Religionsvertreter kritisieren Umgang der Regierung mit Minderheiten

"Wir wollen keinen Hass, wir wollen keine Hetze", sagte IGGiÖ-Präsident Ümit Vural. Foto: pixabay
"Wir wollen keinen Hass, wir wollen keine Hetze", sagte IGGiÖ-Präsident Ümit Vural. Foto: pixabay

Anschläge von Christchurch scharf verurteilt

Wien (epdÖ) – Scharfe Kritik am Umgang der Bundesregierung mit Minderheiten haben Vertreter der größten österreichischen Religionsgemeinschaften geübt. Bei einer Integrationsenquete am Samstag, 16. März, in Wien kritisierten der römisch-katholische Kardinal Christoph Schönborn, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ), Ümit Vural, sowie Ex-Diakonie-Direktor Michael Chalupka unter anderem die Neuregelung des Karfreitags. Mit Blick auf die antimuslimischen Terroranschläge im neuseeländischen Christchurch formulierten die Religionsvertreter einhellig Absagen an Hetze und Hass.

Chalupka äußerte im Rahmen der von Allianz „Menschen.Würde.Österreich“ veranstalteten Enquete Kritik an der abwertenden Behandlung der evangelischen Minderheit durch Bundeskanzler Sebastian Kurz im Zuge der Karfreitagsregelung. Dieser hatte die Karfreitagsregelung damit gerechtfertigt, dass sie für 96 Prozent der Bevölkerung keine Verschlechterung bringe. „Nicht glücklich“ mit der Karfreitags-Lösung zeigte sich auch Schönborn, den vor allem den Vorschlag des Präsidenten der Industriellenvereinigung Georg Kapsch über eine Umwandlung aller Feiertage in Urlaubstage ärgerte. Ümit Vural unterstützte die Position Chalupkas und betonte, ein freier Karfreitag für alle wäre wohl im Sinne des Europäischen Gerichtshofs gewesen. Zudem stieß sich Vural an der Absage von Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) an einen muslimischen Feiertag. Dies sei mit dessen Bekenntnissen bei der Angelobung wohl nicht vereinbar.

Chalupka: „Phänomen des nationalen Rassismus“

Überschattet wurde die von der Allianz „Menschen.Würde.Österreich“ ausgerichtete Integrationsenquete von den Anschlägen auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch. Chalupka sieht sich mit einem „Phänomen des nationalen Rassismus“ konfrontiert, der „Versatzstücke der Religion hernimmt, um sich selbst zu legitimieren“. Dagegen müssten sich auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften entschieden wehren. Der Satz der neuseeländischen Premierministerin nach den Anschlägen sei auch im Umgang mit Migranten entscheidend: „They are us.“

Schönborn erinnerte daran, dass diese „giftige Saat“ nicht von irgendwo her komme. Der Kardinal forderte daher „Behutsamkeit in der Sprache“, etwa wenn Erstaufnahmezentren in „Ausreisezentren“ umbenannt werden: „Das ist ein Akt der Brutalität.“

Viral: Auf Sprache achten

Für IGGÖ-Präsident Ümit Vural bringen die jüngsten Entwicklungen in Neuseeland auch Österreichs Muslime in eine besorgniserregende Situation, was auch an der Basis zu spüren sei. Er fragte sich: „Wer kann uns die Garantie geben, dass ein derartiger Vorfall woanders nicht geschieht?“ Auch er mahnte nicht zuletzt die Politik, auf die Sprache zu achten. „Wir wollen keinen Hass, wir wollen keine Hetze.“

Niemand müsse sich provoziert fühlen, wenn Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften anders bekleidet sind, meinte Wiens Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister in einer Videobotschaft. Dies gelte sowohl für Juden, als auch für Musliminnen mit Kopftuch. Dennoch würden vonseiten der Politik oft falsche Behauptungen aufgestellt, etwa beim Schächten oder der Beschneidung. „Wenn religiöse Praktiken delegitimiert werden, dann hat das Extremismus zur Folge“, warnt

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ISSN 2222-2464