre zu nennen. Überall, wo rechtliche Sachkenntnis für die Umsetzung von Vorhaben benötigt wurde, war Robert Kauer zur Stelle.“

Synodenpräsident Peter Krömer weist auf die zahlreichen nachhaltigen Verdienste Kauers bei der legistischen Arbeit hin. So habe Kauer etwa maßgeblich dazu beigetragen, dass das Gehaltsrecht der geistlichen AmtsträgerInnen im Wesentlichen durch Kollektivverträge geregelt wurde. Auch bei den neuen Pensionsregelungen Ende der 1990er-Jahre oder bei der Einbeziehung der geistlichen AmtsträgerInnen in die Vollversicherung der ASVG könnten die Verdienste Kauers „nicht hoch genug geschätzt“ werden. Stets sei es Robert Kauer „ein großes Anliegen“ gewesen, dass die Evangelischen Kirchen in Österreich den ihnen eingeräumten Rahmen der selbstständigen Regelung der inneren Angelegenheiten wahrnehmen und gegen jede Einschränkung verteidigen. Zuletzt habe sich Robert Kauer in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Krankenhausseelsorger vor dem Hintergrund der Datenschutzgrundverordnung für die Wahrung der Rechte der Evangelischen Kirchen eingesetzt.

„Robert Kauer war klug und hellsichtig“, so Bünker weiter, „ein wacher Geist, der die Entwicklungen in Religion und Kirche ebenso verfolgte wie in Politik und Gesellschaft“. Jedes Gespräch mit ihm sei auch bei unterschiedlicher Meinung ein Gewinn gewesen. „Er war ein streitbarer Geist, der sich nicht vor Auseinandersetzungen scheute und seine Überzeugungen mit Elan vertreten hat“, erinnert sich der Bischof. „Bei alledem standen für ihn das Gemeinsame, Respekt und Wertschätzung sowie die Bindung an den evangelischen Glauben, an Bibel und Bekenntnis, stets obenan. Ein Protestant, wie er im Buche steht! Im Namen der Kirche danke ich Gott für Robert Kauer und sein Wirken in Kirche und Gesellschaft! Unsere Anteilnahme gilt allen, die um ihn trauern, seiner Frau Helga, den Kindern und ihren Familien, den Enkelkindern, den Verwandten, Freunden und Wegbegleitern.“

Zur Person:

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Evangelischen Theologie wurde Robert Kauer Vikar in Wien-Neubau. Ab September 1963 war er als Pfarrer in Berndorf tätig, gleichzeitig war Kauer Jugendpfarrer in Niederösterreich. Schon früh hatte sich Kauer in der Jugendarbeit und für das damalige Evangelische Jugendwerk engagiert und spielte auch eine entscheidende Rolle im langjährigen Konflikt des Jugendwerkes mit der Kirchenleitung.

Im Oktober 1965 nahm er gegen die Weisung seines Superintendenten die mittlerweile historische „ökumenische Trauung“ in Berndorf vor. In der Folge mehrerer Disziplinarverfahren aufgrund dieser Trauung wurde Kauer im Dezember 1966 ohne Bezüge in den dauernden Ruhestand versetzt. Am 26. Dezember 1966 heiratete Robert Kauer Helga, geb. Neumair, ebenfalls in einer ökumenischen Trauung.

Im Februar 1967 trat Kauer in den Verwaltungsdienst bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ab 1976 war er an der Geologischen Bundesanstalt tätig. Von 13.11.1978 bis 9.12.1991 war Robert Kauer ÖVP-Landtagsabgeordneter und Wiener Gemeinderat. In dieser Zeit war er Kultursprecher der Wiener ÖVP, Geschäftsführer des Lueger-Instituts und aktiv im Kulturmanagement, etwa bei der Etablierung des Altwiener Christkindlmarktes auf der Freyung. Kauer war auch Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der ÖVP.

Ab 1981 war Robert Kauer auf verschiedenen Ebenen ehrenamtlich in der Evangelischen Kirche tätig, im Presbyterium der Pfarrgemeinde Wien-Landstraße, in der Wiener Superintendentialversammlung oder ab 1992 in der gesamtösterreichischen Synode, darunter auch mehrere Jahre als Obmann des Kontrollausschusses bzw. des Rechts- und Verfassungsausschusses.

1991 erfolgte die Pensionierung als Bundesbeamter, am 1.4.1994 wurde er reaktiviert, um als Ministerialrat im Kultusamt des Unterrichtsministeriums das Referat für die Angelegenheiten der Evangelischen Kirche zu leiten. Diese Tätigkeit übte Kauer bis 28.2.1998 aus.

Im November 1997 hatte die Synode Robert Kauer zum juristischen Oberkirchenrat gewählt, nun gehörte er der gesamtösterreichischen Kirchenleitung der Evangelischen Kirche A.B. an. Diese Funktion übte er nach seiner Wiederwahl im Oktober 2000 bis 13. Mai 2006 aus. Anschließend, nach Wiedereinsetzung in die Rechte aus der Ordination, war Kauer als Pfarrer in Ruhe vor allem in der Krankenhausseelsorge tätig.

Von Mai 2007 bis Mai 2009 stand Robert Kauer als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kirchenrecht vor, später war er deren Vizepräsident. Am 21. Dezember 2012 wurde ihm der Berufstitel „Professor“ verliehen.

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ISSN 2222-2464